Dienstag, 27. Juli 2021

Elivaldogen autotemcel von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat  am 16. Juli 2021 Elivaldogen autotemcel (Skysona, bluebird bio) als Orphan Drug für die Behandlung der frühen zerebralen Adrenoleukodystrophie bei Patienten unter 18 Jahren mit  einer ABCD1-Genmutation zugelassen, für die kein humanes Leukozyten-Antigen (HLA)-kompatibler Geschwisterspender hämatopoetischer Stammzellen (HSZ) zur Verfügung steht.

Elivaldogen autotemcel ist eine mit genetisch modifizierten autologen CD34+-Zellen angereicherte Population, die hämatopoetische Stammzellen (HSZ) enthält, die mit einem lentiviralen Vektor (LVV) ex vivo transduziert wurden, der eine ABCD1-komplementäre Desoxyribonukleinsäure (cDNA) des humanen Adrenoleukodystrophie-Proteins (ALDP) kodiert.

Elivaldogen autotemcelbringt funktionelle Kopien der ABCD1-cDNA in die HSZ der Patienten ein, indem autologe CD34+-Zellen mit Lenti-D-LVV transduziert werden. Nach der Infusion siedeln sich transduzierte CD34+-HSZ im Knochenmark an und differenzieren in verschiedene Zelltypen, darunter Monozyten (CD14+), die in das Gehirn wandern, wo sie vermutlich weiter in Makrophagen und zerebrale Mikroglia differenzieren, die funktionelles ALDP produzieren können. 

Das funktionelle ALDP kann dann den lokalen Abbau von überlangkettigen Fettsäuren (VLCFA) im  Gehirn ermöglichen, was durch Verhinderung weiterer Entzündung und Demyelinisierung wiederum die Erkrankung stabilisieren kann. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass die Behandlung mit Elivaldogen autotemcel andere Manifestationen der ALD, einschließlich der Nebenniereninsuffizienz, beeinflussen wird. Die Auswirkung der Behandlung mit Elivaldogen autotemcel auf die Adrenomyeloneuropathie  wurde nicht untersucht.

Es wird erwartet, dass die Expression von ALDP nach erfolgreichem Engraftment der genetisch modifizierten Zellen lebenslang anhält.

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EPAR der EMA

Relugolix von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2021 Relugolix in Kombination mit Estradiol und Norethisteronacetat (Ryeqo, Gedeon Richer) zur oralen Behandlung von Frauen im gebärfähigen Alter zur Behandlung mäßiger bis starker Symptome von Uterusmyomen zugelassen.

Relugolix ist ein nicht-peptidischer GnRH-Rezeptorantagonist, der an GnRH-Rezeptoren in der anterioren Hypophyse bindet und diese Rezeptoren hemmt. Beim Menschen führt die Hemmung der GnRH-Rezeptoren zu einer dosisabhängigen Abnahme der Freisetzung des luteinisierenden Hormons (LH) und des follikelstimulierenden Hormons (FSH) aus der anterioren Hypophyse. Infolgedessen ist die zirkulierende Konzentration von LH und FSH verringert. Die Verringerung der FSHKonzentration  verhindert das Follikelwachstum und die Follikelentwicklung und setzt dadurch die Bildung von Estrogen herab. Durch die Verhinderung eines LH-Anstiegs werden die Ovulation und die Entwicklung des Corpus luteum gehemmt, wodurch die Bildung von Progesteron verhindert wird. 

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EPAR der EMA

Dienstag, 20. Juli 2021

Tiranibulin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2021 Tiranibulin (Klisyri, Almirall) in Salbenform zur Feldtherapie nicht-hyperkeratotischer, nicht-hypertropher aktinischer Keratosen (Olsen-Grad I) im Gesicht oder auf der Kopfhaut bei Erwachsenen zugelassen.

Tirbanibulin schädigt die Mikrotubuli durch direkte Bindung an Tubulin, was eine Unterbrechung des Zellzyklus und apoptotischen Tod proliferierender Zellen induziert, und mit einer Unterbrechung des Src-Tyrosinkinase-Signalwegs assoziiert ist.

