Freitag, 21. September 2018

Cabozantinib, Elebrato Ellipta, Enzalutamid, Fingolimod, Tocilizumab, Venetoclax: EMA empfiehlt Zulassungserweiterung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, die Zulassung von Cabozantinib, Elebrato Ellipta, Enzalutamid, Fingolimod, Tocilizumab, Venetoclax zu erweitern.


  • Cabozantinib (Cabometyx, Ipsen) soll künftig auch als Monotherapie zur Behandlung von Erwachsenen mit hepatozellulärem Karzinom nach Vorbehandlung mit Sorafenib eingesetzt werden können.
  • Enzalutamid (Xtandi, Astellas) soll künftig bei Erwachsenen mit nicht metastasiertem, kastrationsresistenem Hochrisiko-Prostatakarzinom eingesetzt werden können.
  • Fingolimod (Gilenya, Novartis) soll künftig bei Kindern ab einem Alter von 10 Jahren eingesetzt werden können.
  • Fluticasonfuroat/Umeclidinium/Vilanterolfluticasone (Elebrato Ellipta, Trelegy Ellipta, GSK) soll künftig auch bei nicht ausreichender Wirkung einer LABA/LAMA-Kombination sowie zur Prävention von Exazerbationen eingesetzt werden können.
  • Tocilizumab (Roactemra, Roche) soll künftig für die Behandlung der sJIA bei Patienten ab einem Jahr eingesetzt werden können, die auf eine Therapie mit NSAR und Glucocorticoiden nicht ausreichend angesprochen haben. Es kann in Kombination mit Methotrexat oder bei MTX-Unverträglichkeit in Monotherapie verwendet werden.
  • Venetoclax (Venclyxto, Abbvie) ist künftig in Kombination mit Rituximab für die Behandlung von Erwachsenen mit CLL zugelassen, die mindestens eine Therapielinie erhalten haben. Die Monotherapie ist angezeigt bei Patienten
    - die eine 17p-Deletion oder TP53-Mutation aufweisen und die für eine Behandlung mit einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs nicht geeignet sind oder ein Therapieversagen zeigten.
    - ohne Vorliegen einer 17p-Deletion oder TP53-Mutation, bei denen sowohl unter einer Chemo-Immuntherapie als auch unter einem Inhibitor des B-Zell-Rezeptor-Signalwegs ein Therapieversagen auftrat

 
Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Meropenem/Vaborbactam von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Meropenem/Vaborbactam (Vabomere, Rempex) für die Behandlung von Erwachsenen mit komplizierten Harnwegsinfektionen einschließlich Pyelonephritis, komplizierten intraabdominalen Infektionen und nosokomial erworbenen Pneumonien einschließlich Beatmungs-assoziierter Pneumonie zuzulassen.
Außerdem soll es bei erwachsenen Patienten eingesetzt werden können, die an einer Infektion mit gramnegativen Erregern mit begrenzten Therapiemöglichkeiten erkrankt sind.

Das Carbapenem Meropenem ist seit vielen Jahren im Handel, Vaborbactam ist ein neuer nicht suizidal wirkender Beta-Lactamasehemmer, der unter anderem Klebsiella-pneumoniae-Carbapenemasen hemmt.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Mogalizumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Mogalizumab (Poteligeo, Kyowa Kirin) als Orphan Drug für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit Mycosis fungoides (MF) oder Sézary-Syndrom zuzulassen, die mindestens eine systemische Therapie erhalten haben.

Mogalizumab ist ein monoklonaler Antikörper, der selektiv an Chemokin-Rezeptor 4(CCR4) bindet, der auf der Oberfläche einige Krebszellen einschließlich T-Zellen bei T-Zell-Malignitäten, wie MF oder SS, gebildet wird.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Voretigen Neparvovec von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Voretigen Neparvovec (Luxturna, Spark Therapeutics) zur parenteralen Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit Sehverlust aufgrund einer erblichen retinalen Dystrophie verursacht durch biallele RPE65-Mutationen zuzulassen, wenn ausreichend empfindliche Retinazellen vorhanden sind.

Voretigen Neparvovec  ist ein Gentransfer-Vektor, der das mutierte Gen in den den Retinazellen ersetzen soll. Es wird einmal in die Retina injiziert. Bislang ist die Gentherapie bei 41 Patienten untersucht worden.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Damoctocog alfa pegol von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Damoctocog alfa pegol (Jivi, Bayer) zur parenteralen Prophylaxe und Therapie von Blutungen bei Patienten ab 12 Jahren mit Hämophilie A zuzulassen.

Damoctocog alfa pegol ist ein rekombinanter pegylierter Faktor VIII. 
Die Zulassungsempfehlung basiert auf Ergebnissen der Phase II/III-Studie PROTECT-VIII, in der Prophylaxe, Bedarfsbehandlung und perioperative Behandlung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit schwerer Hämophilie A untersucht wurden.
In der randomisierten Studie hatten 74 Prozent der Patienten, die einmal wöchentlich mit Damoctocog alfa pegol behandelt wurden sowie alle Patienten (100 Prozent), die alle fünf Tage behandelt wurden, einen guten Schutz vor Blutungen. Die Patienten mit einmal wöchentlicher Dosierung hatten eine mittlere jährliche Blutungsrate (annualized bleeding rate, ABR) von 0,96; die Hälfte dieser Patienten hatte keine Blutungen. Die Behandlung mit Damoctocog alfa pegol wurde im Allgemeinen gut vertragen.
Das positive Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil der Hauptstudie wurde in der PROTECT-Verlängerungsstudie über fünf Jahre bestätigt. In der PROTECT-VIII-Verlängerungsstudie sank die Gesamt-ABR im Vergleich zur Hauptstudie im Laufe der Zeit weiter. Kein Patient entwickelte FVIII-Inhibitoren, und das Sicherheitsprofil blieb vorteilhaft.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018
Pressemitteilung der BAYER AG vom 21.9.2018

Galcanezumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Galcanezumab (Emgality, Lilly) zur parenteralen Prophylaxe der Migräne bei Erwachsenen zuzulassen, die an mindestens 4 Migränetagen pro Monat leiden.

