Donnerstag, 27. September 2018

ICD-10-GM 2019: DIMDI veröffentlicht endgültige Fassung

Das DIMDI hat die endgültige Fassung der ICD-10-GM Version 2019 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification) veröffentlicht. In die neue Version flossen die Änderungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein. Berücksichtigt sind zudem 87 Vorschläge, zumeist von Fachgesellschaften und Fachleuten aus Ärzteschaft, Krankenkassen und Kliniken sowie Organisationen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen.
Die Klassifikation bildet unter anderem die Basis für die Entgeltsysteme.
Diagnosen müssen im ambulanten und stationären Bereich nach der ICD-10-GM verschlüsselt werden. Ärzte und Dokumentare in Krankenhäusern sind verpflichtet, dabei die Deutschen Kodierrichtlinien (DKR) in der jeweils gültigen Fassung zu berücksichtigen; in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen sind die Deutschen Kodierrichtlinien für die Psychiatrie/Psychosomatik (DKR-Psych) heranzuziehen. Die Kodierrichtlinien werden von den Selbstverwaltungspartnern gemeinsam vereinbart.
Die Verschlüsselung erfolgt auf der Basis des Systematischen Verzeichnisses der ICD-10-GM. Das zugehörige Alphabetische Verzeichnis mit seiner umfangreichen Sammlung an Krankheitsbezeichnungen und Synonymen erleichtert die Arbeit in der Praxis.
Die WHO hat angekündigt, nach 2019 keine regelmäßigen Aktualisierungen mehr für die ICD-10 herauszugeben. Bei dringendem Änderungsbedarf wird die WHO ggf. einzelne Anpassungen bekanntgeben, die dann ggf. in die ICD-10-GM übernommen werden.

Alle Klassifikationsdateien finden sich kostenfrei auf der DIMDI-Webseite unter Klassifikationen - Downloads. Dazu gehören die Referenzfassungen und Aktualisierungslisten zur ICD-10-GM 2019 sowie alle anderen bereits bekannten Dateiformate.
Um über unterjährige Fehlerkorrekturen und Aktualisierungen informiert zu werden, empfehlen das DIMDI , den Newsletter DIMDI Aktuell - Rubrik Klassifikationen zu abonnieren.



Quelle:
Pressemitteilung DIMDI vom 27. September 2018

Freitag, 21. September 2018

Cabozantinib, Elebrato Ellipta, Enzalutamid, Fingolimod, Tocilizumab, Venetoclax: EMA empfiehlt Zulassungserweiterung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, die Zulassung von Cabozantinib, Elebrato Ellipta, Enzalutamid, Fingolimod, Tocilizumab, Venetoclax zu erweitern.


  • Cabozantinib (Cabometyx, Ipsen) soll künftig auch als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit hepatozellulärem Karzinom nach Vorbehandlung mit Sorafenib eingesetzt werden können.
  • Enzalutamid (Xtandi, Astellas) soll künftig bei Erwachsenen mit nicht metastasiertem, kastrationsresistenem Hochrisiko-Prostatakarzinom eingesetzt werden können.
  • Fingolimod (Gilenya, Novartis) soll künftig bei Kindern ab einem Alter von 10 Jahren eingesetzt werden können.
  • Fluticasonfuroat/Umeclidinium/Vilanterolfluticasone (Elebrato Ellipta, Trelegy Ellipta, GSK) soll künftig auch bei nicht ausreichender Wirkung einer LABA/LAMA-Kombination sowie zur Prävention von Exazerbationen eingesetzt werden können.
  • Tocilizumab (Roactemra, Roche) soll künftig für die Behandlung der sJIA bei Patienten ab einem Jahr eingesetzt werden können, die auf eine Therapie mit NSAR und Glucocorticoiden nicht ausreichend angesprochen haben. Es kann in Kombination mit Methotrexat oder bei MTX-Unverträglichkeit in Monotherapie verwendet werden.
  • Venetoclax (Venclyxto, Abbvie) ist künftig in Kombination mit Rituximab für die Behandlung von Erwachsenen mit CLL zugelassen, die mindestens eine Therapielinie erhalten haben. Die Monotherapie ist angezeigt bei Patienten
    - die eine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen und die für eine Behandlung mit einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs nicht geeignet sind oder ein Therapieversagen zeigten.
    - ohne Vorliegen einer 17p-Deletion oder TP53-Mutation, bei denen sowohl unter einer Chemo-Immuntherapie als auch unter einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs ein Therapieversagen auftrat

