Montag, 21. Januar 2019

Rote-Hand-Brief zu SGLT2-Inhibitoren wegen Fournier-Gangrän

Die Zulassungsinhaber von SGLT2-Inhibitoren informieren in einem Rote-Hand-Brief über das Risiko einer Fournier-Gangrän (Nekrotisierende Fasziitis des Perineums) bei der Anwendung von SGLT2-Inhibitoren.Die Produktinformationen werden dahingehend geändert, dass Fournier-Gangrän als Nebenwirkung aufgenommen wird.

Nach Markteinführung von SGLT2-Inhibitoren wurden Fälle von Fournier-Gangränen mit der Anwendung von SGLT2-Inhibitoren in Verbindung gebracht. Die Fournier Gangrän ist eine seltene aber schwere und potentiell lebensgefährliche Infektion. Urogenitale Infektionen oder perineale Abszesse können einer nekrotisierenden Fasziitis vorausgehen.
Patienten sollten sich umgehend in ärztliche Behandlung zu begeben, wenn sie starke Schmerzen, Druckschmerzen, Erytheme oder Schwellungen im Genitalbereich oder im Bereich des Perineums wahrnehmen, und diese mit Fieber oder Unwohlsein einhergehen. Bei Verdacht auf eine Fournier-Gangrän ist der SGLT2-lnhibitor abzusetzen und unverzüglich die Behandlung einzuleiten (einschließlich der Anwendung von Antibiotika und Wunddebridement).

AMK-Nachrichten vom 21.1.2019

Rote-Hand-Brief zu hormonellen Kontrazeptiva

In einem Rote-Hand-Brief informieren die Hersteller über einen neuen Warnhinweis zu Suizidalität als mögliche Folge einer Depression unter der Anwendung hormoneller Kontrazeptiva.

Depressive Verstimmungen und Depressionen sind bekannte Nebenwirkungen von hormonellen  Kontrazeptiva. Da sie Risikofaktoren für suizidales Verhalten und Suizidalität sind, wurde hierzu ein neuer Warnhinweis in die Produktinformationen aufgenommen. Wenn Stimmungsschwankungen  oder depressive Symptome auftreten, sollten betroffene Frauen ihren Arzt kontaktieren.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat kürzlich ein Signalverfahren zu hormonellen Kontrazeptiva und dem möglichen Risiko von Suizid und Suizidversuch abgeschlossen. Dieses basiert auf Ergebnissen einer prospektiven dänischen Kohortenstudie, in welcher Daten aus Gesundheitsregistern zu über 475.000 Frauen ausgewertet worden waren. Anwenderinnen von hormonellen Kontrazeptiva wiesen gegenüber Nicht-Anwenderinnen ein relatives Risiko von 1,97 (95 % Konfidenzintervall 1,85–2,10) für einen erstmaligen Suizidversuch und von 3,08 (95 % KI 1,34–7,08) für Suizid auf. Das Risiko war höher in der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen gegenüber älteren Anwenderinnen. Es war bereits im ersten Monat der Anwendung erhöht und nahm danach leicht ab.
Zwar lässt sich anhand der vorliegenden Daten ein Kausalzusammenhang nicht belegen. Da jedoch die bekannten Nebenwirkungen depressive Verstimmungen und Depressionen Risikofaktoren für suizidales Verhalten und Suizid darstellen, wurde der Warnhinweis zu Suizidalität in die Produktinformationen aufgenommen.

AkdÄ Drug Safety Mail vom 21. Januar 2019

ICD-10-WHO Version 2019: DIMDI veröffentlicht alle drei Bände

Das DIMDI veröffentlicht die ICD-10-WHO Version 2019, die deutsche Übersetzung der englischen Originalfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Klassifikation dient in Deutschland unter anderem der Verschlüsselung von Todesursachen für die Todesursachenstatistik. 
In die neue Version der Internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme flossen zahlreiche Änderungen der WHO ein, die seit dem 1. Januar 2019  gültig sind.
Die Klassifikation bildet die Basis für die Todesursachenstatistik in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Auch in Krebsregistern wird sie u.a. für die Erfassung der Krebstodesfälle eingesetzt. Die internationalen Todesursachenstatistiken basieren ebenfalls auf der ICD-10 der WHO.
Das DIMDI implementiert mit der aktuellen deutschsprachigen Fassung der WHO-Ausgabe die Updates für die Version 2019 weltweit als eines der ersten WHO-Kooperationszentren für das System der internationalen Klassifikationen.
Alle Änderungen in Band 1 und 2 sind im Detail in der jeweiligen Aktualisierungsliste enthalten (ausgenommen Korrekturen einzelner Zeichen).
Mit der Version 2019 endet der reguläre Aktualisierungszyklus zur ICD-10-WHO. Änderungen an der internationalen Ausgabe der ICD-10 werden von der WHO zukünftig nur noch in  Ausnahmefällen veröffentlicht, da man sich voll auf die Arbeiten zur Fertigstellung und Einführung der neuen ICD-11 fokussiert.



