Freitag, 11. November 2022

Mitapivat von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 9. November 2022 Mitapivat (Pyrukynd, Agios) als Orphan Drug zur oralen Behandlung des Pyruvatkinase-Mangels bei Erwachsenen zugelassen. 
Mitapivat ist ein Pyruvatkinase-Aktivator, er entfaltet seine Wirkung durch direkte Bindung an das Pyruvatkinase-Tetramer. Bei PK-Mangel weist die Form der Pyruvatkinase in den Erythrozyten eine 
Mutation (PKR-Form) auf, die zu einem erniedrigten Adenosintriphosphat (ATP)-Spiegel, einer verkürzten Lebensdauer der Erythrozyten und chronischer Hämolyse führt. Mitapivat verbessert das
Energiegleichgewicht der Erythrozyten, indem es die PKR-Aktivität erhöht.

Die Wirksamkeit von Mitapivat wurde in einer multinationalen, randomisierten, doppelblinden, 
placebokontrollierten klinischen Studie (ACTIVATE) bei 80 erwachsenen Patienten mit PK-Mangel
untersucht, die keine regelmäßigen Transfusionen erhielten.

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Nirsevimab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 31. Oktober 2022 Nirsevimab (Beyfortus, AstraZeneca) zur Prävention von Respiratorischen Synzytial-Virus(RSV)-Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen, Säuglingen und Kleinkindern während ihrer ersten RSV-Saison zugelassen.
Nirsevimab ist ein humaner monoklonaler Immunglobulin-G1-kappa(IgG1κ)-Antikörper, der mit
rekombinanter DNA-Technik in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters hergestellt wird.
Nirsevimab wirkt gegen die Präfusionskonformation des Fusionsproteins des Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV-F-Protein), der mit einer dreifachen Aminosäuresubstitution (YTE) in der Fc-Region modifiziert wurde, um die Serumhalbwertzeit zu verlängern. Nirsevimab hemmt den entscheidenden Membranfusionsschritt im Prozess des Viruseintritts, neutralisiert das Virus und blockiert die Zellfusion.

Wirksamkeit und Sicherheit von Nirsevimab wurden in zwei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten multizentrischen Studien (D5290C00003 [Phase IIb] und MELODY [Phase III])
zur Prävention von RSV LRTI bei Neugeborenen und Frühgeborenen (GA ≥ 29 Wochen) zu Beginn
ihrer ersten RSV-Saison untersucht. 

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Mittwoch, 19. Oktober 2022

Burosumab-Indikation von der EU-Kommission erweitert

Die EU-Kommission hat am 21. September 2022 Burosumab (Crysvita, Kyowa Kirin Holdings B.V.) als Orphan Drug und bedingt zur Behandlung der X-chromosomalen Hypophosphatämie (XLH) bei Erwachsenen sowie bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 1 bis 17 Jahren mit röntgenologischem Nachweis einer Knochenerkrankung zugelassen.

Burosumab ist ein rekombinanter humaner monoklonaler Antikörper (IgG1), der an den Fibroblasten-Wachstumsfaktor 23 (FGF23) bindet und dessen Aktivität hemmt. Durch die Hemmung von FGF23 steigert Burosumab die tubuläre Rückresorption von Phosphat aus der Niere und erhöht die Serumkonzentration von 1,25-Dihydroxy-Vitamin D.

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Info der EMA

Tezepelumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 19. September 2022 Tezepelumab (Tezspire, AstraZeneca)  als Add-on-Erhaltungstherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerem Asthma zugelassen, das trotz hochdosierter inhalativer Kortikosteroide plus eines weiteren Arzneimittels zur Erhaltungstherapie unzureichend kontrolliert ist.

Tezepelumab ist ein monoklonaler Antikörper, der gegen thymisches stromales Lymphopoietin (TSLP) gerichtet ist und so dessen Interaktion mit dem heterodimeren TSLP-Rezeptor verhindert. Bei Asthma induzieren sowohl allergische als auch nicht-allergische Auslöser die TSLP-Produktion. 

Die Blockade von TSLP durch Tezepelumab verringert ein breites Spektrum an Biomarkern und Zytokinen, die mit Atemwegsentzündungen in Zusammenhang stehen (z. B. Eosinophile im Blut oder in der Atemwegsschleimhaut, IgE, FeNO, IL-5 und IL-13); der Wirkungsmechanismus von Tezepelumab bei Asthma ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

Die Wirksamkeit von Tezepelumab wurde in zwei randomisierten, doppelblinden, in parallelen Gruppen durchgeführten, placebokontrollierten Studien (PATHWAY und NAVIGATOR) über 52 Wochen bei insgesamt 1609 Patienten ab 12 Jahren mit schwerem Asthma evaluiert. 

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Info der EMA

Relatlimab/Nivolumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. September 2022 Relatlimab in Kombination mit Nivolumab (Opdualag, BMS)  für die Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen (nicht resezierbaren oder metastasierten) Melanoms mit Tumorzell-PD-L1-Expression < 1 % bei Erwachsenen und Jugendlichen im Alter ab 12 Jahren zugelassen. 

Relatlimab ist ein humaner monoklonaler IgG4-Antikörper, der an den LAG-3-Rezeptor bindet, seine Interaktion mit Liganden, einschließlich MHC II, blockiert und die über den LAG-3-Signalweg vermittelte Hemmung der Immunantwort reduziert. Die Antagonisierung dieses Signalwegs fördert die T-Zellproliferation und Zytokinausschüttung.

Die Kombination von Nivolumab (Anti-PD-1) und Relatlimab (Anti-LAG-3) führt zu einer erhöhten T-Zell-Aktivierung im Vergleich zur Aktivität eines der beiden Antikörper allein. In genidentischen Mausmodellen verstärkt die LAG-3-Blockade die Anti-Tumoraktivität einer PD-1-Blockade und hemmt damit das Tumorwachstum und fördert die Tumorregression. 

Wirksamkeit und Verträglichkeit von Relatlimab plus Nivolumab wurden beim Melanom in  der Relativity-047-Studie untersucht. Der LAG3-Hemmer wird derzeit bei weiteren Tumoren geprüft.

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Info der EMA


Faricimab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. September 2022 Faricimab (Vabysmo, Roche)  zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit neovaskulärer (feuchter) altersabhängiger Makuladegeneration (nAMD) sowie mit einer Visusbeeinträchtigung infolge eines diabetischen Makulaödems (DMÖ) zugelassen.

Faricimab ist ein humanisierter Antikörper, der in einer Zellkultur aus Säugetierzellen (Ovarialzellen des chinesischen Hamsters) durch rekombinante DNA-Technologie hergestellt wird.

Der bispezifische  Antikörper wirkt durch Hemmung von zwei unterschiedlichen Signalwegen, indem er sowohl Angiopoietin-2 (Ang-2) als auch den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor A (VEGF-A) neutralisiert. 

Ang-2 verursacht eine vaskuläre Instabilität, indem es die Destabilisierung des Endothels, den Verlust von Perizyten und die pathologische Angiogenese fördert und so die vaskuläre Leckage und Entzündung verstärkt. Außerdem sensibilisiert es die Blutgefäße für die Aktivität von VEGF-A, was zu einer weiteren Destabilisierung der Gefäße führt. Ang-2 und VEGF-A erhöhen synergistisch die Gefäßpermeabilität und stimulieren die Neovaskularisation.

Durch die duale Hemmung von Ang-2 und VEGF-A reduziert Faricimab die Gefäßpermeabilität und Entzündung, hemmt die pathologische Angiogenese und stellt die Gefäßstabilität wieder her.

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Info der EMA

Vutrisiran von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. September 2022 Vutrisiran (Amvuttra, Alnylam) als Orphan Drug zur Behandlung der hereditären Transthyretin-Amyloidose (hATTR-Amyloidose) bei erwachsenen Patienten mit Polyneuropathie der Stadien 1 oder 2a zugelassen.

Vutrisiran ist eine chemisch stabilisierte doppelsträngige Small-Interfering Ribonukleinsäure (siRNA), die speziell auf Varianten von Transthyretin(TTR)-Boten-RNA (mRNA) und deren Wildtyp abzielt und kovalent an einen Liganden gebunden ist, der drei NAcetylgalactosamin(GalNAc)-Rest enthält, um die  Aufnahme der siRNA in die Hepatozyten zu ermöglichen.
Durch einen natürlichen Prozess, der als RNA-Interferenz (RNAi) bezeichnet wird, bewirkt Vutrisiran den katalytischen Abbau der TTR-mRNA in der Leber, was zu einer Reduktion der Spiegel von Varianten- und Wildtyp-TTR-Proteinen im Serum führt.

Die Wirksamkeit von Vutrisiran wurde in einer globalen, randomisierten, offenen klinischen Studie (HELIOS-A) bei erwachsenen Patienten mit hATTR-Amyloidose mit Polyneuropathie untersucht.

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Lutetium(177Lu)chlorid von der EU-Komission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. September 2022 Lutetium(177Lu)chlorid (ilLuzyce, Bilev Pharma) uur radioaktiven In-vitro-Markierung von Arzneimitteln zugelassen, die anschließend entsprechend ihrer zugelassenen Art der Anwendung gegeben werden.