 
Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Meropenem/Vaborbactam von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Meropenem/Vaborbactam (Vabomere, Rempex) für die Behandlung von Erwachsenen mit komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich Pyelonephritis, komplizierten intraabdominalen Infektionen und nosokomial erworbenen Pneumonien einschließlich Beatmungs-assoziierter Pneumonie zuzulassen.
Außerdem soll es bei erwachsenen Patienten eingesetzt werden können, die an einer Infektion mit gramnegativen Erregern mit begrenzten Therapiemöglichkeiten erkrankt sind.

Das Carbapenem Meropenem ist seit vielen Jahren im Handel, Vaborbactam ist ein neuer nicht suizidal wirkender Beta-Lactamasehemmer, der unter anderem Klebsiella-pneumoniae-Carbapenemasen hemmt.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Mogamulizumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Mogamulizumab (Poteligeo, Kyowa Kirin) als Orphan Drug für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit Mycosis fungoides (MF) oder Sézary-Syndrom zuzulassen, die mindestens eine systemische Therapie erhalten haben.

Mogamulizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der selektiv an Chemokin-Rezeptor 4(CCR4) bindet, der auf der Oberfläche einige Krebszellen einschließlich T-Zellen bei T-Zell-Malignitäten, wie MF oder SS, gebildet wird.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Voretigen Neparvovec von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Voretigen Neparvovec (Luxturna, Spark Therapeutics) zur parenteralen Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit Sehverlust aufgrund einer erblichen retinalen Dystrophie verursacht durch biallele RPE65-Mutationen zuzulassen, wenn ausreichend empfindliche Retinazellen vorhanden sind.

Voretigen Neparvovec  ist ein Gentransfer-Vektor, der das mutierte Gen in den den Retinazellen ersetzen soll. Es wird einmal in die Retina injiziert. Bislang ist die Gentherapie bei 41 Patienten untersucht worden.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Damoctocog alfa pegol von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Damoctocog alfa pegol (Jivi, Bayer) zur parenteralen Prophylaxe und Therapie von Blutungen bei Patienten ab 12 Jahren mit Hämophilie A zuzulassen.

Damoctocog alfa pegol ist ein rekombinanter pegylierter Faktor VIII. 
Die Zulassungsempfehlung basiert auf Ergebnissen der Phase II/III-Studie PROTECT-VIII, in der Prophylaxe, Bedarfsbehandlung und perioperative Behandlung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerer Hämophilie A untersucht wurden.
In der randomisierten Studie hatten 74 Prozent der Patienten, die einmal wöchentlich mit Damoctocog alfa pegol behandelt wurden sowie alle Patienten (100 Prozent), die alle fünf Tage behandelt wurden, einen guten Schutz vor Blutungen. Die Patienten mit einmal wöchentlicher Dosierung hatten eine mittlere jährliche Blutungsrate (annualized bleeding rate, ABR) von 0,96; die Hälfte dieser Patienten hatte keine Blutungen. Die Behandlung mit Damoctocog alfa pegol wurde im Allgemeinen gut vertragen.
Das positive Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil der Hauptstudie wurde in der PROTECT-Verlängerungsstudie über fünf Jahre bestätigt. In der PROTECT-VIII-Verlängerungsstudie sank die Gesamt-ABR im Vergleich zur Hauptstudie im Laufe der Zeit weiter. Kein Patient entwickelte FVIII-Inhibitoren, und das Sicherheitsprofil blieb vorteilhaft.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018
Pressemitteilung der BAYER AG vom 21.9.2018

Galcanezumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Galcanezumab (Emgality, Lilly) zur parenteralen Prophylaxe der Migräne bei Erwachsenen zuzulassen, die an mindestens 4 Migränetagen pro Monat leiden.