Quelle:
DIMDI-Pressemitteilung vom 21.1.2019

Donnerstag, 17. Januar 2019

Apalutamid von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Januar 2019 Apalutamid für die orale Behandlung erwachsener Männer mit nicht-metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom (nm-CRPC) zugelassen, die ein hohes Risiko für die Entwicklung von Metastasen aufweisen


Apalutamid ist ein selektiver Androgenrezeptor(AR)-Inhibitor, der direkt an die Liganden-bindende Domäne des AR bindet. Apalutamid verhindert die nukleäre Translokation des AR, hemmt die DNA-Bindung, hemmt die AR-vermittelte Transkription und zeigt keine agonistische Aktivität am Androgenrezeptor. Die Behandlung mit Apalutamid vermindert die Proliferation der Tumorzellen und steigert die Apoptose, wodurch es zu einer ausgeprägten antitumoralen Aktivität kommt. Ein Hauptmetabolit, N-Desmethylapalutamid zeigte in vitro ein Drittel der Aktivität von Apalutamid.
In der SPARTAN-Studie konnte Apalutamid bei Männern mit M0CRPC und einer PSA-Verdopplungszeit von höchstens zehn Monaten gegenüber Placebo das mediane metastasenfreie Überleben (MFS) signifikant verlängern. Der Androgenrezeptor-Inhibitor reduzierte das Risiko für Fernmetasten oder Tod um 70%.
Zu den am häufigsten Nebenwirkungen gehörten Ermüdung (30%), Hautausschlag (24 % alle Schweregrade und 5 % Grad 3 oder 4), Gewichtsverlust (16%), Arthralgie (16%) und Sturz (16%). Zu weiteren wichtigen Nebenwirkungen zählten Frakturen (12%) und Hypothyreose (8%) [5]. Die Rate an Therapieabbrüchen aufgrund von Nebenwirkungen lag im Apalutamid-Arm bei 11%, verglichen mit 7% im Placebo-Arm. Die Häufigkeit von schwerwiegenden Nebenwirkungen war in beiden Studienarmen vergleichbar.

Quelle
EPAR der EMA

Freitag, 21. Dezember 2018

Denguefieber-Impfstoff von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 14. Dezember 2018 eine tetravalente attenuierte Lebendvakzine (Dengvaxia, Sanofi Pasteur) zur Prophylaxe des Denguefiebers zugelassen.
Dengvaxia wird angewendet zur Prävention von Denguefieber, das durch die Dengue-VirusSerotypen 1, 2, 3 und 4 hervorgerufen wird. Dengvaxia wird angewendet bei Personen zwischen 9 und 45 Jahren mit dokumentierter, vorheriger Dengue-Virus Infektion, die in Endemiegebieten leben.

Dengvaxia enthält lebende, attenuierte Viren. Nach der Verabreichung kommt es zu einer lokalen Replikation der Viren, was die Bildung neutralisierender Antikörper und eine zellvermittelte Immunantwort gegen die vier Dengue-Virus-Serotypen hervorruft (siehe nachfolgende detaillierte Daten im Unterabschnitt 3 zur Immunogenität).
Die klinische Wirksamkeit von Dengvaxia wurde in 3 Studien beurteilt: einer unterstützenden PhaseIIb-Wirksamkeitsstudie in Thailand (CYD23) und 2 großangelegten pivotalen Wirksamkeitsstudien der Phase III, CYD14 in Asien (Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Vietnam) und CYD15 in Lateinamerika (Brasilien, Kolumbien, Honduras, Mexiko, Puerto Rico).

Quelle:
EPAR der EMA

Beclometasondipropionat/Formoterolfumaratdihydrat/Glycopyrronium, Brentuximab Vedotin, Dasatinib, Golimumab, Regadenoson, Rucaparib: EMA empfiehlt Zulassungserweiterung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Dezember 2018 empfohlen, die Zulassung von Beclometasondipropionat/ Formoterolfumaratdihydrat/Glycopyrronium, Brentuximab Vedotin, Dasatinib, Golimumab, Regadenoson und Rucaparib zu erweitern.