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Voclosporin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. September 2022 Voclosporin (Lupkynis, Otsuka) zur Behandlung zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit aktiver Lupus-Nephritis (LN) der Klassen III, IV oder V (einschließlich gemischter Klassen III/V und IV/V) in Kombination mit Mycophenolat-Mofetil zugelassen.
Voclosporin ist ein immunsupprimierender Calcineurin-Inhibitor, der Calcineurin dosisabhängig bis zu einer Maximaldosis von 1,0 mg/kg hemmt. Die Aktivierung der Lymphozyten beinhaltet einen Anstieg der intrazellulären Calciumkonzentrationen. Calcineurin ist eine Calcium-Calmodulinabhängige Phosphatase, deren Aktivität bei der Induktion der Produktion von T-Zell-Lymphokinen und der Proliferation erforderlich ist. Die immunsupprimierende Aktivität führt zur Hemmung der Lymphozytenproliferation, T-Zell-Zytokinproduktion und Expression von T-Zell-aktivierenden Oberflächenantigenen. 

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Info der EMA

Fosdenopterin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. September 2022 Fosdenopterin (Nulibry,  Comharsa Life Sciences Limited) zur Behandlung von Patienten mit Molybdän-Cofaktor-Mangel (MoCD)
Typ A zugelassen.


Patienten mit MoCD Typ A haben Mutationen im Molybdän-Cofaktor-Synthese-1(MOCS1)-Gen, was zu einer mangelhaften MOCS1A/B-abhängigen Synthese des Zwischensubstrats, cPMP, führt. Die Substratersatztherapie mit NULIBRY bietet eine exogene Quelle für cPMP, das zu Molybdopterin umgewandelt wird. Molybdopterin wird dann zum Molybdän-Cofaktor umgewandelt, der für die
Aktivierung von Molybdän-abhängigen Enzymen benötigt wird, darunter das die Konzentrationen der
neurotoxischen Sulfite senkende Enzym Sulfitoxidase.
Die Wirksamkeit von Fosdenopterin und rcPMP wurde in einer kombinierten Analyse der 15 Patienten
mit genetisch bestätigter MoCD Typ A bewertet, die eine Substratersatztherapie mit Fosdenopterin und/oder mit rcPMP erhielten, das den gleichen therapeutisch wirksamen Anteil wie Fosdenopterin hat
und als therapeutisch gleichwertig zu Fosdenopterin betrachtet wird.

Dieses Arzneimittel wurde unter „Außergewöhnlichen Umständen“ zugelassen. Das bedeutet, dass es
aufgrund der Seltenheit der Erkrankung nicht möglich war, vollständige Informationen zu diesem
Arzneimittel zu erhalten.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur wird alle neuen Informationen, die verfügbar werden, jährlich
bewerten, und falls erforderlich, wird die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels
aktualisiert werden.

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Tirzepatid von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. September 2022 Tirzepatid (Mounjaro, Lilly) zur parenteralen Behandlung von Erwachsenen mit unzureichend eingestelltem Diabetes mellitus Typ 2 als Ergänzung zu Diät und Bewegung zugelassen, und zwar
• als Monotherapie, wenn die Einnahme von Metformin wegen Unverträglichkeiten oder Kontraindikationen nicht angezeigt ist,
• zusätzlich zu anderen Arzneimitteln zur Behandlung von Diabetes mellitus.

Tirzepatid ist ein lang wirkender dualer GIP- und GLP-1-Rezeptor-Agonist (Twincretin). Beide Rezeptoren sind auf den endokrinen Alpha- und Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, in Gehirn, Herz, Gefäßen, Immunzellen (Leukozyten), Darm und Niere vorhanden. GIP-Rezeptoren sind auch auf Adipozyten zu finden. Tirzepatid ist hochselektiv für menschliche GIP- und GLP-1-Rezeptoren. Tirzepatid hat eine hohe Affinität sowohl zu GIP- als auch zu GLP-1-Rezeptoren. Die Aktivität von Tirzepatid auf dem  IPRezeptor ist ähnlich wie die des nativen GIP-Hormons. Die Aktivität von Tirzepatid am GLP-1-Rezeptor ist im Vergleich zum nativen GLP-1-Hormon geringer.
Tirzepatid verbessert die glykämische Kontrolle durch Senkung der Nüchtern- und postprandialen Glukosekonzentration bei Patienten mit Typ-2-Diabetes über unterschiedliche Mechanismen. 
Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden im Surpass-Studienprogramm untersucht. Tirzepatid  verbesserte nicht nur die glykämische Einstellung, sondern senkte auch das Körpergewicht der Patienten deutlich.

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Dienstag, 18. Oktober 2022

Asciminib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 25. August 2022 Asciminib (Scemblix, Novartis) zur oralen Behandlung von erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver chronischer myeloischer Leukämie in der  chronischen Phase (Ph+CML-CP) zugelassen, die zuvor mit zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt worden sind.

Asciminib ist ein potenter Inhibitor der ABL/BCR::ABL1-Tyrosinkinase. Asciminib hemmt die ABL1-Kinase-Aktivität des BCR::ABL1-Fusionsproteins, indem der Wirkstoff gezielt an die Myristoyl-Bindungstasche von ABL bindet.
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit von Asciminib bei der Behandlung von Patienten mit Philadelphia-Chromosom-positiver myeloischer Leukämie in der chronischen Phase (Ph+ CML-CP) mit Therapieversagen oder Unverträglichkeit nach zwei oder mehr Tyrosinkinase-Inhibitoren wurden 
in der multizentrischen, randomisierten, aktiv kontrollierten, unverblindeten Phase-III-Studie ASCEMBL untersucht.

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Valoctocogen roxaparvovec von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission at am 24. August Valoctocogen roxaparvovec (Roctavian, Shanbally) bedingt für die Behandlung von schwerer Hämophilie A (kongenitalem Faktor-VIII-Mangel) bei erwachsenen Patienten ohne Faktor-VIII-Inhibitoren in der Vorgeschichte und ohne nachweisbare Antikörper gegen Adeno-assoziiertes Virus Serotyp 5 (AAV5) zugelassen.
Valoctocogen roxaparvovec ist ein gentherapeutisches Arzneimittel, das die B-Domänen-deletierte SQ-Form des humanen Gerinnungsfaktors VIII (hFVIII-SQ) exprimiert. Es handelt sich um einen nicht replizierenden, rekombinanten Vektor, der auf dem Adeno-assoziierten Virus Serotyp AAV5 basiert und die cDNA des Gens für die B-Domänen-deletierte SQ-Form des humanen Gerinnungsfaktors VIII unter der Kontrolle eines leberspezifischen Promoters enthält. 
Nach der Infusion von  Valoctocogen roxaparvovec wird die Vektor-DNA in vivo verarbeitet und es  entstehen episomale Transgene in voller Länge, deren Fortbestand als stabile DNA-Formen eine  langfristige Produktion von hFVIII-SQ erlaubt.

Die Wirksamkeit einer einzelnen intravenösen Infusion von Valoctocogen roxaparvovec wurde in einer offenen, einarmigen Studie der Phase III (Studie 270-301) mit männlichen Erwachsenen (ab 18 Jahren) mit schwerer Hämophilie A (Faktor-VIII-Restaktivität ≤1 IE/dl) untersucht.

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Teclistamab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 23. August 2022 Teclistamab (Tecvayli, Janssen-Cilag) zur parenteralen Monotherapie erwachsener Patienten mit rezidiviertem und refraktärem multiplen Myelom zugealssen, die zuvor bereits mindestens drei Therapien erhalten haben, darunter einen immunmodulatorischen Wirkstoff,  einen Proteasom-Inhibitor, und einen AntiCD38-Antikörper, und während der letzten Therapie eine  Krankheitsprogression gezeigt haben.

Teclistamab ist ein humanisierter bispezifischer, gegen das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA) und die CD3-Rezeptoren gerichteter Immunglobulin–G4-Prolin, Alanin, Alanin (IgG4-PAA)–Antikörper, der in einer Säugetierzelllinie (Chinese Hamster Ovary [CHO]) mit Hilfe rekombinanter DNA-Technologie hergestellt wird.

Mit seinen dualen Bindungsstellen ist Teclistamab in der Lage, CD3+ -T-Zellen in die Nähe von BCMA+ -Zellen zu bringen, wodurch es zu einer Aktivierung der T-Zellen und der anschließenden Lyse und dem  Tod der BCMA+-Zellen kommt; dies wird durch sezerniertes Perforin und verschiedene Granzyme vermittelt, die in den sekretorischen Vesikeln der zytotoxischen T-Zellen gespeichert sind. Dieser Effekt  tritt unabhängig von der Spezifität der T-ZellRezeptoren oder der Abhängigkeit von Molekülen des Haupthistokompatibilitätskomplexes (MHC) der Klasse 1 auf der Oberfläche der Antigen-präsentierenden Zellen auf.

Die Wirksamkeit der Monotherapie wurde bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem multiplen Myelom in einer einarmigen, offenen, multizentrischen Phase-I/II-Studie (MajesTEC-1) untersucht.


