Freitag, 9. November 2018

Valproinsäure: Rote-Hand-Brief zu Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Eine Exposition von Kindern mit Valproinsäure im Mutterleib kann zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen (bis zu 30–40 % der Fälle) und angeborenen Missbildungen (ungefähr 10 % der Fälle) führen. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2014 Warnhinweise und Anwendungseinschränkungen für die Behandlung von Frauen und Mädchen mit Valproinsäure verschärft. Eine Bewertung durch den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) kam zu dem Ergebnis, dass die Maßnahmen nicht ausreichend sind. Daher werden neue Gegenanzeigen, verschärfte Warnhinweise und Maßnahmen zur Vermeidung einer Valproinsäure-Exposition während der Schwangerschaft eingeführt, über die in einem Rote-Hand-Brief informiert werden:

Bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter darf Valproinäsure nur dann angewendet werden, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.
Valproinsäure ist bei Frauen im gebärfähigen Alter kontraindiziert, es sei denn, das Schwangerschaftsverhütungsprogramm wird eingehalten.
Bei Epilepsie ist Valproinsäure während der Schwangerschaft kontraindiziert, außer wenn keine geeigneten Alternativen zur Verfügung stehen.
Bei bipolaren Erkrankungen und zur Migräneprophylaxe ist Valproinsäure während der Schwangerschaft kontraindiziert.
Die Produktinformationen werden aktualisiert.

Quelle
AkdÄ Drug Safety Mail vom 9. November 2018

Donnerstag, 8. November 2018

Tezacaftor/Ivacaftor von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 6. November 2018 Tezacaftor/Ivacaftor (Symkevi, Vertex) für die orale Behandlung von Patienten mit zystischer Fibrose ab einem Alter von 12 Jahren zugelassen die homozygot für die F508del-Mutation sind oder heterozygot sind für die F508del-Mutation und zusätzlich eine der folgenden Mutationen im CFTR-Gen aufweisen : P67L, R117C, L206W, R352Q, A455E, D579G, 711+3A→G, S945L, S977F, R1070W, D1152H, 2789+5G→A, 3272-26A→G und 3849+10kbC→T.

Tezacaftor ist ein selektiver CFTR-Korrektor, der an die erste membrandurchspannende Domäne (MSD-1, membrane spanning domain) des CFTR-Proteins bindet. Tezacaftor verbessert die zelluläre Verarbeitung und den Transport von normalem CFTR-Protein sowie diversen mutierten CFTRFormen (einschließlich F508del-CFTR) und erhöht dadurch die Menge von CFTR-Protein an der Zelloberfläche, was zu einem verstärkten Chlorid-Transport in vitro führt.


Ivacaftor ist ein CFTR-Potentiator, der die CFTR-Kanal-Öffnungswahrscheinlichkeit (oder Gating-Aktivität) auf der Zelloberfläche erhöht und somit den Chloridionentransport verstärkt. Damit Ivacaftor seine Wirkung entfalten kann, muss auf der Zelloberfläche CFTR-Protein vorhanden sein. Ivacaftor kann die Funktion des von Tezacaftor an die Zelloberfläche beförderten CFTR-Proteins verbessern und somit zu einer weiteren Erhöhung des Chloridionentransports im Vergleich zu einem der beiden Wirkstoffe allein beitragen. Die Kombination wirkt gezielt auf das abnormale FTRProtein, indem sie die Menge von CFTR-Protein auf der Zelloberfläche erhöht, dessen Funktion verbessert und somit in humanen Bronchialepithelzellen (HBE) von CF-Patienten, die homozygot für die F508del-Mutation sind, die Höhe der Flüssigkeitsschicht auf der Oberfläche der Luftwege vergrößert und die Zilienschlagfrequenz in vitro erhöht. Die genauen Mechanismen, durch die Tezacaftor die zelluläre Verarbeitung und den Transport von F508del-CFTR verbessert und Ivacaftor die CFTR-Öffnungswahrscheinlichkeit erhöht, sind nicht bekannt.

Quelle:
EPAR der EMA

Mittwoch, 7. November 2018

Venetoclax: Zulassung von der EU-Kommission erweitert

Die EU-Kommission hat am 31. Oktober 2018 die Zulassung für Venetoclax (Venclyxto, Abbvie) erweitert: Der BCL2-Inhibitor kann künftig in Kombination mit dem Anti-CD20-Antikörper Rituximab (R) bei Erwachsenen mit rezidivierender/refraktärer CLL (r/r CLL) ab der Zweitlinie eingesetzt werden. Damit stellt diese Kombinationstherapie das erste chemotherapiefreie Behandlungsschema mit einer begrenzten Therapiedauer bei CLL dar.
Die Zulassungserweiterung basiert auf den Ergebnissen der noch laufenden, randomisierten, Phase-III-Studie MURANO, in der Wirksamkeit und Sicherheit von Venetoclax plus Rituximab im Vergleich Bendamustin plust Rituximab (BR) bei Patienten mit r/r CLL verglichen werden.

Freitag, 26. Oktober 2018

Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolonen

In einem Rote-Hand-Brief wird auf das Risiko für Aortenaneurysemn und -dissektionen bei systemisch und inhalativ angewendenten Fluorchinolonen hingewiesen. Der Rote-Hand-Brief betrifft alle Fluorchinolon-haltigen Arzneimittel. In Deutschland zugelassene Fluorchinolone sind Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin.

  • Systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone können das Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen erhöhen, insbesondere bei älteren Patienten.
  • Bei Patienten mit einem Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen sollten Fluorchinolone nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und Berücksichtigung anderer Therapiemöglichkeiten angewendet werden.
  • Prädisponierende Faktoren für Aortenaneurysmen und -dissektionen sind unter anderem: Aneurysma-Erkrankung in der Familienanamnese, vorbestehendes Aortenaneurysma oder vorbestehende Aortendissektion, Marfan-Syndrom, vaskuläres Ehlers-Danlos-Syndrom, Takayasu-Arteriitis, Riesenzellen-Arteriitis, Morbus Behꞔet, Hypertonie und Atherosklerose.
  • Patienten sollten über das Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen informiert und aufgefordert werden, bei plötzlich auftretenden schweren Bauch-, Brustkorb- oder Rückenschmerzen unverzüglich eine Notaufnahme aufzusuchen.

Quelle
AkDÄ Drug Safety Mail vom 26. Oktober 2018

Eptacog alfa, Ivacaftor, Pembrolizumab: EMA empfiehlt Zulassungserweiterung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, die Zulassung von Eptacog alfa, Ivacaftor und  Pembrolizumab zu erweitern.


  • Eptacog alfa (NovoSeven, Novo) kann bisher schon bei Patienten mit Glanzmanns Thrombasthenie eingesetzt werden, wenn sie Antikörper gegen GPIIb/IIIa und/oder HLA aufweisen. Der Passus zu den Antikörpern soll entfallen und E. soll auch dann eingesetzt werden können, wenn keine Thrombozytentransfusionen verfügbar sind.
  • Ivacaftor (Kalydeco, Vertex) soll künftig bei Kindern ab 12 Monaten und mit mindestens 7 kg KG eingesetzt werden können. Zudem soll es bei Patienten eingesetzt werden können, die folgende Klasse-III-Mutationen im CFTR-Gen aufweisen: G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N oder S549R.
  • Pembrolizumab (Keytruda, MSD) soll künftig als Montoherapie die adjuvante Therapie des Melanoms bei Erwachsenen mit LK-Beteiligung nach kompletter Resektion eingesetzt werden können.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Lanadelumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, Lanadelumab (Takhzyro, Shire) zur parenteralen Routineprophylaxe rezidivierender Attacken eines hereditären Angioödems bei Patienten ab einem Alter von 12 Jahren zuzulassen.

Lanadelumab ist ein monoklonaler Antikörper, der Plasmakallikrein hemmt. Die erhöhte Aktivität von Plasmakallikrein führt bei Patienten mit hereditärem Angioödem zu Angioödemattacken aufgrund der Proteolyse von hochmolekularem Kininogen und Bradykinin. Lanadelumab hemme die Plasmakallikreinaktivität und verringert damit die Bradykininbildung.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Mexiletin mit neuer Indikation von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, Mexiletin (Namuscla, Lupin) für die orale symptomatische Behandlung von Myotonien bei Erwachsenen mit nichtdystrophischen Muskelerkrankungen zuzulassen.

Mexiletin wurde früher als Klasse-I-Antiarrhythmikum eingesetzt. Es blockiert Natriumkanäle. Hierdurch vermindert es die Muskelsteife bei Patienten mit nichtdystrophischen Muskelerkrankungen.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Tetravalenter Grippeimpfstoff aus Zellkulturen von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, den tetravalenten Grippeimpfstoff Flucelvax Tetra (Seqirus, Niederlande) gewonnen aus Zellkulturen, zuzulassen.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Denguefieber-Impfung von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, eine tetravalente attenuierte Lebendvakzine (Dengvaxia, Sanofi Pasteur) zur Prophylaxe des Denguefiebers zuzulassen.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Samstag, 6. Oktober 2018

Abemaciclib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 27. September 2018 Abemaciblib (Verzenios, Lilly) für die orale Behandlung von Frauen mit HR-positivem EGFR-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom in Kombination mit einem Aromataseinhibitor oder Fulvestrant als initiale endokrine Therapie oder bei Frauen, die zuvor schon eine endokrine Therapie erhalten habe, zugelassen.

Abemaciclib ist wie Ribociclib und Palbociclib ein potenter und selektiver Inhibitor der Cyclin-abhängigen Kinasen (cyclin-dependent kinase, CDK) 4 und 6, und zeigte in enzymatischen Assays die höchste Aktivität gegen Cyclin D1/CDK4. Abemaciclib verhindert die Phosphorylierung des Retinoblastom-Proteins (Rb) und blockiert so den Übergang des Zellzyklus von der G1- in die S-Phase der Zellteilung, was zur Unterdrückung des Tumorwachstums führt.
Wirksamkeit und Verträglichkeit von Abemaciclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer (Anastrozol oder Letrozol) wurde in der Studie MONARCH 3 untersucht, einer randomisierten,
doppelblinden, placebokontrollierten Phase 3 Studie bei Frauen mit HR-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die in dieser Erkrankungssituation zuvor keine systemische Therapie erhalten hatten. Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt, der Verlängerung des PFS.

Quelle
EPAR der EMA

Dienstag, 2. Oktober 2018

Durvalumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 21. September 2018 Durvalumab (Imfinzi, AstraZeneca) zur parenteralen Monotherapie von Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbarem NSCLC und einer PD-L1-Expression ≥ 1 % ohne Progression nach Platin-basierter Chemoradiotherapie zugelassen.

