Montag, 13. September 2021

Vosoritid von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 26. August 2021 Vosoritid (Voxzogo, Biomarin) als Orphan Drug für die Behandlung von Achondroplasie bei Patienten ab dem 2. Lebensjahr zugelassen, bei denen die Epiphysen  noch nicht geschlossen sind. 

Vosoritid ist ein modifiziertes natriuretisches Peptid vom Typ C (CNP). Bei Patienten mit Achondroplasie wird das endochondrale Knochenwachstum aufgrund einer Gain-of-FunctionMutation im Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor 3 (FGFR3) negativ reguliert. Die Bindung von Vosoritid an den Rezeptor B für natriuretische Peptide (NPR-B) antagonisiert die nachgeschaltete FGFR3-Signalisierung durch Hemmung der extrazellulären signalregulierten Kinasen 1 und 2 (ERK1/2) im MAP-Kinase-Signalweg (MAPK) auf der Ebene des Serin/ThreoninKinase Rapidly-Accelerated-Fibrosarcoma (RAF-1). Infolgedessen wirkt  Vosoritid, wie CNP, als positiver Regulator des endochondralen Knochenwachstums, da es die Proliferation und Differenzierung von Chondrozyten fördert.

Wirksamkeit und Sicherheit von Vosoritid bei Patienten mit Achondroplasie mit bestätigter
FGFR3-Mutation wurden in einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten 52-wöchigen
Studie (ACH-Studie 111-301) beurteilt.

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Tafasitamab von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 26. August 2021 Tafasitamab (Minjuvi, Incyte) in Kombination mit  Lenalidomid gefolgt von einer Tafasitamab-Monotherapie für die Behandlung bei erwachsenen Patienten  mit rezidiviertem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom (diffuse large B-cell lymphoma, DLBCL) zugelassen, für die eine autologe Stammzelltransplantation (ASZT) nicht infrage kommt.

Tafasitamab ist ein Fc-verstärkter monoklonaler Antikörper, der gegen das CD19-Antigen auf der Oberfläche von Prä-B- und reifen B-Lymphozyten gerichtet ist.
Nach Bindung an CD19 vermittelt Tafasitamab B-Zell-Lyse durch:
• Bindung von Immun-Effektorzellen wie natürlichen Killerzellen, γδ-T-Zellen und Phagozyten
• direkte Induktion des Zelltods (Apoptose)
Die Fc-Modifikation führt zu einer verstärkten antikörperabhängigen zellulären Zytotoxizität und
antikörperabhängiger zellulärer Phagozytose. 
Tafasitamab plus Lenalidomid gefolgt von einer Tafasitamab-Monotherapie wurde in der L-MIND-Studie, einer offenen, multizentrischen, einarmigen Studie, untersucht.

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Bimekizumab von der EU-Kommisison zugelassen

Die EU-Kommission hat am 20. August 2021 Bimekizumab (Bimzelx, UCB) zur parenteralen Behandlung erwachsener Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis zugelassen, die für eine systemische Therapie infrage kommen. 

Bimekizumab ist ein humanisierter monoklonaler IgG1-Antikörper, der selektiv mit hoher Affinität an IL-17A-, IL-17F- und IL-17AF-Zytokine bindet und deren Wechselwirkung mit dem IL-17RA/IL17RC-Rezeptorkomplex blockiert. Erhöhte Konzentrationen von IL-17A und IL-17F wurden mit der Pathogenese von mehreren immunvermittelten entzündlichen Erkrankungen, einschließlich Plaque-Psoriasis in Verbindung gebracht. 

Bimekizumab hemmt diese proinflammatorischen Zytokine, was zu einer Normalisierung der entzündeten Haut und in der Folge zu einer Besserung der klinischen Symptome der Psoriasis führt. In In-vitro-Modellen zeigte Bimekizumab eine stärkere hemmende Wirkung auf die mit Psoriasis verbundene Genexpression und Zytokinproduktion im Vergleich zu einer alleinigen IL-17A vermittelten Hemmung.

Sicherheit und Wirksamkeit von Bimekizumab wurde bei 1.480 Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis in drei multizentrischen, randomisierten, Placebo- und/oder aktiv kontrollierten Phase-III-Studien beurteilt. 

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Info der EMA

Idecabtagen vicleucel von der EU-Kommisison zugelassen

Die EU-Kommission hat am 18. August 2021 Idecabtagen vicleucel  (Abecma, Celgen) bedingt für die  Behandlung des rezidivierten und refraktären multiplen Myeloms bei erwachsenen Patienten zugelassen, die mindestens drei vorausgegangene Therapien, einschließlich eines Immunmodulators, eines Proteasominhibitors und eines Anti-CD38-Antikörpers, erhalten und unter der letzten Therapie eine Krankheitsprogression gezeigt haben.