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Info der EMA


Melphalanflufenamid von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 17. August 2022 Mephalanflufenamid (Pepaxti, Oncopeptides) in Kombination mit Dexamethason zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit multiplem Myelom zugelassen, die zuvor mindestens drei Therapielinien erhalten haben, deren Erkrankung gegenüber mindestens einem Proteasom-Inhibitor, einem immunmodulatorischen Mittel und einem monoklonalen CD38-Antikörper refraktär ist und die ein Fortschreiten der Erkrankung während oder nach der letzten Therapie gezeigt haben. Bei Patienten mit vorangegangener autologer Stammzelltransplantation sollte die Zeit bis zur Progression nach der Transplantation mindestens 3 Jahre betragen 

Melphalanflufenamid ist ein peptidkonjugiertes Alkylans. Es besteht aus einem Dipeptid und einem alkylierenden Teil aus der Gruppe der Stickstoflostderivate. Melphalan wird schon lange bei verschiedenen Indikationen in der Onkologie eingesetzt. Das peptidkonjugierte Alkylans wird in Zellen aufgenommen. Weil Aminopeptidasen in den Zellen des multiplen Myeloms überexprimiert werden, wird die Peptid-Wirkstoff-Bindung gezielt dort gespalten und das Melphalan freigesetzt.
In zellulären Testsystemen hemmte Melphalanflufenamid die Proliferation und induzierte eine Apoptose hämatopoetischer Tumorzellen. Eine erhaltene zytotoxische Aktivität wurde in multiplen Myelomzellen mit fehlender oder beeinträchtigter p53-Funktionalität nachgewiesen. Melphalanflufenamid zeigte in Kombination mit Dexamethason eine synergistische Zytotoxizität bei Zelllinien des Melphalan-resistenten und -nichtresistenten multiplen Myeloms. 

Wirksamkeit und Sicherheit von Melphalanflufenamid in Kombination mit Dexamethason wurden
im Rahmen von HORIZON, einer multizentrischen, einarmigen Studie bei 157 Patienten mit
rezidiviertem refraktärem multiplem Myelom (RRMM), untersucht.

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Lenacapavir von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 17. August 2022 Lenacapavir (Sunlenca, Gilead) als Injektionslösung in  Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln zur Behandlung von Erwachsenen mit einer multiresistenten HIV-1-Infektion zugelassen, bei denen kein anderes supprimierendes, antivirales Regime zusammengestellt werden kann. Lenacapavir muss nur alle 6 Monate gegeben werden.


Lenacapavir ist ein mehrstufiger, selektiver Inhibitor der HIV-1-Capsid-Funktion, der direkt an die Schnittstelle zwischen den Capsid-Protein(CA)-Untereinheiten bindet. Lenacapavir hemmt die HIV-1-
Replikation, indem es in mehrere wesentliche Schritte des viralen Lebenszyklus eingreift, darunter die 
capsidvermittelte nukleäre Aufnahme von proviraler HIV-1-DNA (indem nukleäre Importproteine daran gehindert werden, an Capsid zu binden), die Virusassemblierung und -Freisetzung (indem es in die Gag/Gag-Pol-Funktion eingreift und dadurch die Produktion von CA-Untereinheiten reduziert) sowie die Capsid-Kernbildung (durch Störung der Assoziationsrate der Capsid-Untereinheiten, was zu fehlgeformten Capsiden führt).

Wirksamkeit und Sicherheit bei HIV-1-infizierten, stark behandlungserfahrenen Patienten mit multiplen Resistenzen wurden in einer teilweise randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden, multizentrischen Studie, GS-US-200-4625 (‚CAPELLA‘), über einen Zeitraum von 52 Wochen untersucht.

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Lasmiditan von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 17. August 2022 Lasmiditan (Rayvow, Lilly) zur oralen Akutbehandlung der  Kopfschmerzphase von Migräne-Attacken mit oder ohne Aura bei Erwachsenen zugelassen.


Lasmiditan ist ein hochaffiner, zentral penetrierender 5-Hydroxytriptamin 1F (5-HT1F)-Rezeptoragonist. Der exakte Wirkungsmechanismus ist nicht bekannt, aber die therapeutischen  Wirkungen von Lasmiditan bei der Behandlung von Migräne beinhalten vermutlich agonistische  Wirkungen am 5- HT1F Rezeptor, eine Verringerung der Freisetzung von Neuropeptiden und eine Hemmung von Schmerzwegen, einschließlich des Trigeminusnervs.
Wirksamkeit und Sicherheit von Lasmiditan wurden in drei randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden Studien der Phase 3 bei erwachsenen Patienten (n = 5 910) untersucht.
Im Vergleich zu Triptanen soll es weniger kardiovaskuläre Nebenwirkungen haben.

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Dienstag, 20. September 2022

Efgartigimod alfa von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 10. August 2022 Efgartigimod alfa (Vyvgart, Argenx) zusätzlich zur Standardtherapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit generalisierter Myasthenia gravis (gMG) zugelassen, die Anti-Acetylcholin-Rezeptor (AChR)-Antikörper positiv sind.

Efgartigimod alfa ist ein Fc-Fragment des humanen rekombinanten Immunglobulins G1 (IgG1), das durch rekombinante DNA-Technologie in Ovarialzellen des chinesischen Hamsters (CHO-Zellen) hergestellt wird. 

Efgartigimod alfa bindet an FcRn, was zu einer Verringerung der Spiegel von zirkulierendem IgG,  einschließlich pathogener IgG-Autoantikörper, führt. Efgartigimod alfa beeinflusst weder die Spiegel  anderer Immunglobuline (IgA, IgD, IgE oder IgM) noch den Albuminspiegel. 

IgG-Autoantikörper sind die zugrunde liegende Ursache der Pathogenese von MG. Sie beeinträchtigen die neuromuskuläre Übertragung, indem sie an Acetylcholin-Rezeptoren (AChR), muskelspezifische Tyrosinkinase (MuSK) oder an das Low-Density-Lipoprotein-Rezeptor-verwandte Protein 4 (LRP4) binden.

Die Wirksamkeit von Efgartigimod alfa zur Behandlung von Erwachsenen mit generalisierter Myasthenia gravis (gMG) wurde in einer 26-wöchigen, multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie untersucht.

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Info der EMA



Eptacog beta von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. Juli 2022  Eptacog beta (Cevenfacta, Laboratoire français du Fractionnement et des Biotechnologies) bei Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren) zur Behandlung von Blutungsepisoden und zur Prävention von Blutungen bei Operationen oder invasiven Eingriffen in folgenden Patientengruppen zugelassen:
• Patienten mit angeborener Hämophilie mit hoch-titrigen Inhibitoren gegen die Gerinnungsfaktoren VIII oder IX (≥ 5 Bethesda-Einheiten [BE]);
• Patienten mit angeborener Hämophilie mit niedrig-titrigen Inhibitoren (BU < 5), bei denen mit einem hohen anamnestischen Inhibitor-Anstieg oder mit einer refraktären Reaktion auf hohe Dosen von FVIII oder FIX zu rechnen ist.

Der Blutgerinnungsfaktor FVIIa löst unter normalen Bedingungen die Gerinnung nach einer  Wechselwirkung mit dem Gewebefaktor (TF) auf der Zelloberfläche aus. Sobald der Komplex gebildet wurde, werden hauptsächlich Faktor X zu Faktor Xa und Faktor IX zu Faktor IXa aktiviert. Die  Aktivierung von Faktor X zu Faktor Xa initiiert den gemeinsamen Weg der Gerinnungskaskade, bei der Prothrombin zu Thrombin aktiviert wird und dann Fibrinogen zu Fibrin, wodurch ein hämostatischer Blutpfropfen entsteht und die Gerinnselbildung am Blutungsort erreicht wird (Hämostase). 

Diese Reaktion wird in Gegenwart von Faktor VIII und Faktor IX um ein Vielfaches verstärkt. 

Bei Patienten mit Hämophilie A oder B fehlen die Moleküle der Faktoren VIII und IX oder sie funktionieren nicht, so dass die Verstärkung der Gerinnung verhindert wird. Dadurch kommt es zu belastenden Blutungen, die manchmal lebensbedrohend sein können. 

Bei diesen Patienten aktiviert FVIIa die Gerinnung durch den natürlichen „TF-abhängigen“ Mechanismus. Allerdings sind die therapeutischen Dosen, die zur Erreichung einer Hämostase mittels FVIIa benötigt werden, deutlich höher als die normale Konzentration von FVII(a) im Blutkreislauf. Die Präsenz dieser unterhalb des natürlichen FVIIa-Spiegels liegenden Konzentration induziert zwei weitere Gerinnungsmechanismen.

Ein zweiter, „TF-unabhängiger“ Mechanismus führt ähnlich wie der „TF-abhängige“ Wirkmechanismus zur Bildung von FXa auf der Oberfläche von aktivierten Thrombozyten, ohne dass TF den FVIIa auf der Zelloberfläche bindet und seine Struktur verändert. Darüber hinaus schwächt die Anwendung von hohen FVIIa-Dosen die natürliche und kontinuierliche Inhibition von FVIIa durch das FVII-Zymogen.

In einem dritten Mechanismus konkurriert FVIIa mit aktiviertem Protein C (aPC) bei der Bindung an den endothelialen Protein-C-Rezeptor (EPCR). Dementsprechend sorgt FVIIa für ein Herunterregulieren der Gerinnungshemmung, indem er die Spaltung von Faktor Va, dem Kofaktor von FXa, durch aPC begrenzt.