Durvalumab ist  wie z. B. Atezolizumab ein PD-L1-Inhibitor. Der humane monoklonale Antikörper
blockiert selektiv die Interaktion von PD-L1 mit PD-1 und CD80. Durvalumab induziert keine antikörperabhängige zellvermittelte Zytotoxizität (ADCC). Die selektive Blockierung der Interaktion zwischen PD-L1/PD-1 sowie PD-L1/CD80 verbessert die antitumorale Immunantwort und erhöht die T-Zellaktivierung.
Wirksamkeit und Sicherheit wurden in der Phase-III-Studie PACIFIC untersucht. Die Studie ergab eine statistisch signifikante Verbesserung des PFS bei der mit Durvalumab behandelten Gruppe im Vergleich zur Placebo-Gruppe [Hazard-Ratio (HR) = 0,52 (95%-KI: 0,42; 0,65). Auch das Gesamtüberleben wurde signifikant verbessert. Die Ein-Jahres-Überlebensrate lag in der Durvalumab-Gruppe bei 83,1%, in der Placebo-Gruppe bei 75,3%, die 2-Jahres-Überlebensraten bei 66,3% bzw. 55,6%.
Nebenwirkungen vom Grad 3/4 traten bei 30,5% der Durvalumab-Patienten und bei 26,1% in der Placebo-Gruppe auf. Eine Pneumonitis war der häufigste Abbruchgrund (4,8% unter Durvalumab, 2,6% unter Placebo).

Quelle:
EPAR der EMA

Binimetinib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 20.9.2018 Binimetinib (Mektovi, Pierre Fabre) in Kombination mit Encorafenib zu oralen Behandlung von erwachsenen Patienten mit nicht resezierbarem oder metastasiertem  Melanom mit eiiner BRAF-V600-Mutation zugelassen.

Binimetinib ist wie z. B. Cobimetinib oder Trametinib ein MEK-Inhibitor. Die MEK-Proteine sind vorgeschaltete Regulatoren des mit extrazellulären Signalen verbundenen Kinase-Signalübertragungswegs (ERK), der die Zellproliferation fördert. Beim Melanom und anderen Krebsarten ist dieser Signalweg oft aktiviert durch mutierte Formen von BRAF, die MEK aktivieren. Binimetinib hemmt die Aktivierung von MEK durch BRAF sowie die MEK-Kinaseaktivität. Binimetinib hemmt das Wachstum von Melanom-Zelllinien mit BRAF-V600-Mutation und zeigt Antitumor-Wirkungen in Tiermodellen mit BRAF-V600-mutiertem Melanom.
Binimetinib und Encorafenib hemmen beide den MAP-Kinase-Signalweg, was zu einer höheren Antitumor-Aktivität führt. Darüber hinaus verhinderte die Kombination Encorafenib plus Binimetinib in vivo bei humanen Melanom-Xenografts mit BRAF-V600E-Mutation die Entwicklung einer Resistenz.
Sicherheit und Wirksamkeit von Binimetinib in Kombination mit Encorafenib wurden in einer zweiteiligen, randomisierten (1:1:1), wirkstoffkontrollierten, offenen, multizentrischen Phase-III-Studie (CMEK162B2301) bei Patienten mit nicht-resezierbarem oder metastasiertem Melanom mit
BRAF-V600E- oder -K-Mutation untersucht.

Quelle
EPAR der EMA

Encorafenib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 20. September 2018 Encorafenib (Braftovi, Pierre Fabre) in Kombination mit Binimetinib zu oralen Behandlung von erwachsenen Patienten mit nicht resezierbarem oder metastasiertem  Melanom mit einer BRAF-V600-Mutation zugelassen.

Encorafenib ist wie z.B. Dabrafenib ein potenter niedermolekularer RAF-Inhibitor.  Encorafenib unterdrückt den RAF/MEK/ERK-Signalweg in Tumorzellen, die verschiedene Mutationsformen der BRAF-Kinase (V600E, D und K) exprimieren.
Encorafenib und der MEK-Inhibitor Binimetinib hemmen den MAP-Kinase-Signalweg, was zu einer höheren Antitumor-Aktivität führt. Darüber hinaus verhinderte die Kombination Encorafenib plus Binimetinib in vivo bei humanen Melanom-Xenografts mit BRAFV600E-Mutation die Entwicklung einer Resistenz.
Sicherheit und Wirksamkeit von Encorafenib in Kombination mit Binimetinib wurden in einer
zweiteiligen, randomisierten (1:1:1), wirkstoffkontrollierten, offenen, multizentrischen Phase-III-Studie (CMEK162B2301) bei Patienten mit nicht-resezierbarem oder metastasiertem Melanom mit
BRAF-V600E- oder -K-Mutation untersucht.

Quelle:
EPAR der EMA

Eravacyclin von der der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 20. September 2018 Eravacyclin (Xerava, Tetraphase) für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit komplizierten intraabdominalen Infektionen zugelassen.

Eravacyclin ist ein fluoriertes Tetracyclinantibiotikum.

Donnerstag, 27. September 2018

ICD-10-GM 2019: DIMDI veröffentlicht endgültige Fassung

Das DIMDI hat die endgültige Fassung der ICD-10-GM Version 2019 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification) veröffentlicht. In die neue Version flossen die Änderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein. Berücksichtigt sind zudem 87 Vorschläge, zumeist von Fachgesellschaften und Fachleuten aus Ärzteschaft, Krankenkassen und Kliniken sowie Organisationen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen.
Die Klassifikation bildet unter anderem die Basis für die Entgeltsysteme.
Diagnosen müssen im ambulanten und stationären Bereich nach der ICD-10-GM verschlüsselt werden. Ärzte und Dokumentare in Krankenhäusern sind verpflichtet, dabei die Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) in der jeweils gültigen Fassung zu berücksichtigen; in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen sind die Deutschen Kodierrichtlinien für die Psychiatrie/Psychosomatik (DKR-Psych) heranzuziehen. Die Kodierrichtlinien werden von den Selbstverwaltungspartnern gemeinsam vereinbart.
Die Verschlüsselung erfolgt auf der Basis des Systematischen Verzeichnisses der ICD-10-GM. Das zugehörige Alphabetische Verzeichnis mit seiner umfangreichen Sammlung an Krankheitsbezeichnungen und Synonymen erleichtert die Arbeit in der Praxis.
Die WHO hat angekündigt, nach 2019 keine regelmäßigen Aktualisierungen mehr für die ICD-10 herauszugeben. Bei dringendem Änderungsbedarf wird die WHO ggf. einzelne Anpassungen bekanntgeben, die dann ggf. in die ICD-10-GM übernommen werden.

Alle Klassifikationsdateien finden sich kostenfrei auf der DIMDI-Webseite unter Klassifikationen - Downloads. Dazu gehören die Referenzfassungen und Aktualisierungslisten zur ICD-10-GM 2019 sowie alle anderen bereits bekannten Dateiformate.
Um über unterjährige Fehlerkorrekturen und Aktualisierungen informiert zu werden, empfehlen das DIMDI , den Newsletter DIMDI Aktuell - Rubrik Klassifikationen zu abonnieren.



Quelle:
Pressemitteilung DIMDI vom 27. September 2018

Freitag, 21. September 2018

Cabozantinib, Elebrato Ellipta, Enzalutamid, Fingolimod, Tocilizumab, Venetoclax: EMA empfiehlt Zulassungserweiterung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, die Zulassung von Cabozantinib, Elebrato Ellipta, Enzalutamid, Fingolimod, Tocilizumab, Venetoclax zu erweitern.


  • Cabozantinib (Cabometyx, Ipsen) soll künftig auch als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit hepatozellulärem Karzinom nach Vorbehandlung mit Sorafenib eingesetzt werden können.
  • Enzalutamid (Xtandi, Astellas) soll künftig bei Erwachsenen mit nicht metastasiertem, kastrationsresistenem Hochrisiko-Prostatakarzinom eingesetzt werden können.
  • Fingolimod (Gilenya, Novartis) soll künftig bei Kindern ab einem Alter von 10 Jahren eingesetzt werden können.
  • Fluticasonfuroat/Umeclidinium/Vilanterolfluticasone (Elebrato Ellipta, Trelegy Ellipta, GSK) soll künftig auch bei nicht ausreichender Wirkung einer LABA/LAMA-Kombination sowie zur Prävention von Exazerbationen eingesetzt werden können.
  • Tocilizumab (Roactemra, Roche) soll künftig für die Behandlung der sJIA bei Patienten ab einem Jahr eingesetzt werden können, die auf eine Therapie mit NSAR und Glucocorticoiden nicht ausreichend angesprochen haben. Es kann in Kombination mit Methotrexat oder bei MTX-Unverträglichkeit in Monotherapie verwendet werden.
  • Venetoclax (Venclyxto, Abbvie) ist künftig in Kombination mit Rituximab für die Behandlung von Erwachsenen mit CLL zugelassen, die mindestens eine Therapielinie erhalten haben. Die Monotherapie ist angezeigt bei Patienten
    - die eine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen und die für eine Behandlung mit einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs nicht geeignet sind oder ein Therapieversagen zeigten.
    - ohne Vorliegen einer 17p-Deletion oder TP53-Mutation, bei denen sowohl unter einer Chemo-Immuntherapie als auch unter einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs ein Therapieversagen auftrat

 
Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Meropenem/Vaborbactam von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Meropenem/Vaborbactam (Vabomere, Rempex) für die Behandlung von Erwachsenen mit komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich Pyelonephritis, komplizierten intraabdominalen Infektionen und nosokomial erworbenen Pneumonien einschließlich Beatmungs-assoziierter Pneumonie zuzulassen.
Außerdem soll es bei erwachsenen Patienten eingesetzt werden können, die an einer Infektion mit gramnegativen Erregern mit begrenzten Therapiemöglichkeiten erkrankt sind.

Das Carbapenem Meropenem ist seit vielen Jahren im Handel, Vaborbactam ist ein neuer nicht suizidal wirkender Beta-Lactamasehemmer, der unter anderem Klebsiella-pneumoniae-Carbapenemasen hemmt.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Mogalizumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Mogalizumab (Poteligeo, Kyowa Kirin) als Orphan Drug für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit Mycosis fungoides (MF) oder Sézary-Syndrom zuzulassen, die mindestens eine systemische Therapie erhalten haben.

Mogalizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der selektiv an Chemokin-Rezeptor 4(CCR4) bindet, der auf der Oberfläche einige Krebszellen einschließlich T-Zellen bei T-Zell-Malignitäten, wie MF oder SS, gebildet wird.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Voretigen Neparvovec von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Voretigen Neparvovec (Luxturna, Spark Therapeutics) zur parenteralen Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit Sehverlust aufgrund einer erblichen retinalen Dystrophie verursacht durch biallele RPE65-Mutationen zuzulassen, wenn ausreichend empfindliche Retinazellen vorhanden sind.

Voretigen Neparvovec  ist ein Gentransfer-Vektor, der das mutierte Gen in den den Retinazellen ersetzen soll. Es wird einmal in die Retina injiziert. Bislang ist die Gentherapie bei 41 Patienten untersucht worden.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Damoctocog alfa pegol von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Damoctocog alfa pegol (Jivi, Bayer) zur parenteralen Prophylaxe und Therapie von Blutungen bei Patienten ab 12 Jahren mit Hämophilie A zuzulassen.

Damoctocog alfa pegol ist ein rekombinanter pegylierter Faktor VIII. 
Die Zulassungsempfehlung basiert auf Ergebnissen der Phase II/III-Studie PROTECT-VIII, in der Prophylaxe, Bedarfsbehandlung und perioperative Behandlung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerer Hämophilie A untersucht wurden.
In der randomisierten Studie hatten 74 Prozent der Patienten, die einmal wöchentlich mit Damoctocog alfa pegol behandelt wurden sowie alle Patienten (100 Prozent), die alle fünf Tage behandelt wurden, einen guten Schutz vor Blutungen. Die Patienten mit einmal wöchentlicher Dosierung hatten eine mittlere jährliche Blutungsrate (annualized bleeding rate, ABR) von 0,96; die Hälfte dieser Patienten hatte keine Blutungen. Die Behandlung mit Damoctocog alfa pegol wurde im Allgemeinen gut vertragen.
Das positive Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil der Hauptstudie wurde in der PROTECT-Verlängerungsstudie über fünf Jahre bestätigt. In der PROTECT-VIII-Verlängerungsstudie sank die Gesamt-ABR im Vergleich zur Hauptstudie im Laufe der Zeit weiter. Kein Patient entwickelte FVIII-Inhibitoren, und das Sicherheitsprofil blieb vorteilhaft.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018
Pressemitteilung der BAYER AG vom 21.9.2018

Galcanezumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Galcanezumab (Emgality, Lilly) zur parenteralen Prophylaxe der Migräne bei Erwachsenen zuzulassen, die an mindestens 4 Migränetagen pro Monat leiden.

Galcanezumb ist wie Erenumab ein monoklonaler Antikörper, der zur Prävention der Migräne eingesetzt werden kann. ER bindet selektiv an den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related-Peptide (CGRP). CGRP wirkt als proinflammatorisches Neuropeptid stark gefäßerweiternd und ist damit zentral an der Schmerzauslösung sowie der neurogenen Entzündung beteiligt. Da Patienten während akuter Migräneattacken erhöhte CGRP-Spiegel aufweisen, dürfte  CGRP eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung des Migräne-Schmerzes zukommen. Die intravenöse Infusion von CGRP löst bei Patienten migräneähnliche Kopfschmerzen aus.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Doravirin und Doravirin/Lamivudin/Tenofovir disoproxil von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Doravirin (Pifeltro, MSD) sowie Doravirin/Lamivudin/Tenofovir disoproxil (Delstrigo, MSD) für die orale Behandlungvon Erwachsenen mit HIV-Infektion zuzulassen, die keine Resistenz gegen NNRTI wie Lamivudin oder Tenofovir aufweisen.


Doravirin ist eine neuer NNRTI.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Brigatinib von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Brigatinib (Alunbrig, Takeda) zur oralen Monotherapie erwachsener Patienten mit ALK-positivem fortgeschrittenen NSCLC zuzulassen, die zuvor mit Crizotinib behandelt worden sind.

Brigatinib ist ein Kinasehemmer, der die Autophosphorylierung der ALK (anaplastischen Lymphomkinase), die ALK-vermittelte Phosphorylierung weiterer Proteine und die Proliferation von ALK-abhängigen Krebszellen hemmt. Es kann auch bei Patienten, die auf den ALK-Hemmer Crizotinib refraktär sind, ein Ansprechen hervorrufen.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Montag, 10. September 2018

Vonicog alfa von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. September 2018 Vonicog alfa (Veyvondi, Baxalta Innovations GmbH) als Orphand Drug für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit von-Willebrand-Erkrankung zugelassen, wenn Desmopressin allein nicht wirksam oder nicht angezeigt ist, für die Behandlung von Blutungen und Operaionsblutungen sowie für die Prävention von Operations-bedingten Blutungen. Vonicog alfa sollte nicht zur Behandlung der Hämophilie A verwendet werden.

Vonicog alfa ist eine rekombinanter humaner von-Willebrand-Faktor, der die Plättchenanheftung an das Endothel bei Gefäßverletzungen wieder herstellen kann und der einen Faktor-VIII-Mangel ausgleichen kann.
Die klinischen Sicherheits-, Wirksamkeits- und PK-Daten wurden in 3 abgeschlossenen Studien (070701, 071001 und 071101) mit Patienten mit VWS ausgewertet. Insgesamt wurden 92 einzelne Patienten (80 einzelne Patienten mit VWS in den Studien 070701, 071001 und 071101 und 12 Patienten mit Hämophilie A in der Studie 071104) in der klinischen Entwicklungsphase mit
Vonicog alfa behandelt.

Quelle
EPAR der EMA

Neratinib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. September 2018 Neratinib (Nerlynx, Puma Biotech) für die erweiterte adjuvante orale Therapie von Erwachsenen mit frühem Hormonrezeptor-positivem und HER2-positivem Mammakarzinom im frühen Stadium zugelassen, bei denen vor weniger als einem Jahr eine Trastuzumab-basierte Behandlung durchgeführt worden war.

Neratinib ist ein irreversibler Tyrosinkinasehemmer (TKI) des viralen Onkogen-Homologs der Erythroblastenleukämie (ERBB), der die Signaltransduktion des Mitogen-Wachstumsfaktors durch kovalente Bindung mit hoher Affinität an der ATP-Bindungsstelle von 3 epidermalen Wachstumsfaktorrezeptoren (EGFRs) blockiert: EGFR (codiert als ERBB1), HER2 (codiert als ERBB2) und HER4 (codiert als ERBB4) oder ihre aktiven Heterodimere mit HER3 (codiert als ERBB3). Dadurch wird eine nachhaltige Hemmung dieser wachstumsfördernden Pfade bei Brustkrebs mit HER2-Amplifizierung oder -Überexpression oder HER2-Mutation erreicht. Neratinib bindet sich an den HER2-Rezeptor, verringert die EGFR- und HER2-Autophosphorylierung der nachgelagerten MAPK- und AKT-Signalpfade und hemmt stark die Tumorzellproliferation in vitro.

Quelle
EPAR der EMA

Caplacizumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. September 2018 Caplacizumab (Cablivi, Sanofi, Ablynx) zur parenteralen Behandlung der erworbenen thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (aTTP) zusammen mit Plasmaaustausch und Immunsuppression zugelassen.

Caplacizumab ist ein humanisierter bivalenter "Nanobody",  der aus zwei identischen humanisierten Bausteinen (PMP12A2hum1) besteht, die gentechnisch durch einen 3-Alanin-Linker verbunden sind.
Es zielt auf die A1-Domäne des von-Willebrand-Faktors ab und hemmt die Wechselwirkung zwischen dem von-Willebrand-Faktor und den Thrombozyten. Somit verhindert Caplacizumab die durch den ultralangen von-Willebrand-Faktor vermittelte Thrombozytenadhäsion, die für eine erworbene TTP charakteristisch ist. Es beeinflusst auch die Verfügbarkeit des von-Willebrand-Faktors, was zu einer vorübergehenden Reduktion der Antigen-Gesamtspiegel des von-Willebrand-Faktors und zur gleichzeitigen Reduktion der Faktor-VIII:C-Spiegel während der Behandlung führt.
Wirksamkeit und Sicherheit von Caplacizumab bei Erwachsenen, die an einer Episode von
erworbener TPP leiden, wurden in zwei randomisierten, kontrollierten Studien nachgewiesen: die
Phase-III-Studie ALX0681-C301 HERCULES und die Phase-II-Studie ALX-0681-2.1/10
TITAN.

Quelle:
EPAR der EMA


Dienstag, 4. September 2018

Patisiran von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 29.8.2018 Patisiran (Onpattro, Alnylam) als Orphan Drug für die parenterale Behandlung der hereditären Transthyretin-vermittelten Amyloidose (hATTR-Amyloidose) bei Erwachsenen mit Polyneuropathie im Stadium 1 oder 2 zugelassen.

Die hATTR-Amyloidose ist eine seltene lebensbedrohliche Erbkrankheit, die durch Mutationen im Transthyretrin-Gen entsteht. Hierdurch kommt es zu fehlgefalteten TTR-Proteinen, die sich als Amyloidfibrllien an verschiedenen Stellen wie Nerven, Herz und GI-Trakt anreichern. Die Patienten leiden unter Herzproblemen, Muskelschwäche und Gehbehinderungen, gastrointestinalen Störungen und Blasendysfunktion.
Onpattro enthält Patisiran, eine doppelsträngige, kleine interferierende Ribonukleinsäure (small interfering ribonucleic acid, siRNA), die spezifisch auf eine genetisch konservierte Sequenz in der 3’-untranslatierten Region der gesamten mRNA von mutiertem und Wildtyp-TTR abzielt. Patisiran ist als Lipid-Nanopartikel zubereitet, um die siRNA zu den Hepatozyten zu befördern, welche die primäre Quelle des TTR-Proteins im Kreislauf darstellen. Durch einen natürlichen Prozess, der als RNA-Interferenz (RNAi) bezeichnet wird, bewirkt Patisiran den katalytischen Abbau der TTR-mRNA in der Leber, was zu einer Reduktion des TTR-Proteins im Serum führt.

Die Wirksamkeit von Onpattro wurde in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten
Studie bei 225 hATTR-Amyloidose-Patienten mit einer TTR-Mutation sowie symptomatischer
Polyneuropathie untersucht

Quelle:

Gemtuzumab Ozogamicin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 19. April 2018 Gemtuzumab Ozogamicin  (Mylotarg, Pfizer) in Kombination mit Daunorubicin und Cytarabin für die Behandlung von Patienten ab 15 Jahren mit bislang unbehandelter CD33-positiver akuter myeloischer Leukämie (AML) ausser der akuten promyelozytischen Leukämie (APL) zugelassen.