Galcanezumb ist wie Erenumab ein monoklonaler Antikörper, der zur Prävention der Migräne eingesetzt werden kann. ER bindet selektiv an den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related-Peptide (CGRP). CGRP wirkt als proinflammatorisches Neuropeptid stark gefäßerweiternd und ist damit zentral an der Schmerzauslösung sowie der neurogenen Entzündung beteiligt. Da Patienten während akuter Migräneattacken erhöhte CGRP-Spiegel aufweisen, dürfte  CGRP eine entscheidende Rolle bei der Vermittlung des Migräne-Schmerzes zukommen. Die intravenöse Infusion von CGRP löst bei Patienten migräneähnliche Kopfschmerzen aus.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Doravirin und Doravirin/Lamivudin/Tenofovir disoproxil von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Doravirin (Pifeltro, MSD) sowie Doravirin/Lamivudin/Tenofovir disoproxil (Delstrigo, MSD) für die orale Behandlungvon Erwachsenen mit HIV-Infektion zuzulassen, die keine Resistenz gegen NNRTI wie Lamivudin oder Tenofovir aufweisen.


Doravirin ist eine neuer NNRTI.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Brigatinib von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom September 2018 empfohlen, Brigatinib (Alunbrig, Takeda) zur oralen Monotherapie erwachsener Patienten mit ALK-positivem fortgeschrittenen NSCLC zuzulassen, die zuvor mit Crizotinib behandelt worden sind.

Brigatinib ist ein Kinasehemmer, der die Autophosphorylierung der ALK (anaplastischen Lymphomkinase), die ALK-vermittelte Phosphorylierung weiterer Proteine und die Proliferation von ALK-abhängigen Krebszellen hemmt. Es kann auch bei Patienten, die auf den ALK-Hemmer Crizotinib refraktär sind, ein Ansprechen hervorrufen.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 20. September 2018

Montag, 10. September 2018

Vonicog alfa von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. September 2018 Vonicog alfa (Veyvondi, Baxalta Innovations GmbH) als Orphand Drug für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit von-Willebrand-Erkrankung zugelassen, wenn Desmopressin allein nicht wirksam oder nicht angezeigt ist, für die Behandlung von Blutungen und Operaionsblutungen sowie für die Prävention von Operations-bedingten Blutungen. Vonicog alfa sollte nicht zur Behandlung der Hämophilie A verwendet werden.

Vonicog alfa ist eine rekombinanter humaner von-Willebrand-Faktor, der die Plättchenanheftung an das Endothel bei Gefäßverletzungen wieder herstellen kann und der einen Faktor-VIII-Mangel ausgleichen kann.
Die klinischen Sicherheits-, Wirksamkeits- und PK-Daten wurden in 3 abgeschlossenen Studien (070701, 071001 und 071101) mit Patienten mit VWS ausgewertet. Insgesamt wurden 92 einzelne Patienten (80 einzelne Patienten mit VWS in den Studien 070701, 071001 und 071101 und 12 Patienten mit Hämophilie A in der Studie 071104) in der klinischen Entwicklungsphase mit
Vonicog alfa behandelt.

Quelle
EPAR der EMA

Neratinib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 3. September 2018 Neratinib (Nerlynx, Puma Biotech) für die erweiterte adjuvante orale Therapie von Erwachsenen mit frühem Hormonrezeptor-positivem und HER2-positivem Mammakarzinom im frühen Stadium zugelassen, bei denen vor weniger als einem Jahr eine Trastuzumab-basierte Behandlung durchgeführt worden war.

Neratinib ist ein irreversibler Tyrosinkinasehemmer (TKI) des viralen Onkogen-Homologs der Erythroblastenleukämie (ERBB), der die Signaltransduktion des Mitogen-Wachstumsfaktors durch kovalente Bindung mit hoher Affinität an der ATP-Bindungsstelle von 3 epidermalen Wachstumsfaktorrezeptoren (EGFRs) blockiert: EGFR (codiert als ERBB1), HER2 (codiert als ERBB2) und HER4 (codiert als ERBB4) oder ihre aktiven Heterodimere mit HER3 (codiert als ERBB3). Dadurch wird eine nachhaltige Hemmung dieser wachstumsfördernden Pfade bei Brustkrebs mit HER2-Amplifizierung oder -Überexpression oder HER2-Mutation erreicht. Neratinib bindet sich an den HER2-Rezeptor, verringert die EGFR- und HER2-Autophosphorylierung der nachgelagerten MAPK- und AKT-Signalpfade und hemmt stark die Tumorzellproliferation in vitro.

Quelle
EPAR der EMA