Idecabtagen vicleucel ist eine chimäre Antigenrezeptor (CAR)-positive T-Zelltherapie, die gegen das B- Zell-Reifungsantigen (BCMA) gerichtet ist. Dieses wird an der Oberfläche von normalen und malignen Plasmazellen exprimiert. Der CAR-Rezeptor enthält eine Anti-BCMA scFv-Domäne zur antigenspezifischen Erkennung, eine Transmembrandomäne, eine CD3-Zeta-T-Zell-Aktivierung-Domäne  und eine 4-1BB-kostimulatorische Domäne.
Die Antigen-spezifische Aktivierung von Idecabtagen vicleucel führt zu CAR-positiver T-Zell- proliferation, Zytokinsekretion und nachfolgender zytolytischer Abtötung von BCMA-exprimierenden Zellen.

Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden bislang in der offenen, einarmigen multizentrischen Studie KarMMa untersucht.

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Info der EMA



Donnerstag, 19. August 2021

Roxadustat von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 18. August 2021 Roxadustat (Evrenzo, Astellas) für die orale Behandlung erwachsener Patienten mit symptomatischer Anämie bei chronischer Nierenerkrankung zugelassen.

Roxadustat ist ein Hypoxie-induzierbarer-Faktor-Prolylhydroxylase-Inhibitor (HIF-PHI). Die Aktivität von HIF-PH-Enzymen steuert die intrazellulären Konzentrationen von HIF, einem Transkriptionsfaktor, der die Expression von an der Erythropoese beteiligten Genen reguliert. Die Aktivierung des HIF-Signalwegs ist wichtig bei der adaptiven Antwort auf eine Hypoxie, um die Produktion von Erythrozyten zu erhöhen. 

Über die reversible Inhibition von HIF-PH stimuliert Roxadustat eine koordinierte erythropoetische Antwort, die eine Steigerung der Konzentrationen von endogenem Erythropoetin (EPO) im Plasma, die Regulation von Eisentransporterproteinen und eine Verringerung der Hepcidin-Produktion (Hepcidin ist ein Eisenregulatorprotein, das während Entzündungen bei CKD erhöht ist) zur Folge hat. Dies führt zu einer erhöhten Bioverfügbarkeit von Eisen, einer erhöhten Hb-Produktion und einer Steigerung der Erythrozytenmasse.

Wirksamkeit und Sicherheit von Roxadustat wurden über mindestens 52 Wochen in einem weltweit durchgeführten Phase III-Studienprogramm untersucht, das aus 8 multizentrischen und randomisierten Studien mit nicht dialysepflichtigen (NDD)- und dialysepflichtigen (DD) CKDPatienten mit Anämie bestand.

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EPAR der EMA 

Montag, 16. August 2021

Odevixibat von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2021 Odevixibat (Bylvay, Albireo) als Orphan Drug für die orale Behandlung der progressiven familiären intrahepatischen Cholestase (PFIC) bei Patienten im Alter ab 6 Monaten zugelassen.


Odevixibat ist ein reversibler, starker, selektiver Inhibitor des ilealen Gallensäuretransporters (IBAT).
Es wirkt lokal im distalen Ileum und verringert die Wiederaufnahme der Gallensäuren, erhöht die Clearance der Gallensäuren über den Dickdarm und reduziert so die Gallensäurekonzentration im Serum. Das Ausmaß der Reduktion der Gallensäuren im Serum korreliert nicht mit der systemischen Pharmakokinetik.
Die Wirksamkeit von Odevixibat bei Patienten mit PFIC wurde in zwei Phase-III-Studien bewertet.

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Vericiguat von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2021 Vericiguat (Verquvo, Bayer) zur oralen Behandlung von symptomatischer, chronischer Herzinsuffizienz bei erwachsenen Patienten mit reduzierter  Auswurffraktion zugelassen, die nach einem kürzlich aufgetretenen Dekompensationsereignis, das eine i.v.-Therapie erforderte, stabilisiert wurden. 

Vericiguat ist ein Stimulator der löslichen Guanylatcyclase (sGC).

Herzinsuffizienz ist mit einer gestörten Synthese von Stickstoffmonoxid (NO) und einer verringerten Aktivität seines Rezeptors, sGC, assoziiert. Ein Mangel an zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP), das durch sGC gebildet wird, trägt zur myokardialen und vaskulären Funktionsstörung bei. 

Vericiguat beseitigt den relativen Mangel im NO-sGC-cGMP-Signalweg, indem es sGC direkt stimuliert, unabhängig von und in Synergie mit NO. Dadurch werden die intrazellulären cGMP-Spiegel erhöht, was sowohl die myokardiale als auch die vaskuläre Funktion verbessern kann. 

Die pharmakodynamischen Wirkungen von Vericiguat stimmen mit dem Wirkungsmechanismus eines sGC-Stimulators überein, der eine Relaxation der glatten Muskulatur und Vasodilatation zur Folge hat. 