Gemtuzumab-Ozogamicin ist ein Immunkonjugat, das aus einem rekombinanten humanisierten CD33-Antikörper und dem bakteriellen Toxin Calicheamicin besteht. Das zytostatisch wirkende Toxin wird aus dem Bakterium Micromonospora echinospora subsp. Calichensis gewonnen.

Der Antikörper bindet spezifisch an das C33-Antigen, das bei mehr als 80% der AML-Patienten auf der Oberfläche von leukämischen Blasten exprimiert wird. Nach der Bindung wird der Antigen-Antikörper-Komplex internalisiert, hierbei wird das Zytostatikum in den Lysosomen der Blutzelle freigesetzt und kann dort seine Wirkung entfalten.

Gemtuzumab-Ozogamicin hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Gemtuzumab-Ozogamicin (Mylotarg® vom Hersteller Wyeth) war als erstes Antikörper-Immuntoxin-Konjugat weltweit im Jahr 2000 von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zugelassen worden: für die Behandlung älterer AML-Patienten mit einem Rezidiv, für die eine intensivierte Therapie nicht angezeigt war. Der CHMP lehnte 2007 die Zulassung von Gemtuzumab-Ozogamicin (GO) ab, was nach nochmaliger Überprüfung der Daten im Jahr 2008 bestätigt wurde.

Die Ablehnung wurde mit nicht überzeugenden Daten zur Wirksamkeit bei gleichzeitigem Vorliegen von schweren unerwünschten Wirkungen begründet. Insbesondere die Daten der SWOG-S0106-Studie (South West Oncology Group) führten dann im Jahr 2010 zur Marktrücknahme von Gemtuzumab-Ozogamicin in den USA. Diese Studie wurde vorzeitig abgebrochen, weil in der GO-Gruppe eine erhöhte frühe Sterblichkeit (6% vs. 1%) beobachtet wurde, die durch einen späteren erhöhten Nutzen nicht ausgeglichen werden konnte.

Die FDA hat GO nun im September 2017 zur Behandlung von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) zugelassen. Eingesetzt werden darf es in Kombination mit Standard-Chemotherapie bei Erwachsenen mit neu diagnostizierter Erkrankung, deren Tumor das Oberflächenprotein CD33 exprimiert (CD33-positive AML). Zudem darf es CD33-positiven AML-Patienten ab einem Alter von zwei Jahren verabreicht werden, die nicht auf eine vorherige Therapie angesprochen oder einen Rückfall erlitten haben. Die Zulassung beruht auf einem umfangreichen Studienprogramm, inklusive der Phase-III-Studien ALFA-0701 und AML-19 sowie der Phase-II-Studie MyloFrance-1.
In der multizentrischen, randomisierten, offenen und kontrollierten Phase-III-Studie ALFA-0701 wurde Gemtuzumab Ozogamicin an neu diagnostizierten AML-Patienten untersucht. Dabei wurde Gemtuzumab Ozogamicin – im Vergleich zu vorherigen Studien – in einer niedrigen Dosis und auf 3 Tage verteilt eingesetzt. Im Verhältnis 1:1 randomisiert erhielten die Patienten entweder Gemtuzumab Ozogamicin in Kombination mit einer Chemotherapie (n = 135) oder eine alleinige Chemotherapie (n = 136). Der primäre Endpunkt dieser Studie, das ereignisfreie Überleben, wurde erreicht: Patienten, die Gemtuzumab Ozogamicin erhielten, erreichten ein medianes EFS von 17,3 Monaten, verglichen mit 9,5 Monaten in der Gruppe mit alleiniger Chemotherapie (HR: 0,56 [95 %-KI 0,42-0,76]; p < 0,0002). In der ALFA-0701-Studie traten als häufigste Nebenwirkungen Hämorrhagien, Infektionen, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Kopfschmerz, erhöhte AST- und ALT-Werte, Exantheme und Schleimhautentzündungen auf. Die klinisch relevanten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren Hepatotoxizität, darunter venöse okklusive Leberkrankheit (VOD/SOS) (3,8 %), Blutungen (9,9 %) und schwere Infektionen (41,2 %).

Quelle:
Info der EMA


Freitag, 31. August 2018

Ulipristalacetat - EU-Kommission erweitert Indikation

Ulipristalacetat (Gedeon Richter) kann nun auch zur oralenIntervall-Therapie mittlerer bis starker Symptome durch Gebärmutter-Myome bei erwachsenen Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter eingesetzt werden, die für die eine Operation nicht infrage kommen.

Quelle
EPAR der EMA

Vestronidase alfa von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 27. August 2018 Vestronidase alfa (Mepsevii,Ultragenyx) zur parenteralen Behandlung nicht-neurologischer Krankheitsanzeichen der Mukopolysaccharidose VII (MPS VII; Sly-Syndrom) zugelassen.

Vestronidase alfa ist eine rekombinante Form der humanen Beta-Glukuronidase (rhGUS) und wird mittels rekombinanter DNA-Technologie in Ovarialzellen des Chinesischen Hamsters hergestellt.
Mukopolysaccharidose VII ist eine lysosomale Speicherkrankheit, die durch den Mangel an Beta-Glukuronidase (GUS) gekennzeichnet ist. Dieser führt zur Ansammlung von Glykosaminoglykanen
(GAGs) in Zellen im gesamten Körper und dadurch zu Gewebe- und Organschäden in mehreren
Körpersystemen.
Vestronidase alfa ist zur Bereitstellung von exogenem GUS-Enzym zur Aufnahme in zelluläre Lysosomen und zum anschließenden Abbau von GAG-Einlagerungen in betroffenen Geweben bestimmt.
Das klinische Programm für Vestronidase alfa umfasste 23 nicht vorbehandelte Patienten mit MPS VII im Alter von 5 Monaten bis 25 Jahren aus 4 klinischen Studien, die über eine Dauer von bis zu 132 Wochen alle zwei Wochen Vestronidase alfa in Dosierungen von bis zu 4 mg/kg erhalten hatten.
Neunzehn Patienten waren jünger als 18 Jahre.

Quelle
EPAR der EMA

Axicabtagen-Ciloleucel von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 27. August 2018 Axicabtagen-Ciloleucel (Yescarta, Kite) zugelassen. Die Immuntherapie wird zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder
refraktärem diffus großzelligem B-Zell-Lymphom (DLBCL) und primär mediastinalem großzelligem
B-Zell-Lymphom (PMBCL) nach zwei oder mehr systemischen Therapien angewendet.

Axicabtagen-Ciloleucel ist eine gegen CD19 gerichtete Immuntherapie mit genetisch modifizierten autologen T-Zellen. Zur Herstellung werden körpereigene T-Zellen des Patienten entnommen und ex vivo mittels retroviraler Transduktion modifiziert, um einen chimären Antigenrezeptor (CAR) zu exprimieren, der ein variables Maus-Anti-CD19-Einzelkettenfragment (scFv) umfasst, das mit den CD28- und CD3-zeta-kostimulatorischen Domänen verbunden ist. Die lebensfähigen Anti-CD19 CAR-positiven T-Zellen werden expandiert und dem Patienten zurück infundiert, wo sie die CD19-exprimierenden Zielzellen erkennen und eliminieren können.
Axicabtagen-Ciloleucel bindet an CD19-exprimierende Krebszellen und normale B-Zellen. Nach der  Bindung der Anti-CD19-CAR-T-Zellen an die CD19-exprimierenden Zielzellen aktivieren die kostimulierenden Domänen CD28 und CD3-zeta nachgeschaltete Signalkaskaden, die bei den T-Zellen zu Aktivierung, Proliferation, Erlangung von Effektorfunktionen und Sekretion von inflammatorischen Zytokinen und Chemokinen führen. Diese Abfolge von Ereignissen führt zur Apoptose und Nekrose der CD19-exprimierenden Zielzellen.

Quelle
EPAR der EMA

Tisagenlecleucel von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 27. August 2018 Tisagenlecleucel (Kymriah, Novartis) zugelassen. Es wird angewendet zur Behandlung von:
- Kindern, Jugendlichen und jungen erwachsenen Patienten im Alter bis zu 25 Jahren mit refraktärer oder rezidivierter (Rezidiv nach Transplantation oder zweites oder späteres Rezidiv) akuter lymphatischer B-Zell-Leukämie (ALL).
- erwachsenen Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem diffus großzelligen B-Zell-Lymphom (DLBCL) nach zwei oder mehr Linien einer systemischen Therapie.

Bei Tisagenlecleucel handelt es sich um autologe T-Zellen, die ex vivo mit einem lentiviralen Vektor, der für einen gegen CD19 gerichteten chimären Antigenrezeptor (CAR) kodiert, genetisch verändert wurden.
Tisagenlecleucel ist eine mit autologen Immunzellen durchgeführte Krebstherapie, bei der eine Umprogrammierung der T-Zellen des Patienten mit Hilfe eines Transgens erfolgt, das einen chimären Antigenrezeptor (chimeric antigen receptor, CAR) kodiert, um CD19-exprimierende Zellen zu erkennen und zu eliminieren. Der CAR besteht aus einem murinen Einzelketten-Antikörperfragment, welches CD19 erkennt und mit den intrazellulären Signaldomänen 4-1BB (CD137) und CD3-zeta verbunden ist. Die Komponente CD3-zeta ist wichtig für die Einleitung der T-Zell-Aktivierung und die antitumorale Aktivität, während 4-1BB die Expansion und Persistenz von Tisagenlecleucel verbessert. Nach der Bindung an CD19-exprimierende Zellen übermittelt der CAR ein Signal,  welches die T-Zell-Expansion und die Persistenz von Tisagenlecleucel fördert.

Quelle:
EPAR der EMA

Montag, 13. August 2018

Hydroxyethylstärkehaltige Infusionen: Rote-Hand-Brief zur Verstärkung der bestehenden Einschränkungen

In eine Rote-Hand-Brief werden neue Maßnahmen zur Verstärkung der bestehenden Beschränkungen aufgrund eines erhöhten Risikos von Nierenfunktionsstörungen und tödlichen Verläufen bei kritisch kranken oder septischen Patienten aufgeführt.