Galcanezumb ist wie Erenumab ein monoklonaler Antikörper, der zur Prävention der Migräne eingesetzt werden kann. ER bindet selektiv an den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related-Peptide (CGRP). CGRP wirkt als proinflammatorisches Neuropeptid stark gefäßerweiternd und ist damit zentral an der Schmerzauslösung sowie der neurogenen Entzündung beteiligt. Da Patienten während akuter Migräneattacken erhöhte CGRP-Spiegel aufweisen, dürfte  CGRP eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung des Migräne-Schmerzes zukommen. Die intravenöse Infusion von CGRP löst bei Patienten migräneähnliche Kopfschmerzen aus.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Doravirin und Doravirin/Lamivudin/Tenofovir disoproxil von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Doravirin (Pifeltro, MSD) sowie Doravirin/Lamivudin/Tenofovir disoproxil (Delstrigo, MSD) für die orale Behandlungvon Erwachsenen mit HIV-Infektion zuzulassen, die keine Resistenz gegen NNRTI wie Lamivudin oder Tenofovir aufweisen.


Doravirin ist eine neuer NNRTI.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Brigatinib von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Brigatinib (Alunbrig, Takeda) zur oralen Monotherapie erwachsener Patienten mit ALK-positivem fortgeschrittenen NSCLC zuzulassen, die zuvor mit Crizotinib behandelt worden sind.

Brigatinib ist ein Kinasehemmer, der die Autophosphorylierung der ALK (anaplastischen Lymphomkinase), die ALK-vermittelte Phosphorylierung weiterer Proteine und die Proliferation von ALK-abhängigen Krebszellen hemmt. Es kann auch bei Patienten, die auf den ALK-Hemmer Crizotinib refraktär sind, ein Ansprechen hervorrufen.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Montag, 10. September 2018

Vonicog alfa von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. September 2018 Vonicog alfa (Veyvondi, Baxalta Innovations GmbH) als Orphand Drug für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit von-Willebrand-Erkrankung zugelassen, wenn Desmopressin allein nicht wirksam oder nicht angezeigt ist, für die Behandlung von Blutungen und Operaionsblutungen sowie für die Prävention von Operations-bedingten Blutungen. Vonicog alfa sollte nicht zur Behandlung der Hämophilie A verwendet werden.

Vonicog alfa ist eine rekombinanter humaner von-Willebrand-Faktor, der die Plättchenanheftung an das Endothel bei Gefäßverletzungen wieder herstellen kann und der einen Faktor-VIII-Mangel ausgleichen kann.
Die klinischen Sicherheits-, Wirksamkeits- und PK-Daten wurden in 3 abgeschlossenen Studien (070701, 071001 und 071101) mit Patienten mit VWS ausgewertet. Insgesamt wurden 92 einzelne Patienten (80 einzelne Patienten mit VWS in den Studien 070701, 071001 und 071101 und 12 Patienten mit Hämophilie A in der Studie 071104) in der klinischen Entwicklungsphase mit
Vonicog alfa behandelt.

Quelle
EPAR der EMA

Neratinib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. September 2018 Neratinib (Nerlynx, Puma Biotech) für die erweiterte adjuvante orale Therapie von Erwachsenen mit frühem Hormonrezeptor-positivem und HER2-positivem Mammakarzinom im frühen Stadium zugelassen, bei denen vor weniger als einem Jahr eine Trastuzumab-basierte Behandlung durchgeführt worden war.

Neratinib ist ein irreversibler Tyrosinkinasehemmer (TKI) des viralen Onkogen-Homologs der Erythroblastenleukämie (ERBB), der die Signaltransduktion des Mitogen-Wachstumsfaktors durch kovalente Bindung mit hoher Affinität an der ATP-Bindungsstelle von 3 epidermalen Wachstumsfaktorrezeptoren (EGFRs) blockiert: EGFR (codiert als ERBB1), HER2 (codiert als ERBB2) und HER4 (codiert als ERBB4) oder ihre aktiven Heterodimere mit HER3 (codiert als ERBB3). Dadurch wird eine nachhaltige Hemmung dieser wachstumsfördernden Pfade bei Brustkrebs mit HER2-Amplifizierung oder -Überexpression oder HER2-Mutation erreicht. Neratinib bindet sich an den HER2-Rezeptor, verringert die EGFR- und HER2-Autophosphorylierung der nachgelagerten MAPK- und AKT-Signalpfade und hemmt stark die Tumorzellproliferation in vitro.