Die Kombination dieser drei Mechanismen erlaubt es FVIIa, den Bedarf an FVIIIa oder FIXa zu umgehen und die Hämostase in deren Abwesenheit oder sogar in Anwesenheit von Hemmkörpern wiederherzustellen.

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EPAR der EMA

Samstag, 23. Juli 2022

Eladocagen exuparvovec von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 18. Juli 2022 Eladocagen exuparvovec (Upstaza, PTC Therapeutics) als Orphan Drug zur Behandlung von Patienten im Alter ab 18 Monaten mit einer klinisch, molekularbiologisch und genetisch bestätigten Diagnose eines Aromatische-L-AminosäureDecarboxylase-(AADC)-Mangels mit einem schweren Phänotyp zugelassen.
Eladocagen exuparvovec ist ein Arzneimittel zur Gentherapie, das die humane Aromatische-L-Aminosäure-Decarboxylase (hAADC) exprimiert. Es handelt sich um einen nicht replizierenden rekombinanten Vektor auf Grundlage des Adeno-assoziierten Virus vom Serotyp 2 (AAV2), der die cDNA des humanen Dopa-Decarboxylase(DDC)-Gens enthält und unter der Kontrolle eines Zytomegalievirus (CMV)-Promoters ist.
Eladocagen exuparvovec wird in menschlichen embryonalen Nierenzellen mit rekombinanter DNA-Technik hergestellt.

Nach Infusion in das Putamen führt das Produkt zu einer Expression des AADC-Enzyms und einer  nachfolgenden Dopamin-Produktion. Somit kommt es zu einer Entwicklung der motorischen Funktion bei behandelten Patienten mit AADC-Mangel.
Die Wirksamkeit der Gentherapie wurde in 2 klinischen Studien (AADC-010, AADC-011) beurteilt. Diese 2 Studien umfassten zusammen 20 Patienten mit schwerem AADC-Mangel-

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Freitag, 22. Juli 2022

Lonafarnib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 18. Juli 2022 Lonafarnib (Zokinvy, EigerBio Europe Ltd) zugelassen zur  oralen Behandlung von Patienten ab einem Alter von 12 Monaten mit genetisch bestätigter Diagnose von Hutchinson-Gilford-Progerie-Syndrom oder progeroider Laminopathie mit Verarbeitungsfehler im  Zusammenhang mit einer heterozygoten LMNA-Mutation mit Progerie-ähnlicher Proteinakkumulation  oder einer homozygoten oder zusammengesetzten heterozygoten ZMPSTE24-Mutation.
Lonafarnib ist ein Farnesyltransferase-Hemmer, der die Ansammlung von aberrantem Progerin und Progerie-ähnlichen Proteinen in der inneren Zellkernmembran reduziert. Dies führt zu einer  Aufrechterhaltung der Zellintegrität und der normalen Funktion. Die Akkumulation von Progerin und  Progerie-ähnlichen Proteinen in den Zellen in den Wänden großer Blutgefäße verursacht Entzündungen und Fibrose. 
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit von Lonafarnib wurden in zwei Phase-II-Studien (ProLon1 und ProLon2) untersucht. Bei beiden Studien handelte es sich um multizentrische, offene, einarmige Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Lonafarnib bei Patienten mit genetisch bestätigtem HGPS oder progeroider Laminopathie mit Verarbeitungsfehler. 

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Ganirelix von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 15. Juli 2022 Ganirelix (Ganirelix Gedeon Richter) zugelassen zur Vermeidung eines  vorzeitigen LH-Anstiegs bei Frauen, die sich einer kontrollierten ovariellen  Hyperstimulation (COH) im Rahmen einer assistierten Reproduktionstechnik (ART) unterziehen.
In klinischen Studien wurde Ganirelix mit rekombinantem humanem follikelstimulierendem Hormon
(FSH) oder Corifollitropin alfa, dem langwirkenden Follikelstimulans, verwendet.

Ganirelix ist ein synthetisches Decapeptid mit hoher antagonistischer Aktivität zu dem natürlich  vorkommenden Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH). Die Aminosäuren in den Positionen 1, 2, 3, 6, 8 und 10 des natürlichen GnRH-Decapeptides wurden substituiert. 

Ganirelix ist ein GnRH-Antagonist, der die Achse Hypothalamus-Hypophyse-Gonaden durch kompetitive Bindung an den GnRH-Rezeptoren der Hypophyse beeinflusst. Daraus resultiert eine schnelle, vollständige und reversible Suppression endogener Gonadotropine ohne initiale Stimulation, wie sie von GnRH-Agonisten induziert wird.

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Dienstag, 19. Juli 2022

COVID-19-Vakzine inaktiviert, adjuvantiert, von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 24. Juni 2022 eine inaktivierte, adjuvantierte COVID-19-Vakzine (Valneva) zur  aktiven Immunisierung zur Vorbeugung gegen durch SARS-CoV-2 hervorgerufenes COVID-19 bei Personen zwischen 18 und 50 Jahren zugelassen. Der Impfstoff muss gemäß den amtlichen Empfehlungen verwendet werden.

COVID-19-Impfstoff (inaktiviert, adjuvantiert) Valneva (VLA2001) ist ein gereinigter, inaktivierter und adjuvantierter Ganzvirus-Impfstoff gegen SARS-CoV-2 (Wuhan-Stamm hCoV-19/Italy/INMI1-isl/2020), der in Vero-Zellen gezüchtet wird.

Durch das Herstellungsverfahren für den Impfstoff ist das Virus zur Vermehrung unfähig und präsentiert intakte Spike-Proteine auf der Virenoberfläche. Adjuvanzien werden hinzugefügt, um die Stärke der durch den Impfstoff vermittelten Immunantwort zu erhöhen.

Nach der Verabreichung induziert VLA2001 SARS-CoV-2-neutralisierende Antikörper sowie zelluläre Immunantworten (Th1) gegen das Spike-Protein und andere Oberflächenproteine, die zum Schutz gegen COVID-19 beitragen können. Durch Verwendung dieses Impfstoffs ist die zelluläre Immunantwort also nicht auf das S-Protein beschränkt, sondern auch gegen andere Oberflächenantigene von SARS-CoV-2 gerichtet. Es gibt keine Daten zur Induktion einer humoralen Immunreaktion gegen Antigene von SARS-CoV-2 jenseits des S-Proteins bei Menschen.

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Info der EMA

Olipudase alfa von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 24. Juni 2022 Olipudase alfa (Xenpozyme, Genentech, Sanofi) als Enzymersatztherapie zur Behandlung von Manifestationen eines Mangels an saurer Sphingomyelinase  (Acid Sphingomyelinase Deficiency - ASMD) außerhalb des zentralen Nervensystems (ZNS) bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Typ A/B oder Typ B zugelassen.
 
Olipudase alfa ist eine rekombinante, humane, saure Sphingomyelinase, die die Anreicherung von Sphingomyelin (SM) in den Organen von Patienten mit einem Mangel an saurer Sphingomyelinase (ASMD) reduziert. 

Die Wirksamkeit wurde in 3 klinischen Studien (ASCEND bei erwachsenen Patienten, ASCEND-Peds bei pädiatrischen Patienten und eine Verlängerungsstudie bei erwachsenen und pädiatrischen Patienten) an insgesamt 61 Patienten mit ASMD untersucht. 

Avalglucosidase alfa von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 24. Juni 2022 Avalglucosidase alfa (Nexviadyme, Genzyme, Sanofi) zur langfristigen Enzymersatztherapie zur Behandlung von Patienten mit Morbus Pompe (Mangel an saurer α-Glucosidase) zugelassen. 
Avalglucosidase alfa ist eine rekombinante, humane, saure α-Glucosidase (rhGAA), die eine exogene GAA-Quelle darstellt. Avalglucosidase alfa ist eine modifizierte Form von Alglucosidase alfa, bei der ungefähr 7 Hexamannose-Strukturen, die jeweils 2 terminale Mannose-6-Phosphat(bis-M6P)-Reste enthalten, an den oxidierten Sialinsäureresten der Alglucosidase alfa konjugiert werden.
Avalglucosidase alfa besitzt 15-mal so viele Mannose-6-Phosphat(M6P)-Reste wie Alglucosidase alfa. Mit seinen Kohlenhydratgruppen bindet das GAA-Molekül nachweislich an den M6P-Rezeptoren auf der Zelloberfläche, dringt dann in die Zelle ein und wird in die Lysosomen transportiert, wo seine  enzymatische Aktivität, der Abbau von Glykogen, durch proteolytische Spaltung erhöht wird.

In einem klinischen Entwicklungsprogramm erwies sich Avalglucosidase alfa als besser wirksam als Alglucosidase alfa in Schlüsselparametern zur Krankheitsbelastung, und zwar sowohl bei Morbus Pompe mit spätem und mit frühem Beginn.

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Birkenrindenextrakt von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 21. Juni 2022 Gel mit Birkenrindenextrakt (Filsuvez Gel, Amryt Pharmaceuticals) zur Behandlung von oberflächlichen Wunden im Zusammenhang mit dystropher und junktionaler Epidermolysis bullosa (EB) bei Patienten ab 6 Monaten zugelassen.