  • Beclometasondipropionat/Formoterolfumaratdihydrat/Glycopyrronium (Trimbow, Chiesi) soll künftig auch zur Erhaltungstherapie bei Erwachsenen mit schwerer COPD eingesetzt werden können, die durch eine Kombination aus LABA und LAMA nicht ausreichend behandelt werden können.
  • Brentuximab Vedotin (Adcetrisc, Takeda) sollt künftig bei Erwachsenen mit unbehandeltem CD30+ Hodgkin-Lymphom im Stadium IV in Kombination mit Doxorubicin, Vinblastin und Dacarbazin (AVD) eingesetzt werden können.
  • Dasatinib (Sprycel, BMS) soll künftig bei Kindern mit neu diagnostierter Ph+ALL in Kombination mit Chemotherapie eingesetzt werden können.
  • Golimumab (Simponi, Janssen) soll künftig in Kombination mit Methotrexat bei juveniler idiopathischer Arthritis bei Kindern ab einem Alter von 2 Jahren eingesetzt werden können.
  • Regadenoson (Rapiscan, GE Healthcare) soll künftig bei Erwachsenen zur Messung der FFR einer einzelnen Koronarstenose während invasiver Koronarangiographie eingesetzt werden können, wenn wiederholte FFR-Messungen nicht möglich sind.
  • Rucaparib (Rubraca, Clovis) soll künftig allein zur Erhaltungstherapie von Erwachsenen mit platinsensitivem rezidivierten High-grade-Ovarialkarzinomen eingesetzt werden können, die auf eine platinbasierte Chemotherapie partiell oder komplett angesprochen haben


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 14. Dezember 2018

Naldemedin von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Dezember 2018 empfohlen, Naldemedin (Rizmoic, Shionogi) zur oralen Behandlung einer Opioid-induzierten Verstopfung bei Erwachsenen zuzulassen, die zuvor mit einem Laxans behandelt worden sind.

Naldemedin ist ein peripher wirkender Mu-Opioidrezeptorantagonist, der in Geweben wie dem Gastrointestinaltrakt wirkt. Er reduziert die konstipierenden Wirkungen von Opioiden ohne die im zentralen Nervensystem vermittelten Effekte zu beeinflussen.
Naldemedin führt zu einer klinischen relevanten Zunahme der Zahl spontaner Darmbewegungen bei Patienten mit Opioid-induzierter Verstopfung.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 14. Dezember 2018

Montag, 17. Dezember 2018

Lusutrombopag von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Dezember 2018 empfohlen, Lusutrombopag (Lusutrombopag Shionogi) zur oralen Behandlung der schweren Thrombozytopenie bei Erwachsenen mit chronischer Lebererkrankung zuzulassen, die sich einer invasiven Prozedur unterziehen müssen.

Lusutrombopag ist eine Thrombopoetin(TPO)-Rezeptoragonist, der Proliferation und Differenzierung von Megakaryozyten-Vorläuferzellen induziert und so Thrombozytopoese führt. Damit wird der Bedarf an Thrombozytentransfusionen vor invasiven Eingriffen verringert und eine Notfalltherapie bei Blutungen innerhalb von 7 Tagen nach der Prozedur ermöglicht. 

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 14. Dezember 2018

Ropeginterferon alfa-2b von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Dezember 2018 empfohlen,  ropeginterferon alfa-2b (Besremi, AOP Orphan Pharmaceuticals) als Orphan Drug zur parenteralen Behandlung von Patienten mit Polycythaemia vera ohne Splenomegalie zuzulassen.

Ropeginterferon alfa-2b ist ein lang wirkendes monopegyliertes Prolin-Interferon alfa-2b, das alle 2 Wochen appliziert wird. Es hemmt die Proliferation von hämatopoetischen und Knochenmark Fibroblasten-Vorläuferzellen und antagonisiert die Wirkung von Wachstumsfaktoren und anderen Zytokinen, die bei der Myelofibrose beteiligt sind.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 14. Dezember 2018

Omega-3-Fettsäuren: EMA empfiehlt sie nicht länger zur Sekundärprävention nach Herzinfarkt

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Dezember 2018 empfohlen, Omega-3-Fettsäuren nicht mehr zur Sekundärprävention nach Herz-Kreislauferkrankungen einzusetzen.

Omega-3-Fettsäuren waren seit dem Jahr 2000 in einer Dosierung von 1g/Tag in verschiedenen EU-Ländern in Kombination mit anderen Substanzen zur Prävention einer Herzerkrankung zugelassen. Die in den letzten Monaten und Jahren publizierten Studienergebnisse legen jedoch nahe, dass sie keinen Nutzen in dieser Indikation haben. Daher empfiehlt der CHMP, diese Zulassung zurück zu nehmen. Dies muss noch von der EU-Kommission bestätigt werden.
Zur Senkung erhöhter Triglyceridwerte können Omega-3-Fettsäuren weiter eingesetzt werden.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 14. Dezember 2018