Quelle
EPAR der EMA

Caplacizumab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. September 2018 Caplacizumab (Cablivi, Sanofi, Ablynx) zur parenteralen Behandlung der erworbenen thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (aTTP) zusammen mit Plasmaaustausch und Immunsuppression zugelassen.

Caplacizumab ist ein humanisierter bivalenter "Nanobody",  der aus zwei identischen humanisierten Bausteinen (PMP12A2hum1) besteht, die gentechnisch durch einen 3-Alanin-Linker verbunden sind.
Es zielt auf die A1-Domäne des von-Willebrand-Faktors ab und hemmt die Wechselwirkung zwischen dem von-Willebrand-Faktor und den Thrombozyten. Somit verhindert Caplacizumab die durch den ultralangen von-Willebrand-Faktor vermittelte Thrombozytenadhäsion, die für eine erworbene TTP charakteristisch ist. Es beeinflusst auch die Verfügbarkeit des von-Willebrand-Faktors, was zu einer vorübergehenden Reduktion der Antigen-Gesamtspiegel des von-Willebrand-Faktors und zur gleichzeitigen Reduktion der Faktor-VIII:C-Spiegel während der Behandlung führt.
Wirksamkeit und Sicherheit von Caplacizumab bei Erwachsenen, die an einer Episode von
erworbener TPP leiden, wurden in zwei randomisierten, kontrollierten Studien nachgewiesen: die
Phase-III-Studie ALX0681-C301 HERCULES und die Phase-II-Studie ALX-0681-2.1/10
TITAN.

Quelle:
EPAR der EMA


Dienstag, 4. September 2018

Patisiran von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 29.8.2018 Patisiran (Onpattro, Alnylam) als Orphan Drug für die parenterale Behandlung der hereditären Transthyretin-vermittelten Amyloidose (hATTR-Amyloidose) bei Erwachsenen mit Polyneuropathie im Stadium 1 oder 2 zugelassen.

Die hATTR-Amyloidose ist eine seltene lebensbedrohliche Erbkrankheit, die durch Mutationen im Transthyretrin-Gen entsteht. Hierdurch kommt es zu fehlgefalteten TTR-Proteinen, die sich als Amyloidfibrllien an verschiedenen Stellen wie Nerven, Herz und GI-Trakt anreichern. Die Patienten leiden unter Herzproblemen, Muskelschwäche und Gehbehinderungen, gastrointestinalen Störungen und Blasendysfunktion.
Onpattro enthält Patisiran, eine doppelsträngige, kleine interferierende Ribonukleinsäure (small interfering ribonucleic acid, siRNA), die spezifisch auf eine genetisch konservierte Sequenz in der 3’-untranslatierten Region der gesamten mRNA von mutiertem und Wildtyp-TTR abzielt. Patisiran ist als Lipid-Nanopartikel zubereitet, um die siRNA zu den Hepatozyten zu befördern, welche die primäre Quelle des TTR-Proteins im Kreislauf darstellen. Durch einen natürlichen Prozess, der als RNA-Interferenz (RNAi) bezeichnet wird, bewirkt Patisiran den katalytischen Abbau der TTR-mRNA in der Leber, was zu einer Reduktion des TTR-Proteins im Serum führt.

Die Wirksamkeit von Onpattro wurde in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten
Studie bei 225 hATTR-Amyloidose-Patienten mit einer TTR-Mutation sowie symptomatischer
Polyneuropathie untersucht

Quelle:

Gemtuzumab Ozogamicin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 19. April 2018 Gemtuzumab Ozogamicin  (Mylotarg, Pfizer) in Kombination mit Daunorubicin und Cytarabin für die Behandlung von Patienten ab 15 Jahren mit bislang unbehandelter CD33-positiver akuter myeloischer Leukämie (AML) ausser der akuten promyelozytischen Leukämie (APL) zugelassen.