1 g Gel enthält 100 mg raffinierten Trockenextrakt aus Rinde von Betula pendula Roth, Betula pubescens Ehrh. sowie Hybriden beider Arten (äquivalent zu 0,5 - 1,0 g Birkenrinde), quantifiziert auf 84 - 95 mg Triterpene als Summe berechnet aus Betulin, Betulinsäure, Erythrodiol, Lupeol und Oleanolsäure.

Untersuchungen an Zellkulturen mit primären humanen Keratinozyten und Fibroblasten sowie Ex-
vivo-Studien an Schweinehaut ergaben, dass der Extrakt einschließlich des Hauptbestandteils Betulin 
Entzündungsmediatoren moduliert und mit der Aktivierung intrazellulärer Signalwege verbunden ist, von denen bekannt ist, dass sie an der Differenzierung und Migration von Keratinozyten sowie an Wundheilung und -verschluss beteiligt sind.
Der genaue Wirkungsmechanismus bei der Wundheilung ist nicht bekannt. 

Wirksamkeit und Sicherheit von Filsuvez bei der Behandlung von oberflächlichen Wunden im Zusammenhang mit hereditärer EB wurden in einer globalen, randomisierten, doppelblinden,  kontrollierten Phase-3-Studie an Erwachsenen und Kindern untersucht (Studie BEB-13; EASE). 

Quelle:

Freitag, 24. Juni 2022

Capmatinib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 20. Juni 2022 Capmatinib (Tabrecta, Novartis)  zur oralen Monotherapie zugelassen von erwachsenen Patienten mit einem fortgeschrittenen NSCLC mit Veränderungen, die zu METex14-skipping (Exon-14-Skipping im mesenchymal-epithelialen Transitionsfaktor-Gen) führen, die eine systemische Therapie nach einer Behandlung mit Immuntherapie und/oder Platin-basierter Chemotherapie benötigen.


Capmatinib ist ein Inhibitor der MET-Rezeptor-Tyrosinkinase. Capmatinib hemmt die MET- Phosphorylierung (sowohl die Autophosphorylierung als auch die durch den Liganden Hepatozyten-Wachstumsfaktor [HGF] ausgelöste Phosphorylierung), die MET-vermittelte Phosphorylierung von nachgeschalteten Signalproteinen sowie die Proliferation und das Überleben von MET-abhängigen Krebszellen.

Die Wirksamkeit von Capmatinib bei der Behandlung von Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen
oder metastasierten NSCLC mit einer MET-Exon 14 (METex14)-Skipping-Mutation wurde im Rahmen der Studie GEOMETRY mono-1 beurteilt, einer prospektiven, nicht-randomisierten, offenen Phase-II-Studie mit mehreren Kohorten.

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Dienstag, 21. Juni 2022

Linzagolix Cholin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 14. Juni 2022 Linzagolix als Cholinsalz (Yselty, ObsEVA) für die orale Behandlung von erwachsenen Frauen im gebärfähigen Alter mit mäßigen bis starken Symptome von Uterusmyomen zugelassen.


Linzagolix ist ein selektiver, nicht peptidischer Gondotropin-Releasing-Hormon(GnRH)- Rezeptorantagonist, der die endogene GnRH-Signalübertragung hemmt, indem er kompetitiv an GnRH-Rezeptoren in der Hypophyse bindet und dadurch die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse  moduliert. 
Linzagolix führt zu einer dosisabhängigen Suppression des luteinisierenden Hormons und des follikelstimulierenden Hormons, was zu einer Senkung der Konzentrationen von Estradiol und Progesteron im Blut führt. 

Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden in zwei randomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten
Phase-III-Studien, PRIMROSE 1 und PRIMROSE 2, an denen 511 bzw. 501 Frauen teilnahmen,
untersucht.

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Mittwoch, 8. Juni 2022

Mosunetuzamb von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. Juni 2022 Mosunetuzumab (Lunsumio, Roche) als Orphan Drug bedingt in Monotherapie für die Behandlung stark vorbehandelter erwachsener Patienten mit rezidivierendem oder refraktärem  follikulärem Lymphom (r/r FL) zugelassen, die mindesten zwei vorherige Therapien erhalten haben..

Mosunetuzumab ist der erste CD20xCD3-T-Zell-bindende bispezifische Antikörper, der auf CD20 auf der Oberfläche von B-Zellen und CD3 auf der Oberfläche von T-Zellen abzielt. Dieses duale Targeting  aktiviert die T-Zellen eines Patienten um, sie greifen Ziel-B-Zellen an und eliminieren sie, indem zytotoxische Proteine ​​in die B-Zellen freigesetzt werden. 
Im klinischen Entwicklungsprogramm wird der Antikörper als Monotherapie und in Kombination mit anderen Arzneimitteln zur Behandlung von B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphomen, einschließlich follikulärem Lymphom, diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom und anderem Blutkrebs untersucht.
Die Zulassung basiert auf den positiven Ergebnissen der Phase-I/II-Studie GO29781, in der Mosunetuzumab hohe Ansprechraten bei Patienten mit stark vorbehandeltem FLzeigte.

Quelle:

Freitag, 3. Juni 2022

Ciltacabtagen autoleucel von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 25. Mai 2022 Ciltacabtagen autoleucel (Carvytki, Janssen-Cilag) für die CAR-T-Zell-Therapie erwachsener Patienten mit rezidiviertem und refraktärem multiplen Myelom zugelassen, die zuvor bereits mindestens drei Therapien erhalten haben, darunter einen Immunmodulator, einen Proteasom-Inhibitor sowie einen anti-CD38-Antikörper, und die während der letzten Therapie eine Krankheitsprogression zeigten.

Ciltacabtagen autoleucel ist ein genetisch modifiziertes, auf autologen Zellen basierendes Produkt, das T-Zellen enthält, die ex vivo mit einem replikationsinkompetenten lentiviralen Vektor transduziert wurden, der für einen chimären Antigenrezeptor (CAR) gegen das B-Zell-Reifungsantigen (BCMA, B-Cell maturation Antigen) kodiert. Dieser CAR enthält zwei Einzeldomänen-Antikörper, die mit einer co- stimulatorischen 4-1BB-Domäne und einer CD3-zeta-Signaldomäne verbunden sind.

Dieser CAR identifiziert und eliminiert Zellen, die BCMA exprimieren. BCMA wird hauptsächlich auf der Oberfläche von Zellen der B-Linie des malignen multiplen Myeloms sowie von B-Zellen und Plasmazellen im Spätstadium exprimiert.

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EPAR der EMA


Polatuzumab Vedotin: Zulassung von der EU-Kommission erweitert

Die EU-Kommission hat die Zulassung von Polatuzumab Vedotin (Polivy Roche) erweitert, es kann nun in Kombination mit Rituximab , Cyclophosphamid, Doxorubicin und Prednison (Polivy + R-CHP) als Erstlinien-Therapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit diffusem großzelligen B-Zell-Lymphom eingesetzt werden. 

Am 16. Januar 2020 war Polatuzumab Vedotinin Kombination mit Bendamustin und Rituximab bedingt für die parenterale Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem/refraktärer diffusem großen B-Zell-Lymphom zugelassen worden, wenn sie keine Kandidaten für eine Stammzelltransplantation sind.

Polatuzumab Vedotin ist ein Antikörper-Konjugat, in dem der gegen CD79b gerichtete Antikörper Polatuzumuab mit dem Antimitotikum Monomethylauristatin E (MMAE) konjugiert ist. Nach Bindung an den CD79b-Rezeptor wird MMAE an die B-Zellen abgegeben und kann dort seine toxische Wirkung entfalten.

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EPAR der EMA

Freitag, 20. Mai 2022

Daridorexant von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 29. April 2022 Daridorexant (Quviviq, Idorsia) zur Behandlung von Erwachsenen mit Schlafstörungen (Insomnie) zugelassen, deren Symptome seit mindestens 3 Monaten  anhalten und eine beträchtliche Auswirkung auf die Tagesaktivität haben.

Daridorexant ist ein dualer Orexin-Rezeptor-Antagonist, der mit gleicher Potenz auf Orexin-1- und Orexin-2-Rezeptoren wirkt. Die Orexin-Neuropeptide (Orexin A und Orexin B) wirken auf die Orexin-Rezeptoren und fördern die Wachheit. 

Daridorexant antagonisiert die Aktivierung der Orexin-Rezeptoren durch die Orexin-Neuropeptide, verringert somit die Wachheit und erleichtert das Einschlafen, ohne das Verhältnis der Schlafphasen zu verändern.

Die Wirksamkeit von Daridorexant wurde in zwei multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Parallelgruppen-Studien der Phase III, Studie 1 und Studie 2, mit identischem Studiendesign beurteilt.

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Info der EMA




Relugolix von der EU-Kommission für die Behandlung von Prostatakarzinom zugelassen

Die EU-Kommission hat am 29. April 2022 die Indikation von Relugolix (Orgovyx, Myovant) erweitert - es kann nun für die orale Behandlung von erwachsenen Patienten mit fortgeschrittenem hormonsensitivem Prostatakarzinom eingesetzt werden.
Relugolix war bereits im Juli 2021 in Kombination mit Estradiol und Norethisteronacetat zur oralen Behandlung von Frauen im gebärfähigen Alter zur Behandlung mäßiger bis starker Symptome von Uterusmyomen zugelassen worden. 