Wirksamkeit und Sicherheit von Tiranibulin-Salbe bei Anwendung im Gesicht oder auf der Kopfhaut wurden über einen Zeitraum von 5 aufeinanderfolgenden Tagen in zwei randomisierten, doppelblinden, Vehikel-kontrollierten Phase-III-Studien (KX01-AK-003 und KX01-AK004) mit 702 erwachsenen  Patienten untersucht (353 Patienten wurden mit Tirbanibulin und 349 mit dem Vehikel behandelt). 

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Setmelanotid von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2021 Setmelanotid (Imcivree, Rhythm Pharm. Ltd) zur parenteralen Behandlung von Erwachsenen und Kindern ab 6 Jahren zur Behandlung von Adipositas und zur Kontrolle des Hungergefühls im Zusammenhang mit genetisch bestätigtem, durch Funktionsverlustmutationen bedingtem biallelischem Proopiomelanocortin(POMC)-Mangel (einschließlich PCSK1) oder biallelischem Leptinrezeptor(LEPR)-Mangel zugelassen.



Setmelanotid ist ein selektiver MC4-Rezeptor-Agonist. MC4-Rezeptoren im Gehirn sind an der Regulierung von Hunger- und Sättigungsgefühl sowie Energieumsatz beteiligt. Es wird davon  ausgegangen, dass Setmelanotid bei genetischen Formen der Adipositas, die mit einer unzureichenden  Aktivierung des MC4-Rezeptors zusammenhängen, die Aktivität des MC4-Rezeptor-Signalwegs  wiederherstellt, um das Hungergefühl zu reduzieren und durch eine reduzierte Kalorienzufuhr und  einen erhöhten Energieumsatz eine Gewichtsabnahme herbeizuführen. 

Sicherheit und Wirksamkeit von Setmelanotid bei der Behandlung von POMC- und LEPRMangel- bedingter Adipositas wurden in zwei identisch aufgebauten, 1-jährigen offenen Studien ermittelt, die  jeweils eine doppelblinde, placebokontrollierte Absetzphase umfassten: 
In Studie 1 (RM-493-012) wurden Patienten ab einem Alter von 6 Jahren mit genetisch bestätigter POMC-Mangel-bedingter (einschließlich PCSK1) Adipositas aufgenommen.  
In Studie 2 (RM-493-015) wurden Patienten ab einem Alter von 6 Jahren mit genetisch bestätigter LEPR-Mangel-bedingter Adipositas aufgenommen.

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Montag, 5. Juli 2021

Satralizumab von der EU-Kommission zugelassen

Sartralizumab wird als Monotherapie oder in Kombination mit einer immunsuppressiven Therapie (IST) zur Behandlung von Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren angewendet, die anti-Aquaporin-4-IgG-(AQP4-IgG-)seropositiv sind.

Satralizumab ist ein rekombinanter humanisierter monoklonaler Immunglobulin-G2(IgG2)-Antikörper (monoclonal antibody, mAb), der an den löslichen und membrangebundenen humanen IL-6-Rezeptor (IL-6R) bindet und dadurch eine IL-6 nachgeschaltete Signalgebung durch diese Rezeptoren hemmt.

Bei Patienten mit NMO und NMOSD ist in den Phasen der Krankheitsaktivität die IL-6-Konzentration in der Zerebrospinalflüssigkeit und im Serum erhöht. IL-6-Funktionen sind an der Pathogenese von NMO und NMOSD beteiligt, darunter an der B-Zell-Aktivierung, der Differenzierung von B-Lymphozyten zu Plasmablasten, der Produktion von pathologischen Autoantikörpern (z. B. gegen AQP4, einem Wasserkanalprotein, das hauptsächlich durch Astrozyten im zentralen Nervensystem exprimiert wird), der Th17-Zell-Aktivierung und -Differenzierung, der Inhibierung von regulatorischen T-Zellen und an Veränderungen der Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke.

Quelle

Info der EMA