Hydroxyethylstärke(HES)-haltige Arzneimittel zur Infusion werden trotz der 2013 eingeführten Anwendungsbeschränkungen weiterhin bei Patienten mit Kontraindikationen angewendet. Ferner wird die Beschränkung der Anwendungsgebiete nicht vollständig befolgt. Zu diesem Ergebnis kam die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) in einer Überprüfung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses. Die kontraindizierte Anwendung geht mit einem Risiko für schwerwiegende Gesundheitsschäden einschließlich erhöhter Mortalität einher.
Im Rote-Hand-Brief wird auf bestehende und neue Anwendungsbeschränkungen hingewiesen:

  • HES-haltige Arzneimittel zur Infusion sollen nur dann zur Behandlung von Hypovolämie aufgrund eines akuten Blutverlusts eingesetzt werden, wenn kristalloide Lösungen allein als nicht ausreichend erachtet werden.
  • HES-haltige Arzneimittel zur Infusion dürfen nicht bei Patienten mit Sepsis, Nierenfunktionsstörung oder bei kritisch kranken Patienten angewendet werden. Eine vollständige Auflistung der Kontraindikationen ist der Produktinformation zu entnehmen.
  • Ein Programm für den kontrollierten Zugang wird eingeführt. Nur akkreditierte Krankenhäuser/Zentren werden mit HES beliefert. Als Voraussetzung für die Akkreditierung erhalten relevante medizinische Fachkräfte eine Pflichtschulung zur sicheren und wirksamen Anwendung.
Quelle
AkdÄ Drug Safety Mail vom 13.8.2018


Mittwoch, 8. August 2018

Daclizumab: Rote-Hand-Brief wegen Enzephalitis

Nach Fallberichten schwerwiegender entzündlicher Erkrankungen des Gehirns und anderer Organe wurde im März 2018 die Marktzulassung von Daclizumab (Zinbryta®)  zurückgenommen und das Arzneimittel aus dem europäischen Markt zurückgerufen. Es wurde empfohlen, Patienten bis zu sechs Monate nach Absetzen auf Nebenwirkungen zu überwachen. Ein aktueller Rote-Hand-Brief informiert nun über Fälle immunvermittelter Enzephalitits, einschließlich Anti-N-Methyl-D-Aspartat(NMDA)-Rezeptor-Enzephalitis, die auch noch mehrere Monate nach Absetzen von Daclizumab aufgetreten sind:

  • Bei Verdacht auf Enzephalitis sollten frühzeitig eine Liquor- und Serumuntersuchung auf NMDA-Rezeptor-Antikörper zur Diagnosebestätigung in Erwägung gezogen werden.
  • Eine Überwachung auf Enzephalitis sollte gegebenenfalls bis zu 12 Monate nach Absetzen von Daclizumab erfolgen.
  • Alle Patienten, die die Behandlung mit Daclizumab beendet haben, sollten daran erinnert werden, umgehend den behandelnden Arzt zu kontaktieren, falls typische prodromale Symptome einer Enzephalitis oder andere verhaltensbezogene, neurologische, kognitive oder bewegungsbezogene Symptome auftreten.

Quelle:
AkDÄ Drug Safety Mail vom 7. August 2018

Dienstag, 7. August 2018

Eravacyclin von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen, Eravacyclin (Xerava, Tetraphase) für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit komplizierten intraabdominalen Infektionen zuzulassen.

Eravacyclin ist ein fluoriertes Tetracyclinantibiotikum

Es hemmt die bakterielle Proteinsynthese durch Bindung an die ribosomale 30S-Untereinheit.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 26. Juli 2018

Abemaciclib von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen,  Abemaciblib (Verzenios, Lilly) für die orale Behandlung von Frauen mit HR-positivem EGFR-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom in Kombination mit dem Aromataseinhibitor Fulvestrant als initiale endokrine Therapie oder bei Frauen, die zuvor schon eine endokrine Therapie erhalten habe, zuzulassen. 


Abemaciclib ist wie Ribociclib und Palbociclib ein Proteinkinaseinhibitor, des selektiv CDK4 und CDK6 hemmt und so das Tumorwachstum hemmt.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 26. Juli 2018

Tezacaftor/Ivacaftor von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen, Tezacaftor/Ivacaftor (Symkevi, Vertex) für die orale Behandlung von Patienten mit zystischer Fibrose ab einem Alter von 12 Jahren zuzulassen die homozygot für die F508del-Mutation sind oder heterozygot sind für die F508del-Mutation und zusätzlich eine der folgenden Mutationen im CFTR-Gen aufweisen : P67L, R117C, L206W, R352Q, A455E, D579G, 711+3A→G, S945L, S977F, R1070W, D1152H, 2789+5G→A, 3272-26A→G und 3849+10kbC→T.

Tezacaftor

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 26. Juli 2018

Patisiran von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen, Patisiran (Onpattro, Alnylam) als Orphan Drug für die parenterale Behandlung der hereditären Transthyretin-vermittelten Amyloidose (hATTR-Amyloidose) bei Erwachsenen mit Polyneuropathie im Stadium 1 oder 2 zuzulassen.

Die hATTR-Amyloidose ist eine seltene lebensbedrohliche Erbkrankheit, die durch Mutationen im Transthyretrin-Gen entsteht. Hierdurch kommt es zu fehlgefalteten TTR-Proteinen, die sich als Amyloidfibrllien an verschiedenen Stellen wie Nerven, Herz und GI-Trakt anreichern. Die Patienten leiden unter Herzproblemen, Muskelschwäche und Gehbehinderungen, gastrointestinalen Störungen und Blasendysfunktion.
Patisiran ist eine TTR mRNA-spezifische siRNA formuliert in Lipidnanopartikeln. Es katalysiert den Abbau von TTR-mRNA in der Leber, somit kommt es zu einer Reduktion von TTR-Proteinen und eine verminderten Amyloid-Ablagerung.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 26. Juli 2018

Rote-Hand-Brief zu Esmya® (Ulipristalacetat) 5 mg Tabletten

Nach Abschluss eines europäischen Risikobewertungsverfahrens zum Risiko schwerer Leberschäden im Zusammenhang mit Esmya® (Ulipristalacetat) 5 mg Tabletten gelten folgende Maßnahmen:

Eingeschränkte Indikation, neue Kontraindikation:

  • Eine Intervalltherapie mittlerer bis starker Symptome durch Gebärmutter-Myome ist bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter nur zugelassen, wenn eine Operation nicht infrage kommt.
  • Es ist weiterhin indiziert für ein einmaliges Behandlungsintervall von bis zu drei Monaten zur präoperativen Behandlung mittlerer bis starker Symptome durch Gebärmutter-Myome bei erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter.
  • Esmya® darf nicht bei Frauen mit bestehender Leberfunktionsstörung angewendet werden.
  • Die Behandlung muss von Ärzten eingeleitet und überwacht werden, die mit der Diagnose und Behandlung von Gebärmutter-Myomen vertraut sind.

Überwachung der Leberfunktion:

  • Vor Beginn jedes Behandlungsintervalls sowie einmal monatlich während der ersten beiden Behandlungsintervalls und zwei bis vier Wochen nach Beendigung der Behandlung müssen Leberfunktionstests durchgeführt werden.
  • Wenn die Transaminasen Alanin-Aminotransferase (ALT) oder Aspartat-Aminotransferase (AST) den oberen Normwert um mehr als das Zweifache überschreiten, darf die Behandlung mit Esmya® nicht begonnen werden.
  • Die Behandlung muss abgebrochen werden, wenn ALT oder AST den oberen Normwert um mehr als das Dreifache überschreiten.

Patientinnen müssen auf Symptome einer möglichen Leberschädigung (z. B. Müdigkeit, Gelbfärbung der Haut, dunkler Urin, Übelkeit, Erbrechen) hingewiesen werden. Bei Anzeichen und Symptomen einer Leberschädigung muss die Behandlung abgebrochen und die Patientin sofort untersucht werden (einschließlich Leberfunktionstests). Eine Patientenkarte zu Hintergründen und Planung der Leberfunktionstests wurde eingeführt. Die Fachinformation wurde aktualisiert.



Quelle:
AkdÄ Drug Safety Mail vom 7.8.2018

Metreleptin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 1.8.2018 Metreleptin (Myalept, Aegerion) als parenterale Substitutionstherapie bei Patienten mit Leptindefizienz zugelassen:
Diese Leptin-Ersatztherapie wirdin Kombination mit einer Diät zur Behandlung der Folgen eines Leptinmangels bei Patienten mit Lipodystrophie (LD) eingesetzt:
• mit bestätigter angeborener generalisierter LD (Berardinelli-Seip-Syndrom) oder erworbener generalisierter LD (Lawrence-Syndrom) bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren
• mit bestätigter familiärer oder erworbener partieller LD (Barraquer-Simons-Syndrom) bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren, bei denen durch Standardbehandlungen keine
angemessene Einstellung des Stoffwechsels erreicht werden konnte.

Komplikationen der Leptindefizienz können bei erblicher oder erworbener Lipodystrophie - einem Mangel an Fettgewebe - auftreten. Leptin wird im Fettgewebe produziert, bei Fettgewebemangel kann es zu einem Leptinmangel kommen. Leptin reguliert die Nahrungsaufnahme und andere wie Insulin. Patienten mit schwerer Lipodystrophie entwickeln häufig eine schwere Insulinresistenz in jungen Jahren und leiden unter einem schwer einstellbaren Diabetes mellitus oder einer schwer einstellbaren Hypertriglyzeridämie., die wiederum zu Entzündungen des Pankreas führen kann.
Mit Metreleptin steht die erste zugelassene Therapie für die Behandlung von Komplikationen aufgrund eines Leptinmangels zur Verfügung.
Metreleptin ahmt die physiologischen Wirkungen von Leptin nach, indem es sich an den menschlichen Leptinrezeptor, der zu den Rezeptoren der Zytokinfamilie Klasse I, die den JAK/STAT-Signalweg nutzen, gehört, bindet und diesen aktiviert.

Das rekombinant hergestellte Leptinanalogon wurde in einer offenen einarmigen Studien mit Lipodystrophie-Patienten untersucht. Metreleptin reduzierte HbA1c-Werte, Nüchtern-Glucose- und Triglyceridspiegel.
Häufigste Nebenwirkungen waren Hypoglykämie, Kopfschmerzen, Gewichtsabnahme und Bauchschmerzen.

Quelle
EPAR der EMA

Brexipiprazol von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 30. Juli 2018 Brexipiprazol (Rxulti, Otsuka) als Filmtabletten zur Behandlung der Schizophrenie bei Erwachsenen zugelassen.

Brexipiprazol ist ein atypisches Antipyschotikum, das an Dopamin-D2-, Serotonin-5-HT1A und 5-HT2A-, sowie an noradrenerge Rezeptoren bindet.