Relugolix ist ein nicht-peptidischer GnRH-Rezeptorantagonist, der kompetitiv an GnRH-Rezeptoren in der anterioren Hypophyse bindet und dadurch die Bindung von nativem GnRH verhindert und den Signalweg der Sekretion von luteinisierendem Hormon (LH) und follikelstimulierendem Hormon (FSH) unterbricht. Infolgedessen wird die Testosteronbildung in den Hoden reduziert. 
Beim Menschen sinken die FSH- und LH-Konzentrationen zu Beginn der Behandlung mit Orgovyx rasch ab, und die Testosteronkonzentrationen werden auf Werte unterhalb der physiologischen Konzentrationen
gesenkt. Die Behandlung ist nicht mit den anfänglichen Erhöhungen der FSH- und LH-Konzentrationen  und des daraus folgenden Testosteronanstiegs („potenzieller symptomatischer Schub“) assoziiert, die bei einer Behandlungseinleitung mit einem GnRH-Analogon beobachtet werden. 
Nach Absetzen der Behandlung kehren die Hypophysen- und Gonadenhormonspiegel auf physiologische Konzentrationen zurück.

Sicherheit und Wirksamkeit von Relugolix wurden in der HERO-Studie untersucht, einer randomisierten, offenen Studie bei erwachsenen Männern mit androgensensitivem fortgeschrittenem Prostatakarzinom, die eine mindestens einjährige Androgendeprivationstherapie benötigten und keine Kandidaten für eine operative oder Strahlentherapie mit kurativer Absicht waren.

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Rimegepant von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 25. April 2022 Rimegepant (Vydura, Biohaven Pharm) zur oralen Akuttherapie der Migräne mit oder ohne Aura bei Erwachsenen sowie zur präventiven Behandlung von episodischer Migräne bei  Erwachsenen, die mindestens 4 Migräneattacken pro Monat haben, zugelassen.

Rimegepant ist der erste Vertreter der Gepante (orale CGRP-Antagonisten), der von der EU-Kommission zugelassen worden ist.

Rimegepant bindet selektiv mit hoher Affinität an den humanen Calcitonin-Gene-Related-Peptide
(CGRP)-Rezeptor und antagonisiert dessen Funktion. Der Zusammenhang zwischen der pharmakodynamischen Aktivität und dem Mechanismus bzw. den Mechanismen, durch die Rimegepant seine klinischen Wirkungen entfaltet, ist nicht bekannt.

Die Wirksamkeit von Rimegepant in der Akuttherapie der Migräne mit und ohne Aura bei Erwachsenen
wurde in drei randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten klinischen Studien untersucht. Die Wirksamkeit in der prophylaktischen Migränebehandlung wurde in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie untersucht. 

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Freitag, 13. Mai 2022

Difelikalin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 25. April 2022 Difelikalin (Kapruvia, Vifor Fresenius) zur parenteralen Behandlung von mäßigem bis schwerem Pruritus im Zusammenhang mit einer chronischen  Nierenerkrankung bei erwachsenen Hämodialysepatienten zugelassen. 

Difelikefalin ist ein selektiver Kappa-Opioidrezeptor-Agonist mit geringer ZNS-Gängigkeit. Die chemisch-physikalischen Eigenschaften von Difelikefalin (hydrophiles, synthetisches D-Aminosäure-Peptid mit hochpolarer Oberfläche und physiologischem pH-Wert) minimieren seine passive Diffusion (Permeabilität) und seinen aktiven Transport durch Membranen, wodurch seine ZNS-Gängigkeit begrenzt wird.
Opioidrezeptoren sind dafür bekannt, dass sie Juckreizsignale und den Entzündungsprozess modulieren, wobei eine Aktivierung der Kappa-Opioidrezeptoren den Juckreiz reduziert und immunmodulatorische Effekte auslöst.
Die Aktivierung der Kappa-Opioidrezeptoren auf peripheren sensorischen Neuronen und Immunzellen durch Difelikefalin gilt als mechanistisch verantwortlich für die juckreizlindernde und entzündungshemmende Wirkung.
Wirksamkeit und Verträglichkeit von Difelikalin wurden in 2 doppelblinden, randomisierten Phase-3-placebokontrollierten Studien (KALM-1 und KALM-2) untersucht. 

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Inebilizumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 25. April 2022 Inebilizumab (Uplizna, Viela Bio BV) für die intravenöse Behandlung von erwachsenen Patienten mit Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen (NMOSD) zugelassen, die Anti-Aquaporin-4-Immunglobulin-G(AQP4-IgG)-seropositiv sind.

Inebilizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der spezifisch an CD19, ein Zelloberflächenantigen auf Prä-B- und reifen B-Zell-Lymphozyten (einschließlich Plasmablasten und einigen Plasmazellen) bindet. Nach der Bindung an die Zelloberfläche von B-Lymphozyten unterstützt Inebilizumab die Antikörper-abhängige zelluläre Zytolyse (antibody-dependent cellular cytolysis, ADCC) und die Antikörper-abhängige zelluläre Phagozytose (antibody-dependent cellular phagocytosis, ADCP). Man geht davon aus, dass B-Zellen eine zentrale Rolle bei der Pathogenese von NMOSD spielen. Der genaue Mechanismus, durch den Inebilizumab seine therapeutische Wirkung bei NMOSD entfaltet, ist nicht bekannt, aber es wird vermutet, dass er mit einer B-Zell-Depletion einhergeht und möglicherweise die Unterdrückung der Antikörpersekretion, Antigenpräsentation, B-Zell-T-Zell-Interaktion sowie der Produktion von Entzündungsmediatoren umfasst.

Quelle

Freitag, 22. April 2022

Enfortumab Vedotin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 13. April 2022 Enfortumab Vedotin (Padcev, Astellas) zur parenteralen Monotherapie von erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem  Urothelkarzinom zugelassen, die zuvor eine platinhaltige Chemotherapie und einen PD-1- oder PDL1-Inhibitor erhalten haben.

Enfortumab Vedotin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (antibody drug conjugate, ADC), das auf
Nectin-4 abzielt, ein Adhäsionsprotein, das sich auf der Oberfläche von Urothelkarzinomzellen befindet. Es besteht aus einem vollständig humanen IgG1-kappa-Antikörper, der über einen Protease-spaltbaren Maleimidocaproyl-Valin-Citrullin-Linker mit der Mikrotubuli-hemmenden Substanz Monomethyl-Auristastin E (MMAE) konjugiert ist.
Wirksamkeit und Sicherheit von Enfortumab Vedotin wurden u.a. in der offenen, randomisierten Phase-3-Studie EV-301 mit 608 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem  Urothelkarzinom untersucht. 

Quelle:

Dienstag, 12. April 2022

Lisocaptagen maraleucel von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 4. April 2022 Lisocaptagen maraleucel (Breyanzi, BMS) zur Behandlung des rezidivierten oder refraktären diffus großzelligen BZell-Lymphoms (DLBCL), primär mediastinalen großzelligen B-Zell-Lymphoms (PMBCL) und follikulären Lymphoms Grad 3B (FL3B) bei erwachsenen Patienten nach zwei oder mehr Linien einer systemischen Therapie zugelassen.

Lisocaptagen maraleucel ist eine gegen CD19 gerichtete, genetisch modifizierte, autologe zelluläre Immuntherapie, die in einer definierten Zusammensetzung zur Verringerung der CD8+- und CD4+-T-Zell- Dosisvariabilität angewendet wird. Der CAR besteht aus einem vom murinen monoklonalen Antikörper FMC63 abgeleiteten variablen Einzelkettenfragment, einer IgG4-Hinge-Region, einer CD28-Transmembrandomäne, einer kostimulatorischen 4-1BB (CD137)-Domäne sowie einer CD3-zeta-Aktivierungsdomäne. 
Der CD3-zeta-Signalweg ist ausschlaggebend für die Initiierung der T-Zell-Aktivierung und die  Antitumor-Aktivität, während die 4-1BB (CD137)-Signaldomäne die Expansion und Persistenz von Lisocaptagen maraleucel fördert.
Die Bindung des CAR an das auf der Zelloberfläche von Tumorzellen und normalen B-Zellen exprimierte CD19 induziert die Aktivierung und Proliferation von CAR-T-Zellen, die Ausschüttung von proinflammatorischen Zytokinen und die zytotoxische Abtötung der Zielzellen.

Antitumor-Aktivität und Sicherheit von Lisocaptagen maraleucel wurden in der offenen, multizentrischen, einarmigen klinischen Studie, TRANSCEND bei Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem aggressivem B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) untersucht.

Quelle:

Tebentafusp von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 1. April 2022 Tebentafusp (Kimmtrak, Immunocore) in Monotherapie zur Behandlung von HLA-A*02:01-positiven Erwachsenen mit inoperablem oder metastasiertem uvealem Melanom zugelassen.

Tebentafusp ist ein bispezifisches Fusionsprotein, das aus einem T-Zell-Rezeptor (TCR; Steuerdomäne) besteht, der mit einem Antikörperfragment fusioniert ist, das an CD3 (Differenzierungsgruppe 3;  Effektordomäne) bindet. Das TCR-Ende bindet mit hoher Affinität an ein gp100-Peptid, das auf der  Zelloberfläche von Tumorzellen des uvealen Melanoms vom humanen Leukozyten-Antigen-A*02:01 (HLA-A*02:01) präsentiert wird. Die Effektordomäne bindet an den CD3-Rezeptor der polyklonalen T-Zellen. 