Sicherheit und Wirksamkeit von Vericiguat wurden in einer randomisierten, placebokontrollierten, doppelblinden, ereignisgesteuerten, multizentrischen Parallelgruppenstudie (VICTORIA) untersucht, in der Vericiguat und Placebo bei 5.050 erwachsenen Patienten mit symptomatischer chronischer Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse II-IV) und einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) von unter 45 % nach einem Ereignis aufgrund einer sich verschlechternden Herzinsuffizienz verglichen worden ist.

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Info der EMA

Dienstag, 27. Juli 2021

Elivaldogen autotemcel von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat  am 16. Juli 2021 Elivaldogen autotemcel (Skysona, bluebird bio) als Orphan Drug für die Behandlung der frühen zerebralen Adrenoleukodystrophie bei Patienten unter 18 Jahren mit  einer ABCD1-Genmutation zugelassen, für die kein humanes Leukozyten-Antigen (HLA)-kompatibler Geschwisterspender hämatopoetischer Stammzellen (HSZ) zur Verfügung steht.

Elivaldogen autotemcel ist eine mit genetisch modifizierten autologen CD34+-Zellen angereicherte Population, die hämatopoetische Stammzellen (HSZ) enthält, die mit einem lentiviralen Vektor (LVV) ex vivo transduziert wurden, der eine ABCD1-komplementäre Desoxyribonukleinsäure (cDNA) des humanen Adrenoleukodystrophie-Proteins (ALDP) kodiert.

Elivaldogen autotemcelbringt funktionelle Kopien der ABCD1-cDNA in die HSZ der Patienten ein, indem autologe CD34+-Zellen mit Lenti-D-LVV transduziert werden. Nach der Infusion siedeln sich transduzierte CD34+-HSZ im Knochenmark an und differenzieren in verschiedene Zelltypen, darunter Monozyten (CD14+), die in das Gehirn wandern, wo sie vermutlich weiter in Makrophagen und zerebrale Mikroglia differenzieren, die funktionelles ALDP produzieren können. 

Das funktionelle ALDP kann dann den lokalen Abbau von überlangkettigen Fettsäuren (VLCFA) im  Gehirn ermöglichen, was durch Verhinderung weiterer Entzündung und Demyelinisierung wiederum die Erkrankung stabilisieren kann. Es ist jedoch nicht zu erwarten, dass die Behandlung mit Elivaldogen autotemcel andere Manifestationen der ALD, einschließlich der Nebenniereninsuffizienz, beeinflussen wird. Die Auswirkung der Behandlung mit Elivaldogen autotemcel auf die Adrenomyeloneuropathie  wurde nicht untersucht.

Es wird erwartet, dass die Expression von ALDP nach erfolgreichem Engraftment der genetisch modifizierten Zellen lebenslang anhält.

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EPAR der EMA

Relugolix von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2021 Relugolix in Kombination mit Estradiol und Norethisteronacetat (Ryeqo, Gedeon Richer) zur oralen Behandlung von Frauen im gebärfähigen Alter zur Behandlung mäßiger bis starker Symptome von Uterusmyomen zugelassen.

Relugolix ist ein nicht-peptidischer GnRH-Rezeptorantagonist, der an GnRH-Rezeptoren in der anterioren Hypophyse bindet und diese Rezeptoren hemmt. Beim Menschen führt die Hemmung der GnRH-Rezeptoren zu einer dosisabhängigen Abnahme der Freisetzung des luteinisierenden Hormons (LH) und des follikelstimulierenden Hormons (FSH) aus der anterioren Hypophyse. Infolgedessen ist die zirkulierende Konzentration von LH und FSH verringert. Die Verringerung der FSHKonzentration  verhindert das Follikelwachstum und die Follikelentwicklung und setzt dadurch die Bildung von Estrogen herab. Durch die Verhinderung eines LH-Anstiegs werden die Ovulation und die Entwicklung des Corpus luteum gehemmt, wodurch die Bildung von Progesteron verhindert wird. 

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EPAR der EMA

Dienstag, 20. Juli 2021

Tiranibulin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Juli 2021 Tiranibulin (Klisyri, Almirall) in Salbenform zur Feldtherapie nicht-hyperkeratotischer, nicht-hypertropher aktinischer Keratosen (Olsen-Grad I) im Gesicht oder auf der Kopfhaut bei Erwachsenen zugelassen.

Tirbanibulin schädigt die Mikrotubuli durch direkte Bindung an Tubulin, was eine Unterbrechung des Zellzyklus und apoptotischen Tod proliferierender Zellen induziert, und mit einer Unterbrechung des Src-Tyrosinkinase-Signalwegs assoziiert ist.

Wirksamkeit und Sicherheit von Tiranibulin-Salbe bei Anwendung im Gesicht oder auf der Kopfhaut wurden über einen Zeitraum von 5 aufeinanderfolgenden Tagen in zwei randomisierten, doppelblinden, Vehikel-kontrollierten Phase-III-Studien (KX01-AK-003 und KX01-AK004) mit 702 erwachsenen  Patienten untersucht (353 Patienten wurden mit Tirbanibulin und 349 mit dem Vehikel behandelt). 

Quelle