Wirksamkeit und Sicherheit von Brexpiprazol bei der Behandlung von Erwachsenen mit Schizophrenie wurde in zwei multinationalen und einer regionalen (Japan), 6-wöchigen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, klinischen Studie mit fixer Dosisgabe (Studien 1-3), einer multinationalen, 6-wöchigen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten und mit aktiver Referenz (Quetiapin) kontrollierten klinischen Studie mit flexibler Dosisgabe (Studie 4) sowie einer multinationalen, placebokontrollierten, 52-wöchigen Erhaltungsstudie (Studie 5) untersucht. Es wurden 2.690 Patienten im Alter von 18-65 Jahren in die Studien aufgenommen. 

Quelle:

Rote-Hand-Briefe zu Argatroban

In zwei Rote-Hand-Briefen wird auf das Risiko von Medikationsfehlern (Verwechselung) im Zusammenhang mit einer neuen Darreichungsform aufmerksam gemacht: Die neu eingeführte  Argatroban Accord 1 mg/ml lnfusionslösung, die als gebrauchsfertige Lösung für die intravenöse  Anwendung verfügbar ist, kann verwechselt werden mit Argatra Multidose 100 mg/ml Konzentrat  zur Herstellung einer Infusionslösung, das vor der Verabreichung verdünnt werden muss.
Eine Verwechselung kann ggf. zu fatalen Unter- bzw. Überdosierungen führen. In den Rote-Hand- Briefen werden u. a. die jeweiligen Anforderungen an Ärzte und Apotheker dargestellt sowie an  Angehörige von Gesundheitsberufen, die an der Verabreichung des Präparats beteiligt sind.

Rote-Hand-Brief (1) zu Argatroban 1 mg/ml Infusionslösung vom 06.08.2018

▶ Rote-Hand-Brief (2) zu Argatroban 1 mg/ml Infusionslösung vom 06.08.2018

Quelle:
AkDÄ Drug Safety Mail vom 6. August 2018

Rote-Hand-Brief zu Radium-223-dichlorid (Xofigo®)

Neue Einschränkungen für den Gebrauch aufgrund von erhöhtem Frakturrisiko und einem Trend zu erhöhter Sterblichkeit. In einem Rote-Hand-Brief des Herstellers wird über die neuen Einschränkungen für den Gebrauch von Radium-223-dichlorid informiert, die sich aus einer Überprüfung durch die EMA ergeben haben.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat eine Überprüfung von Radium-223-dichlorid durchgeführt, nachdem Daten aus einer klinischen Studie darauf hingedeutet haben, dass Patienten, denen Radium-223-dichlorid in Kombination mit Abirateronacetat (Zytiga®) und  Prednison/Prednisolon verabreicht wurde, früher sterben könnten und mehr Frakturen hatten als  Patienten, die Placebo in Kombination mit Abirateronacetat und Prednison/Prednisolon erhielten. Im Ergebnis dieser Überprüfung empfiehlt die EMA, die Anwendung von Radium-223-dichlorid auf  Patienten zu beschränken, die zuvor bereits zwei Behandlungen gegen metastasierenden  Prostatakrebs erhalten haben oder für die keine anderen Behandlungsoptionen infrage kommen (siehe auch BfArM: Risikobewertungsverfahren Xofigo®). Radium-223-dichlorid darf nicht mit den  Arzneimitteln Abirateronacetat und den Kortikosteroiden Prednison oder Prednisolon verwendet  werden (Kontraindikation). Es sollte ferner nicht mit anderen systemischen Krebstherapien eingesetzt  werden, wobei Behandlungen zur Erhaltung eines reduzierten männlichen  Hormonspiegels (Hormontherapie) hiervon ausgenommen sind. In Übereinstimmung mit der  aktuellen Indikation sollte Radium-223-dichlorid auch nicht bei Patienten ohne Symptome und nicht  bei Patienten mit einer geringen Anzahl von (osteoblastischen) Knochenmetastasen zum Einsatz kommen.

Quelle
AkDÄ Drug Safety Mail vom 6. August 2018

Dienstag, 31. Juli 2018

Durvalumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen, Durvalumab (Imfinzi (AstraZeneca) zur parenteralen Behandlung von Patienten mit lokal fortgeschrittenem, nicht resezierbarem NSCLC und einer PD-L1-Expression ≥ 1 % ohne Progression nach Platin-basierter Chemoradiotherapie zuzulassen.

Durvalumab ist  wie z. B. Atezolizumab ein PD-L1-Inhibitor.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 26. Juli 2018

Tildrakizumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen, Tildrakizumab (Ilumetri, Allmiral) für die Behandlung von Erwachsenen mit moderater bis schwerer Plaque-Psoriasis zuzulassen, die Kandidaten für eine systemische Therapie sind.

Tildrakizumab ist wie z. B. Guselkumab ein Interleukin-23-Inhibitor.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 26. Juli 2018

Binimetinib von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen, Binimetinib (Mektovi, Pierre Fabre) in Kombinatin mit Encorafenib zu oralen Behandlung von erwachsenen Patienten mit nicht resezierbarem oder metastasiertem  Melanom und  BRAF-V600-Mutation zuzulassen.



Binimetinib ist wie z. B. Cobimetinib oder Trametinib ein MEK-Inhibitor.

Quelle
Info der EMA

Encorafenib von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen, Encorafenib (Braftovi, Pierre Fabre) in Kombination mit Binimetinib zu oralen Behandlung von erwachsenen Patienten mit nicht resezierbarem oder metastasiertem  Melanom und  BRAF-V600-Mutation zuzulassen.

Encorafenib ist wie z.B. Dabrafenib ein BRAF-Inhibitor.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 26. Juli 2018

Nitisinon von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 30. Juli 2018 Nitison (Nityr, Cycle Pharm.) zur oralen Behandlung von erwachsenen Patienten sowie Kindern und Jugendlichen (alle Altersgruppen) mit der bestätigten Diagnose angeborene Tyrosinämie Typ 1 (HT-1) in Kombination mit eingeschränkter Aufnahme von Tyrosin und Phenylalanin in der Nahrung zugelassen. Es ist bereits seit dem Jahr 2005 als Orfadin (Orphan Europe) verfügbar.

Der biochemische Defekt bei angeborener Tyrosinämie Typ 1 (HT-1) ist ein Mangel an Fumarylacetoacetathydrolyase, dem Endenzym des Tyrosinkatabolismus-Pathway. Nitisinon ist ein  kompetitiver Inhibitor der 4-Hydroxyphenylpyruvatdioxygenase, eines Enzyms, das im Tyrosinkatabolismus-Pathway der Fumarylacetoacetathydrolase vorausgeht. Durch die Hemmung des  normalen Tyrosinabbaustoffwechsels bei Patienten mit HT-1 verhindert Nitisinon die  Ansammlung der toxischen Zwischenprodukte Maleylacetoacetat und Fumarylacetoacetat. Bei Patienten mit HT-1 werden diese Zwischenprodukte zu den toxischen Metaboliten Succinylaceton  und Succinylacetoacetat umgewandelt. Succinylaceton hemmt den Porphyrinsynthese-Pathway,  wodurch es zur Ansammlung von 5-Aminolaevulinat kommt.
Die Nitisinonbehandlung führt zu einem normalisierten Porphyrinstoffwechsel mit normaler Porphobilinogen-Synthaseaktivität in den Erythrozyten und normalem 5-Aminolävulinat-Urinspiegel, verringerter Ausscheidung von Succinylaceton im Harn, Anstieg der Tyrosinkonzentration im Plasma und erhöhter Ausscheidung von Phenolsäuren im Harn. Die verfügbaren Daten aus einer klinischen  Studie weisen darauf hin, dass sich bei über 90% der Patienten der Succinylaceton-Urinspiegel während der ersten Behandlungswoche normalisiert. Succinylaceton sollte bei richtig eingestellter Nitisinondosis im Urin oder Plasma nicht nachweisbar sein.

Die Behandlung aller Genotypen der Erkrankung sollten möglichst frühzeitig eingeleitet werden, um das Gesamtüberleben zu verlängern und Komplikationen wie Leberversagen, Leberkarzinom und Nierenerkrankungen zu verhindern. Unterstützend zur Nitisinonbehandlung ist eine an Phenylalanin und Tyrosin arme Ernährung erforderlich; diese ist mittels Überwachung der Plasma-Aminosäuren einzuhalten.

Quelle
EPAR der EMA

Erenumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 30. Juli 2018  Erenumab (Aimovig, Novartis) zur parenteralen Prophylaxe der Migräne bei Erwachsenen zugelassen, die an mindestens 4 Tagen pro Monat an Migräne leiden. Die empfohlene Dosis beträgt 70 mg Erenumab alle 4 Wochen. Manche Patienten können von einer Dosis von 140 mg alle 4 Wochen profitieren.

Erenumab ist der erste monoklonale Antikörper, der zur Prävention der Migräne eingesetzt werden kann. Erenumab bindet selektiv an den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related-Peptide (CGRP). CGRP wirkt als proinflammatorisches Neuropeptid stark gefäßerweiternd und ist damit zentral an der Schmerzauslösung sowie der neurogenen Entzündung beteiligt. Da Patienten während akuter Migräneattacken erhöhte CGRP-Spiegel aufweisen, dürfte  CGRP eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung des Migräne-Schmerzes zukommen. Die intravenöse Infusion von CGRP löst bei Patienten migräneähnliche Kopfschmerzen aus.
Wirksamkeit und Verträglichkeit von Erenumab wurden in zwei großen Studien mit 667 Patienten mit chronischer und mit 955 Patienten mit episodischer Migräne untersucht.

Quelle

Samstag, 14. Juli 2018

Radium-223-dichlorid: PRAC empfiehlt Indikationseinschränkung

Das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC)  der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juli 2018 empfohlen, die Anwendung von Radium-223-dichlorid (Xofigo)  auf Patienten zu beschränken, deren metastasiertes Prostatakarzinom bereits mit mindestens zwei Therapien behandelt worden ist und die keine anderen Therapien erhalten können.
Diese Empfehlung basiert auf Befunden nach denen Patienten, die mit Radium-223-dichlorid behandelt wurden, früher verstarben und mehr Frakturen erlitten als Patienten der Placebo-Gruppe. In der Studie waren jedoch Patienten ohne oder mit nur leichten Symptomen behandelt worden, während Xofigo nur für Patienten mit Symptomen zugelassen ist.
Die endgültige Entscheidung liegt beim Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP)

Quelle
Info der EMA

Inotersen von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 10. Juli 2018 Inotersen (Tegsedi) beschleunigt als Orphan Drug für die parenterale Behandlung einer Neuropathie im Stadium 1 oder 2 bei Erwachsenen mit erblicher Transthyretin-Amyloidose (hATTR) zugelassen.