Bei Bindung der TCR-Steuerdomäne von Tebentafusp an Uveamelanomzellen und der CD3-Effektordomäne an polyklonale T-Zellen wird eine immunologische Synapse gebildet. Diese immunologische Synapse führt zur Umleitung und Aktivierung polyklonaler T-Zellen, und zwar unabhängig von deren ursprünglichen TCR-Spezifität. 

Tebentafusp-aktivierte polyklonale T-Zellen setzen inflammatorische Zytokine und zytolytische Proteine frei, was zur direkten Lyse von Tumorzellen des Uveamelanoms führt.

Quelle.

EPAR der EMA

Dienstag, 29. März 2022

Tixagevimab/Cilgavimab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 25. März 2022 Tixagevimab/Cilgavimab (Evusheld, AstraZeneca) zur Präexpositionsprophylaxe von COVID-19 bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit einem KG von mindestens  40 kg zugelassen.

Tixagevimab und Cilgavimab sind zwei neutralisierende monoklonale Antikörpern, die an zwei  verschiedenen Stellen des Spike-Proteins des SARS-CoV-2-Virus binden. Dadurch wird verhindert, dass das Virus in die menschlichen Zellen eindringt und sich vermehrt.

In einer klinischen Studie erhielten über 5.000 Probanden, die zuvor noch nicht an COIVD-19 erkrankt und/oder nicht geimpft waren, zwei Injektionen mit 150 mg Tixagevimab und 150 mg Cilgavimab oder Placebo. Durch die Antikörper sank das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion um 77%. Die Dauer des Infektionsschutzes durch die Antikörper-Gabe wird auf mindestens sechs Monate geschätzt.

Quelle
Info der EMA


Samstag, 26. Februar 2022

Tepotinib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Februar 2022 Tepotinib (Tepmetko, Merck) als orale Monotherapie bei erwachsenen Patienten mit einem fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) mit Veränderungen zugelassen, die zu METex14-Skipping (Exon-14-Skipping im mesenchymal-epithelialen Transitionsfaktor-Gen) führen, und die eine systemische Therapie nach Platin-basierter Chemotherapie und/oder einer Behandlung mit Immuntherapie benötigen. 


Tepotinib ist ein reversibler kleinmolekularer Adenosintriphosphat-(ATP-)kompetitiver MET-Inhibitor des  Typs I. Tepotinib hemmt dosisabhängig die MET-Phosphorylierung und die MET-abhängige  nachgelagerte Signaltransduktion über Signalwege der Phosphatidylinositol3-Kinase/Proteinkinase B (PI3K/Akt) und der mitogenaktivierten Proteinkinase/extrazellulären signalregulierten Kinase (MAPK/ERK). 

Tepotinib zeigte eine ausgeprägte antitumorale Aktivität in Tumoren mit onkogener Aktivierung von MET, wie METex14-Skipping-Veränderungen. 

Die Wirksamkeit von Tepotinib wurde in einer einarmigen, offenen, multizentrischen Studie (VISION) an erwachsenen Patienten mit einem lokal fortgeschrittenen oder metastasierten nicht-kleinzelligen  Bronchialkarzinom (NSCLC) mit METex14-Skipping-Veränderungen beurteilt (n = 275). 

Quelle:

EPAR der EMA

Finerenon von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Februar 2022 Finerenon (Kerendia, Bayer) zur oralen Behandlung einer chronischen Nierenerkrankung (Stadium 3 und 4 mit Albuminurie) in Verbindung mit Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen zugelassen.


Finerenon ist ein nichtsteroidaler Aldosteronantagonist, es ist ein selektiver Antagonist des Mineralokortikoid-Rezeptors (MR), welcher durch Aldosteron und Cortisol aktiviert wird und die Gentranskription reguliert. Durch seine Bindung an den MR entsteht ein spezifischer Rezeptor-Ligand-Komplex, der die Rekrutierung transkriptioneller Coaktivatoren blockiert, welche an der Expression  proinflammatorischer und profibrotischer Mediatoren beteiligt sind.

In FIDELIO-DKD, einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Phase-III-Studie an erwachsenen Patienten mit CKD und T2D, betrug die placebokorrigierte relative Reduktion des Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin (UACR) in Monat 4 bei den auf Finerenon randomisierten Patienten 31 %. 
In ARTS-DN, einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Phase-IIb-Studie an erwachsenen Patienten mit CKD und T2D, betrug die placebokorrigierte relative Reduktion des UACR an Tag 90 bei den mit Finerenon 10 mg bzw. 20 mg einmal täglich behandelten Patienten 25 % bzw. 38 %.

Quelle


Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff 20-valent von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 14. Februar 2022 den 20-valenten Pneumokokken-Konjugat-Impfstoff Apexxnar (Pfizer) zur aktiven Immunisierung zur Prävention von invasiven Erkrankungen und  Pneumonie, die durch Streptococcus pneumoniae verursacht werden, bei Personen ab einem Alter von 18 Jahren zugelassen.

Apexxnar enthält 20 Pneumokokken-Kapselpolysaccharide, die alle an ein CRM197-Trägerprotein konjugiert sind, das die Immunantwort auf das Polysaccharid von einer T-Zell-unabhängigen zu einer T-Zell-abhängigen Antwort modifiziert. Die T-Zell-abhängige Antwort führt sowohl zu einer verstärkten Antikörperantwort als auch zur Bildung von B-Gedächtniszellen, wodurch eine anamnestische (Booster-)Antwort bei erneuter Exposition gegenüber dem Bakterium ermöglicht wird.

Quelle

Mittwoch, 16. Februar 2022

Voxelotor von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 14. Februar 2022 Voxelotor (Oxbryta, Global Blood Ther.) für  die orale Behandlung von Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen ab dem Alter von 12 Jahren mit hämolytischer  Anämie infolge Sichelzellkrankheit als Monotherapie oder in Kombination mit Hydroxycarbamid zugelassen. 


Voxelotor ist ein Hämoglobin-S(HbS)-Polymerisationshemmer, der an HbS bindet und eine erhöhte Verteilung in die Erythrozyten zeigt. Durch die Erhöhung der Affinität von Hb zu Sauerstoff hemmt Voxelotor dosisabhängig die HbS-Polymerisation. Voxelotor hemmt die Sichelbildung der Erythrozyten und verbessert die Deformierbarkeit der Erythrozyten. 

Wirksamkeit und Sicherheit von Voxelotor bei Patienten mit Sichelzellkrankheit wurden in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, multizentrischen Studie (EudraCT2016-003370-40) untersucht.

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Anifrolumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 14. Februar 2022 Anifrolumab (Saphnelo, AstraZeneca) ist als Add-on-Therapie zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit moderatem bis schwerem, aktivem  Autoantikörper-positivem systemischem Lupus erythematodes (SLE) zugelassen, die bereits eine Standardtherapie erhalten.

Anifrolumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der mit hoher Spezifität und Affinität an die Untereinheit 1 des Typ-I-Interferonrezeptors (IFNAR1) bindet. Diese Bindung hemmt die Typ-I-IFN-Signaltransduktion und blockiert so die biologische Aktivität von Typ-I-Interferonen. 

Anifrolumab induziert außerdem die Internalisierung von IFNAR1 und reduziert so die IFNAR1-Anzahl auf der Zelloberfläche, die für die Rezeptorbindung zur Verfügung steht. 

Die Blockade der  rezeptorvermittelten Typ-I-IFN-Signaltransduktion hemmt die Expression des Interferon-stimulierten Gens sowie die nachgelagerten inflammatorischen und immunologischen Prozesse. Die Hemmung des Typ-I-IFN blockiert die Plasmazelldifferenzierung und normalisiert die Untergruppen der peripheren T-Zellen, wodurch das Gleichgewicht zwischen adaptiver und angeborener Immunität, das bei SLE fehlreguliert ist, wiederhergestellt wird.

Sicherheit und Wirksamkeit von Anifrolumab wurde in zwei multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studien über einen Behandlungszeitraum von jeweils 52 Wochen untersucht (TULIP 1und TULIP 2). 

Quelle

EPAR der EMA


Somatrogon von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 14. Februar 2022 Somatrogon (Ngenla, Pfizer) als Orphan Drug für die subkutane Behandlung von Kindern und Jugendlichen ab einem Alter von 3 Jahren mit Wachstumsstörung durch unzureichende Ausschüttung von Wachstumshormon zugelassen.

Somatrogon ist ein Glykoprotein, das aus der Aminosäurensequenz des hGH mit einer Kopie des  C-terminalen Peptids (CTP) aus der β-Kette des humanen Choriongonadotropins (hCG) am N-Terminus und zwei Kopien des CTP (Tandemkopien) am C-Terminus besteht. Die Glykosylierung und CTP-Domänen  sind für die Halbwertszeit von Somatrogon verantwortlich, wodurch eine wöchentliche Gabe ermöglicht wird.