Gemtuzumab-Ozogamicin ist ein Immunkonjugat, das aus einem rekombinanten humanisierten CD33-Antikörper und dem bakteriellen Toxin Calicheamicin besteht. Das zytostatisch wirkende Toxin wird aus dem Bakterium Micromonospora echinospora subsp. Calichensis gewonnen.

Der Antikörper bindet spezifisch an das C33-Antigen, das bei mehr als 80% der AML-Patienten auf der Oberfläche von leukämischen Blasten exprimiert wird. Nach der Bindung wird der Antigen-Antikörper-Komplex internalisiert, hierbei wird das Zytostatikum in den Lysosomen der Blutzelle freigesetzt und kann dort seine Wirkung entfalten.

Gemtuzumab-Ozogamicin hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Gemtuzumab-Ozogamicin (Mylotarg® vom Hersteller Wyeth) war als erstes Antikörper-Immuntoxin-Konjugat weltweit im Jahr 2000 von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) zugelassen worden: für die Behandlung älterer AML-Patienten mit einem Rezidiv, für die eine intensivierte Therapie nicht angezeigt war. Der CHMP lehnte 2007 die Zulassung von Gemtuzumab-Ozogamicin (GO) ab, was nach nochmaliger Überprüfung der Daten im Jahr 2008 bestätigt wurde.

Die Ablehnung wurde mit nicht überzeugenden Daten zur Wirksamkeit bei gleichzeitigem Vorliegen von schweren unerwünschten Wirkungen begründet. Insbesondere die Daten der SWOG-S0106-Studie (South West Oncology Group) führten dann im Jahr 2010 zur Marktrücknahme von Gemtuzumab-Ozogamicin in den USA. Diese Studie wurde vorzeitig abgebrochen, weil in der GO-Gruppe eine erhöhte frühe Sterblichkeit (6% vs. 1%) beobachtet wurde, die durch einen späteren erhöhten Nutzen nicht ausgeglichen werden konnte.

Die FDA hat GO nun im September 2017 zur Behandlung von Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) zugelassen. Eingesetzt werden darf es in Kombination mit Standard-Chemotherapie bei Erwachsenen mit neu diagnostizierter Erkrankung, deren Tumor das Oberflächenprotein CD33 exprimiert (CD33-positive AML). Zudem darf es CD33-positiven AML-Patienten ab einem Alter von zwei Jahren verabreicht werden, die nicht auf eine vorherige Therapie angesprochen oder einen Rückfall erlitten haben. Die Zulassung beruht auf einem umfangreichen Studienprogramm, inklusive der Phase-III-Studien ALFA-0701 und AML-19 sowie der Phase-II-Studie MyloFrance-1.
In der multizentrischen, randomisierten, offenen und kontrollierten Phase-III-Studie ALFA-0701 wurde Gemtuzumab Ozogamicin an neu diagnostizierten AML-Patienten untersucht. Dabei wurde Gemtuzumab Ozogamicin – im Vergleich zu vorherigen Studien – in einer niedrigen Dosis und auf 3 Tage verteilt eingesetzt. Im Verhältnis 1:1 randomisiert erhielten die Patienten entweder Gemtuzumab Ozogamicin in Kombination mit einer Chemotherapie (n = 135) oder eine alleinige Chemotherapie (n = 136). Der primäre Endpunkt dieser Studie, das ereignisfreie Überleben, wurde erreicht: Patienten, die Gemtuzumab Ozogamicin erhielten, erreichten ein medianes EFS von 17,3 Monaten, verglichen mit 9,5 Monaten in der Gruppe mit alleiniger Chemotherapie (HR: 0,56 [95 %-KI 0,42-0,76]; p < 0,0002). In der ALFA-0701-Studie traten als häufigste Nebenwirkungen Hämorrhagien, Infektionen, Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Obstipation, Kopfschmerz, erhöhte AST- und ALT-Werte, Exantheme und Schleimhautentzündungen auf. Die klinisch relevanten schwerwiegenden Nebenwirkungen waren Hepatotoxizität, darunter venöse okklusive Leberkrankheit (VOD/SOS) (3,8 %), Blutungen (9,9 %) und schwere Infektionen (41,2 %).

Quelle:
Info der EMA