Die hATTR ist eine seltene Erkrankung, bei der aufgrund einer Mutation im Transthyretin(TTR)-Gen eine TTR-Amyloidose entsteht, eine schwere und progressive Ablagerung von Amyloid in Organen, die zu Multiorganversagen führen kann.
Inotersen ist ein 2′-O-2-Methoxyethyl (2′-MOE) Phosphorthioat-Antisense-Oligonukleotid (ASO), das beim Menschen die Transthyretin- (TTR) Produktion hemmt. Die selektive Bindung von  Inotersen an die TTR-Messenger-RNA (mRNA) bewirkt den Abbau sowohl der mutierten als auch der wildtypischen (normalen) TTR-mRNA. Dadurch wird die Synthese von TTR-Protein in der Leber verhindert, was zu einer signifikanten Verringerung der Menge an mutiertem und wildtypischem TTRProtein führt, das von der Leber in den Blutkreislauf ausgeschieden wird.
TTR ist ein Trägerprotein für das Retinol bindende Protein 4 (RBP4), das der Hauptträger von Vitamin A (Retinol) ist. Daher wird erwartet, dass die Reduktion des Plasma-TTR zu einer Reduktion des Plasma-Retinolspiegels unter die Normuntergrenze führt.

Quelle:
EPAR der EMA

Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 21. Juni 2018 Bictegravir/Emtricitabin/Tenofoviralafenamid (Biktarvy, Gilead) für die Behandlung von Erwachsenen mit HIV1-Infektion zugelassen, die keine Resistenz gegen Intergrasehemmer, Emtricitabin oder Tenofovir aufweisen.


Bictegravir ist wie z. B. Dolutegravir, Elvitegravir oder Raltegravir ein Integrasehemmer, Emtricitabin und Tenofovir sind nukleosidische reverse Transcriptasehemmer.
Vorteil der Kombination ist, dass eine Tablette einmal täglich genommen werden muss.


Quelle
Info der EMA

Donnerstag, 5. Juli 2018

Dexmedetomitin, Lenvatinib, Nivolumab, Sirolimus, Rufinamid, Tocilizumab, Tolvaptan: EMA empfiehlt Zulassungserweiterung



Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juni 2018 empfohlen, die Zulasssung für Dexmedetomitin, Lenvatinib, Nivolumab, Sirolimus, Rufinamid, Tocilizumab, Tolvaptan zu erweitern.


  • Dexmedetomitin (Dexdor, Orion) soll künftig zur Sedierung von nicht intubierten Erwachsenen vor und/oder während diagnostischen oder chirurgischen Maßnahmen eingesetzt werden können.
  • Lenvatinib (Lenvima, Eisai) soll künftig in Monotherapie zur Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem oder nicht resezierbaren hepatozellulären Karzinom in der Erstlinienbehandlung eingesetzt werden können. Beim Schilddrüsenkarzinom soll es ebenfalls als Monotherapie eingesetzt werden können.
  • Nivolumab (Opdivo, BMS) soll künftig als Monotherapie für die adjuvante Behandlung von Erwachsenen mit Melanom mit Lymphknotenbeteiligung oder metastasierter Erkrankung nach kompletter Resektion eingesetzt werden können.
  • Sirolimus (Rapamune, Pfizer) soll künftig für die Behandlung von Patienten mit sporadischer Lymphangioleiomyomatose mit mäßig schwerer Lungenerkrankung oder abnehmender Lungenfunktion eingesetzt werden können.
  • Rufinamid (Inovelon, Eisai) kann künftig bei Kindern ab einem Jahr eingesetzt werden
  • Tocilizumab (RoActemra, Roche) soll künftig bei durch CAR-T-Zell-Therapie induziertem Zytokin-Freisetzungssyndrom ab einem Alter von 2 Jahren eingesetzt werden können.
  • Tolvaptan (Jinarc, Otsuka) kann künftig bei Erwachsenen mit einer chronischen Nierenerkrankung bis zurm Stadium 4 eingesetzt werden.


Quelle:
Mitteilung der EMA

Neratinib von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juni 2018 nach einer erneuten Überprüfung empfohlen, Neratinib (Nerlynx, Puma Biotech) für die adjuvante Therapie von Erwachsenen mit frühem Hormonrezeptor-positivem und HEr2-positivem Mammakarzinom zuzulassen, bei denen vor weniger als einem Jahr eine Trastuzumab-basierte Behandlung durchgeführt worden war.


Neratinib ist ein oral applizierbarer, irreversibler Hemmer der HER2- und EGFR-Kinase.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 28. Juni 2018

Vonicog alfa von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juni 2018 empfohlen, Vonicog alfa (Veyvondi, Baxalta Innovations GmbH) als Orphand Drug für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit von-Willebrand-Erkrankung zuzulassen, wenn Desmopressin allein nicht wirksam oder nicht angezeigt ist, für die Behandlung von Blutungen und Operaionsblutungen sowie für die Prävention von Operations-bedingten Blutungen. Vonicog alfa sollte nicht zur Behandlung der Hämophilie A verwendet werden.

Vonicog alfa ist eine rekombinanter humaner von-Willebrand-Faktor, der die Plättchenanheftung an das Endothel bei Gefäßverletzungen wieder herstellen kann und der einen Faktor-VIII-Mangel ausgleichen kann.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 28. Juni 2018

Vestronidase alfa von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juni 2018 empfohlen, Vestronidase alfa (Mepsevii, Ultragenyx Germany GmbH) für die parenterale Behandlung nicht neurologischer Manifestationen der Mukopolysaccharidose VII (MPS VII), Sly-Syndrom) zuzulassen.
Vestronidase alfa ist eine rekombinante Form der humanen Beta-Glucuronidase, die als Enzymersatztherapie eingesetzt wird. Sie unterstützt den Abbau von Glycosaminglykanen und verhindert damit deren Akkumulation an verschiedenen Körperstellen.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 28. Juni 2018

Axicabtageneciloleucel von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juni 2018 empfohlen, Axicabtageneciloleucel (Yescarta, Kite) als Orphan Drug für die Behandlung von Erwachsenen mit rezidiviertem oder refraktärem DLBCL und primärem PMBCL nach zwei oder mehr Therapielinien zuzulassen.

Axicabtageneciloleucel ist eine CAR-T-Zelltherapie. Die Therapien werden individuell angefertigt: Dazu werden patienteneigene T-Zellen ex vivo gentechnisch verändert und mit chimären Antigenrezeptoren (CAR) ausgestattet. Die synthe­tischen Rezeptoren erkennen krebsspezifische Oberflächenproteine und vermitteln so eine anhaltende Immunreaktion gegen das Tumorgewebe. 

Diese Immuntherapie birgt jedoch das Risiko eines lebensbedrohlichen Zytokin- Freisetzungssyndroms, welches hohes Fieber mit grippeähnlichen Symptomen und neurologischen Toxizitäten hervorrufen kann. Daher empfiehlt die EMA, die Zulassung für Tocilizumab (RoActemra®) zu erweitern. Mit dem gegen den IL6-Antikörper kann die schwere Nebenwirkung der CAR-T-Zelltherapie behandelt werden. Zudem müssen alle Patienten, die mit den Gentherapien behandelt werden, in einem Register erfasst werden.

Quelle
Mitteilung der EMA vom 28. Juni 2018

Tisagenlecleucel von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juni 2018 empfohlen, Tisagenlecleucel (Kymriah, Novartis) als Orphan Drug für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen bis zu einem Alter von 25 Jahren mit B-Zell-ALL zuzulassen, die refraktär ist oder nach Transplantation rezidiviert oder mindestens zum zweiten Mal rezidiviert ist. Bei Erwachsenen mit rezidivierter oder refraktärer DLBCL soll es nach zwei oder mehr Therapielinien eingesetzt werden können.

Tisagenlecleucel ist eine CAR-T-Zelltherapie. Die Therapien werden individuell angefertigt: Dazu werden patienteneigene T-Zellen ex vivo gentechnisch verändert und mit chimären Antigenrezeptoren (CAR) ausgestattet. Die synthe­tischen Rezeptoren erkennen krebsspezifische Oberflächenproteine und vermitteln so eine anhaltende Immunreaktion gegen das Tumorgewebe. 
Diese Immuntherapie birgt jedoch das Risiko eines lebensbedrohlichen Zytokin- Freisetzungssyndroms, welches hohes Fieber mit grippeähnlichen Symptomen und neurologischen Toxizitäten hervorrufen kann. Daher empfiehlt die EMA, die Zulassung für Tocilizumab (RoActemra®) zu erweitern. Mit dem gegen den IL6-Antikörper kann die schwere Nebenwirkung der CAR-T-Zelltherapie behandelt werden. Zudem müssen alle Patienten, die mit den Gentherapien behandelt werden, in einem Register erfasst werden.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 28. Juni 2018

Caplacizumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Juni 2018 empfohlen, Caplacizumab (Cablivi, Ablynx) zur parenteralen Behandlung der erworbenen thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (aTTP) zusammen mit Plasmaaustausch und Immunsuppression zuzulassen.

Caplacizumab ist ein humanisierter bivalenter "Nanobody",  der nur aus den Antigen-bindenden Abschnitten eines Antikörpers besteht. Er hemmt die Interaktion zwischen von-Willebrand-Faktor und Thrombozyten. Als Folge verhindert der Antikörper die durch von-Willebrand-Faktor vermittelte Plättchenadhäsion. Zudem kommt es zu einer vorübergehenden Verminderung der von-Willebrand-Faktor-Antigen-Spiegel und eine begleitenden Reduktion von Faktor VIII:C-Spiegeln während der Behandlung.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 28. Juni 2018

Boceprevir: Widerruf der Zulassung

Auf Antrag des Herstellers wurde die Zulassung von Boceprevir (Victrelis, MSD) durch die EU-Kommission ab 1. Juli 2018 widerrufen.