Somatrogon bindet an den Rezeptor des Wachstumshormons (GH) und initiiert eine Signaltransduktionskaskade, die zu Veränderungen von Wachstum und Stoffwechsel führt. In Übereinstimmung mit der GH-Signalgebung führt die Bindung von Somatrogon zur Aktivierung des STAT5b-Signalwegs und erhöht die Serumkonzentration von IGF-1. 

IGF-1 steigt während der Behandlung mit Somatrogon dosisabhängig an und hat so seinen Anteil an der klinischen Wirkung. Als Ergebnis werden durch GH und IGF-1 Stoffwechselveränderungen und Längenwachstum stimuliert und die Wachstumsgeschwindigkeit bei Kindern mit GHD gesteigert. 

Sicherheit und Wirksamkeit von Somatrogon für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen ab einem Alter von 3 Jahren mit GHD wurden in zwei multizentrischen, randomisierten, unverblindeten,  kontrollierten klinischen Studien untersucht.

Quelle

EPAR der EMA

Freitag, 11. Februar 2022

Nirmatrelvir/Ritonavir von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 28. Januar 2022 Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid, Pfizer) für die orale Behandlung von COVID‑19 bei Erwachsenen zugelassen, die keine zusätzliche Sauerstoffzufuhr benötigen und ein erhöhtes Risiko haben, einen schweren COVID-19-Verlauf zu entwickeln. 

Die empfohlene Dosierung beträgt 300 mg Nirmatrelvir (zwei 150-mg-Tabletten) und 100 mg Ritonavir (eine 100-mg-Tablette) zur gleichzeitigen Einnahme alle 12 Stunden über einen Zeitraum von 5 Tagen. Paxlovid sollte so schnell wie möglich nach der Diagnose von COVID‑19 und innerhalb von 5 Tagen nach Symptombeginn angewendet werden. Es wird empfohlen, die 5-tägige Behandlung abzuschließen, auch wenn der Patient nach Beginn der Behandlung mit Paxlovid aufgrund einer schweren oder kritischen COVID‑19-Erkrankung hospitalisiert werden muss.

Nirmatrelvir ist eine Proteasehemmer, der die SARS-CoV-2-Hauptprotease inhibiert, die auch als 3C-ähnliche Protease (3CLpro) oder nsp5-Protease bezeichnet wird. Die Proteasehemmunng verhindert die Verarbeitung von Polyproteinvorläufern und verhindert so die Virusreplikation.

Ritonavir dient wie in zahlreichen anderen Kombinationen mit Virustatika als Booster, es hemmt den CYP3A-vermittelten Metabolismus von Nirmatrelvir und sorgt so für eine höhere Plasmakonzentration. 

Quelle:
Info der EMA


Eptinezumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 24. Januar 2022 Eptinezumab (Vyepti, Lundbeck) als Infusion zur  Migräneprophylaxe bei Erwachsenen mit mindestens 4 Migränetagen pro Monat zugelassen.

Eptinezumab ist wie Erenumab, Galcanezumab und Fremanezumab einen monoklonaler Antikörper, der an das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) bindet. Während dies bislang verfügbaren Substanzen subkutan per Fertigpen oder -spritze appliziert werden können, wird Eptinezumab infundiert. Die Applikation erfolgt alle drei Monate und dauert etwa 30 Minuten. 

Eptinezumab wurde in zwei placebokontrollierten Studien zur präventiven Behandlung von Migräne untersucht: PROMISE 1 wurde an Patienten mit episodischer Migräne (n = 888) und PROMISE 2 an Patienten mit chronischer Migräne (n = 1 072) durchgeführt. 

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Info der EMA


Avacopan von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 11. Januar 2022 Avacopan (Tavneos) in Kombination mit einem Rituximab- oder Cyclophosphamid-Dosierungsschema zur Behandlung erwachsener Patienten mit  schwerer aktiver Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) oder mikroskopischer Polyangiitis (MPA) als Orphan Drug zugelassen.


Avacopan ist ein selektiver Komplement-5a-Rezeptor-Antagonist (C5aR1 oder CD88), der die Interaktion zwischen C5aR1 und dem Anaphylatoxin C5a kompetitiv hemmt. Die spezifische und selektive Blockierung von C5aR1 durch Avacopan reduziert die proinflammatorischen Wirkungen von C5a, zu  denen die Aktivierung, Migration und Adhärenz der Neutrophilen an die Entzündungsherde in kleinen Blutgefäßen, Retraktion der vaskulären Endothelzellen und Permeabilität gehören.

Avacopan blockiert die durch C5a induzierte CD11b-Aktivierung (Integrin α-M) auf den Neutrophilen, die aus Proben von Avacopan-Patienten stammen. CD11b erleichtert die Adhärenz der Neutrophilen an die Oberflächen der vaskulären Endothelzellen, eine der Phasen des vaskulitischen Prozesses.

Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden in der Phase-3-Studie ADVOCATE untersucht.

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Info der EMA


Lonapegsomatropin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 11. Januar 2022  Lonapegsomatropin (Lonapegsomatropin Ascendis Pharma) als Orphan Drug zur parenteralen Behandlung von Wachstumsstörungen bei Kindern und Jugendlichen von 3 bis 18 Jahren aufgrund unzureichender Sekretion des endogenen Wachstumshormons (Wachstumshormonmangel [GHD]) zugelassen.

Lonapegsomatropin ist ein lang wirkendes Prodrug von Somatropin. Lonapegsomatropin besteht aus Somatropin, das über einen patentierten TransCon-Linker vorübergehend mit einem  Methoxypolyethylenglykol-Träger (4 x 10 kDa mPEG) konjugiert ist. Der Träger verzögert die renale Ausscheidung und die rezeptorvermittelte Elimination. 

Nach subkutaner Gabe setzt Lonapegsomatropin durch selbsttätige Spaltung des TransCon-Linkers das vollständig wirksame Somatropin frei. Dieses Somatropin (191 Aminosäuren) hat bei einmal wöchentlicher subkutaner Injektion dieselbe Wirkungsweise und Verteilung wie täglich verabreichtes Somatropin.

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Info der EMA

Dienstag, 18. Januar 2022

Glucarpidase von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 11. Januar 2022 Glucarpidase (Voraxaze, SERB SAS) als Orphan Drug zur Verringerung toxischer Methotrexat-Plasmakonzentrationen bei Erwachsenen und Kindern (im Alter ab 28 Tagen) mit verzögerter Ausscheidung von Methotrexat, oder wenn das Risiko einer Methotrexat-Toxizität besteht, zugelassen.

Glucarpidase ist ein rekombinantes bakterielles Enzym, das den carboxyterminalen Glutamatrest von Folsäure und strukturell verwandten Molekülen wie Methotrexat (MTX) hydrolysiert. Glucarpidase wandelt MTX in seine inaktiven Metaboliten DAMPA und Glutamat um. Da sowohl DAMPA als auch Glutamat über die Leber metabolisiert werden, bietet Glucarpidase einen alternativen Pfad für die Elimination von MTX bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung während einer MTX-Hochdosistherapie.

Aufgrund ihrer erheblichen Molekülgröße passiert Glucarpidase nicht die Zellmembran und hebt daher die intrazellulären antineoplastischen Wirkungen des hochdosierten MTX nicht auf.

Die Wirksamkeit von Glucarpidase wurde in vier offenen, multizentrischen, einarmigen Compassionate-Use-Studien bei Patienten mit verzögerter MTX-Elimination aufgrund von Nierenfunktionsstörungen untersucht.

Quelle:

EPAR der EMA


Mittwoch, 12. Januar 2022

Tecovirimat von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 6. Januar 2022 Tecovirimat (Tecovirimat SIGA) unter "außergewöhnlichen Umständen" zur oralen Behandlung von Pocken, Affenpocken und Kuhpocken bei Erwachsenen und Kindern ab einem Körpergewicht von mindestens 13 kg zugelassen.

Das Virostatikum Tecovirimat hemmt die Aktivität des VP37-Proteins des Orthopoxvirus, das in allen Mitgliedern der Gattung Orthopoxvirus von einem hoch konservierten Gen kodiert wird. Tecovirimat  blockiert die Interaktion von VP37 mit der zellulären Rab9-GTPase und TIP47, was die Bildung von austrittskompetenten umhüllten Virionen verhindert, die für die Verbreitung des Virus von Zelle zu Zelle und über große Entfernungen erforderlich sind.

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Samstag, 8. Januar 2022

Sotorasib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 6. Januar 2022 Sotorasib (Lumykras, Amgen) zur oralen Monotherapie von Erwachsenen mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) mit KRAS G12C-Mutation bedingt zugelassen, bei denen nach mindestens einer vorherigen systemischen Therapie eine
Progression festgestellt wurde. 

Sotorasib ist ein selektiver KRAS-G12C-Inhibitor, der kovalent und irreversibel an KRAS G12C bindet. Die Inaktivierung von KRAS G12C durch Sotorasib blockiert die Signalübertragung, hemmt das Zellwachstum und fördert selektiv die Apoptose bei Tumoren, die KRAS G12C aufweisen, einen onkogenen Treiber der Tumorgenese. 

Die Wirksamkeit wurde in der einarmigen, offenen, multizentrischen Studie CodeBreaK 100 untersucht,  in die 126 Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem NSCLC mit KRAS-G12C-Mutation  aufgenommen wurden, bei denen eine Krankheitsprogression nach vorheriger Behandlung aufgetreten war.

Quelle