Quelle:
Mitteilung der EMA

Montag, 25. Juni 2018

Rote-Hand-Brief zu Darunavir/Cobicistat

Erhöhtes Risiko für ein Therapieversagen und eine Mutter-Kind-Übertragung der HIV-Infektion durch einen geringen Plasmaspiegel von Darunavir und Cobicistat im 2. und 3. Trimenon einer Schwangerschaft.
Der Zulassungsinhaber Janssen-Cilag informiert in einem Rote-Hand-Brief über Folgendes:

  • Eine Therapie mit Darunavir/Cobicistat soll während der Schwangerschaft nicht begonnen werden.
  • Frauen, die während der Therapie mit Darunavir/Cobicistat schwanger werden, sollten auf eine alternative Therapie umgestellt werden: Darunavir/Ritonavir kann als Alternative in Erwägung gezogen werden.
  • Der Grund dafür sind pharmakokinetische Daten, die geringe Plasmaspiegel von Darunavir und Cobicistat während des zweiten und dritten Trimenons der Schwangerschaft zeigten
  • Ein verminderter Darunavir-Plasmaspiegel kann mit einem erhöhten Risiko für ein Therapieversagen und einem erhöhten Risiko einer Mutter-Kind-Übertragung einer HIV-Infektion verbunden sein. 

Quelle:
AkdÄ Drug Safety Mail vom 25. Juni 2018

Dienstag, 19. Juni 2018

Cefepim: Rote-Hand-Brief wegen neurologischen Nebenwirkungen bei eingeschränkter Nierenfunktion

In einem Rote-Hand-Brief erinnert der Hersteller von Cefepim (Maxipime) , dass bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance ≤ 50 ml/min) das Risiko schwerwiegender neurologischer Nebenwirkungen einschließlich Enzephalopathie besteht. Die meisten Fälle traten bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion auf, die Cefepim in einer höheren als der empfohlenen Dosierung erhielten. Betroffen waren insbesondere ältere Patienten. Nach Absetzen und/oder Hämodialyse sind die Symptome im Allgemeinen reversibel, Todesfälle wurden jedoch berichtet.

  • Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance ≤ 50 ml/min) muss eine Dosisanpassung erfolgen.
  • Bei Kombination mit potenziell nephrotoxischen Antibiotika (wie Aminoglykosiden) oder stark wirksamen Diuretika muss die Nierenfunktion sorgfältig überwacht werden.
  • Bei Neuauftreten oder Verschlechterung von neurologischen Beeinträchtigungen muss eine Cefepim-Überdosierung in Betracht gezogen werden. Die Diagnose kann durch Bestimmung der Konzentration von Cefepim im Plasma bestätigt werden.

Quelle:
AkDÄ Drug Safety Mail vom 19.6.2018

Ataluren, Brivaracetam, Tofacitinib: EMA empfiehlt Erweiterung der Zulassung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Mai 2018 empfohlen, die Zulassung von Ataluren, Brivaracetam und Tofacitinib zu erweitern.

  • Ataluren (Translarna, PTC Therapeutics) soll künftig bei Patienten ab einem Alter von 2 (statt 5) Jahren eingesetzt werden können.
  • Brivaracetam (Briviact, UCB) soll künftig auch bei Kindern ab 4 Jahren eingesetzt werden können.
  • Tofacitinib (Xeljanz, Pfizer) soll künftig bei erwachsenen Patienten mit moderater bis schwerer aktiver Colitis ulcerosa eingesetzt werden können, die auf eine konventionelle Therapie oder ein Biologikum nicht ausreichend ansprechen oder dieses nicht vertragen.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 31. Mai 2018


Inotersen von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Mai 2018 empfohlen, Inotersen (Tegsedi) beschleunigt als Orphan Drug für die parenterale Behandlung einer Neuropathie im Stadium 1 oder 2 bei Erwachsenen mit erblicher Transthyretin-Amyloidose (hATTR) zuzulassen.

Die hATTR ist eine seltene Erkrankung, bei der aufgrund einer Mutation im Transthyretin(TTR)-Gen eine TTR-Amyloidose entsteht, eine schwere und progressive Ablagerung von Amyloid in Organen, die zu Multiorganversagen führen kann.
Inotersen ist ein Antisense-Oligonucleotid, das sich an genetisches Material von TTR-bildenden Zellen anlagert und damit die TTR-Produktion vermindert. Hierdurch wird die Amyloid-Ablagerung reduziert.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 31. Mai 2018

Donnerstag, 7. Juni 2018

Brexipiprazol von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Mai 2018 empfohlen, Brexipiprazol (Rxulti, Otsuka) als Filmtabletten zur Behandlung der Schizophrenie bei Erwachsenen zuzulassen.

Brexipiprazol ist ein Antipyschotikum, das an Dopamin-D2-, Serotonin-5-HT1A und 5-HT2A-, sowie an noradrenerge Rezeptoren bindet.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 31. Mai 2018

Metrelepin von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Mai 2018 empfohlen, Metrelepin (Myalepta, Aegerion Pharmaceuticals) als Orphan Drug zur parenteralen Behandlung von Komplikationen einer Leptin-Defizienz zuzulassen.
Metrelepin ist als Ergänzung zu Diät eine Replacement-Therapie bei Lipodystrophie-Patienten

  • mit bestätigter erblicher generalisierter Lipodystrophie (Berardinell-Selp-Syndrom) oder erworbener Lipodystrophie (Lwarence-Syndrom) bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren
  • mit bestätigter familiärer partialer Lipodystrophie oder erworbener partialer Lipodystrophie (Barraquer-Simon-Syndrom) bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren bei denen mit einer Sandardtherapie keine adäquate metabolische Kontrolle erreicht werden konnte.

Metrelepin ist eine rekombinantes humanes Leptinanalogon, das die physiologischen Effekte von Leptin hat. Es bindet sich und aktiviert den humanen Leptin-Rezeptor und senkt so verschiedene Fettarten im Körper und verringert deren Anreicherung in Geweben wie Leber und Muskeln.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 31. Mai 2018

Erenumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Mai 2018 empfohlen, Erenumab (Aimovig, Novartis) zur parenteralen Prophylaxe der Migräne bei Erwachsenen zuzulassen, die an mindestens 4 Tagen pro Monat an Migräne leiden.

Erenumab ist der erste monoklonale Antikörper, der zur Prävention der Migräne eingesetzt werden soll. Erenumab bindet selektiv an den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related-Peptide (CGRP). CGRP wirkt als proinflammatorisches Neuropeptid stark gefäßerweiternd und ist damit zentral an der Schmerzauslösung sowie der neurogenen Entzündung beteiligt. Da Patienten während akuter Migräneattacken erhöhte CGRP-Spiegel aufweisen, dürfte  CGRP eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung des Migräne-Schmerzes zukommen.
Wirksamkeit und Verträglichkeit won Erenumab urden zwei großen Studien mit 667 Patienten mit chronischer und mit 955 Patienten mit episodischer Migräne untersucht.

Die FDA hat Erenumab vor einigen Tagen zugelassen.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 1. Juni 2018

Pembrolizumab und Atezolizumab: EMA schränkt Anwendung bei Blasenkrebs ein

Pembrolizumab und Atezolizumab sollen nach aktuellen Empfehlungen der EMA in der ERstlinientherapie des Urothelialkarzinoms nur bei Patienten mit hoher PD-L1-Expression eingesetzt werden.

Frühe Daten aus zwei klinischen Studien zeigen ein kürzeres Überleben mit den beiden PD1-Inhibitoren, wenn sie in der Erstlinientherapie von Urothelialkarzinomen bei Patienten mit niedriger PD-L1-Expression eingesetzt werden.

Quelle
Pressemitteilung der EMA vom 1. Juni 2018

Mittwoch, 30. Mai 2018

Rucaparib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 29. mai 2018 Rucaparib (Rubraca, Clovis) als Orphan Drug zur oralen Behandlung von erwachsenen Patientinnen mit platinsensitivem, rezidiviertem oder progressivem, high-grade epithelialem Ovarial-, Eileiter- oder Peritonealkarzinom mit BRCA-Mutationen (Keimbahn und/oder somatisch) zugelassen, die mit zwei oder mehr vorherigen platinbasierten Chemotherapielinien behandelt wurden und keine weitere platinhaltige Chemotherapie vertragen.


Rucaparib ist wie z. B. Olaparib ein Inhibitor von Poly(ADP-Ribose)-Polymerase(PARP)-Enzymen, einschließlich PARP-1, PARP-2 und PARP-3, die bei der DNA-Reparatur eine Rolle spielen. In vitro durchgeführte Studien haben gezeigt, dass eine durch Rucaparib induzierte Zytotoxizität die Inhibition der enzymatischen Aktivität von PARP und die Bildung von PARP-DNA-Komplexen mit sich bringt, was zu vermehrten DNA-Schäden, zur Apoptose und zum Zelltod führt.
Die Wirksamkeit von Rucaparib wurde in 2 multizentrischen, einarmigen, offenen klinischen Studien, Studie 10 und ARIEL2, mit 106 Patientinnen mit fortgeschrittenem epithelialem Ovarialkarzinom, Eileiter- oder primärem Peritonealkarzinom mit BRCA-Mutationen untersucht, bei denen die Krankheit nach 2 oder mehr vorherigen Chemotherapien progredient war (die primäre
Wirksamkeitspopulation).

Quelle:
EPAR der EMA

Dienstag, 29. Mai 2018

Olaparib: Rote-Hand-Brief wegen des Risiko von Medikationsfehlern

Der Zulassungsinhaber AstraZeneca informiert in einem Rote-Hand-Brief darüber, dass Olaparib-haltige Kapseln und Tabletten aufgrund der unterschiedlichen Dosierung und Bioverfügbarkeit weder 1 : 1, noch auf Milligrammbasis ausgetauscht werden dürfen.

Olaparib Tabletten sind als Monotherapie zugelassen für die Erhaltungstherapie von erwachsenen Patientinnen mit Platin-sensitivem Rezidiv eines high-grade epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen.
Als Kapseln ist Olaparib zugelassen als Monotherapie für die Erhaltungstherapie von erwachsenen Patientinnen mit Platin-sensitivem Rezidiv eines BRCA-mutierten (Keimbahn und/oder somatisch) high-grade serösen epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen.

In einer Tabelle im Rote-Hand-Brief werden die unterschiedlichen Dosierungsempfehlungen erläutert. Die beiden Darreichungsformen Kapseln und Tabletten dürfen nicht Milligramm per Milligramm ausgetauscht werden. Es besteht das Risiko einer Überdosierung bzw. einer mangelnden Wirksamkeit.
Ärzte sollten bei der Verschreibung die Darreichungsform und die Dosierung genau festlegen. Apotheker sollten sicherstellen, dass die korrekte Darreichungsform und Dosierung abgegeben wird.
Die Patientinnen sollten über die richtige Dosierung aufgeklärt werden. Bei Umstellung der Darreichungsform sollte den Patientinnen erklärt werden, wie sich die Dosierungen in Milligramm unterscheiden.

Quelle:
AkdÄ Drug Safety Mail vom 29.5.2018