Dienstag, 12. Januar 2021

Baloxavir marboxil von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 11. Januar 2021 Baloxavir marboxil (Xofluza, Roche) als orale Einzeldosis für die Behandlung von Patienten ab 12 Jahren mit einer unkomplizierten Influenza zugelassen, die weniger als 48 Stunden symptomatisch sind. Darüber hinaus wurde Baloxavir marboxil als Postexpositionsprophylaxe nach Kontakt zu Influenzapatienten bei Personen ab 12 Jahren zugelassen.

Baloxavir marboxil ist gehört zu einer neuen antiviralen Substanzklasse, den Cap-abhängigen Endonuklease-Hemmern. Aufgrund des Wirkungsmechanismus hemmt Baloxavir marboxil das Virus vor der Vermehrung im Patienten und ist außerdem zielgerichtet gegen Oseltamivir-resistente Stämme und Stämme der Vogelgrippe wirksam (z. B. H7N9, H5N1). 

Die Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Phase-III-Studien CAPSTONE-I, CAPSTONE-II und BLOCKSTONE. Die antivirale Substanz wurde bei ansonsten gesunden Personen ab 12 Jahren (CAPSTONE-I) sowie bei Risikopatienten (CAPSTONE-II) gegen Placebo oder gegen die bisherige Standardtherapie Oseltamivir verglichen. In beiden Patientenpopulationen zeigte Baloxavir marboxil eine signifikante Verkürzung der Symptomdauer gegenüber Placebo. Neben der effektiven Bekämpfung der Viruslast zeichnet sich Baloxavir marboxil auch durch weniger unerwünschte Ereignisse gegenüber der bisherigen Standardtherapie mit Oseltamivir aus. In der placebokontrollierten Studie zur Postexpositionsprophylaxe (BLOCKSTONE) war die Wahrscheinlichkeit, nach Kontakt mit einem Influenza-Infizierten selbst an Influenza zu erkranken, um 86 % geringer (1,9 % gegenüber 13,6 %, p < 0,0001).



Mittwoch, 6. Januar 2021

COVID-19-Impfstoff von Moderna zur Zulassung empfohlen und von der EU-Kommission zugelassen

 Die EMA hat am 6. Januar 2021 den COVID-19-Impfstoff von Moderna bedingt zur Zulassung empfohlen. Die EU-Kommission hat den Impfstoff am gleichen Tag. zugelassen. Mehr unter 

https://www.ema.europa.eu/en/news/ema-recommends-covid-19-vaccine-moderna-authorisation-eu

https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/covid-19-vaccine-moderna-product-information_en.pdf



Dienstag, 29. Dezember 2020

Brexucabtagen autoleucel von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 14. Dezember 2020 Brexucabtagen autoleucel (Tecartus, Kite Pharma) bedingt für die Therapie von Erwachsenen mit Mantelzell-Lymphom (MCL) zugelassen, wenn sich ein Rezidiv ankündigt oder wenn die Patienten nach zwei oder mehr systemischen Therapien kein Ansprechen zeigen.

Brexucabtagen autoleucel (Tecartus) ist das nach Tisagenlecleucel (Kymriah) und Axicabtagen ciloleucel (Yescarta) das dritte CAR-T-Zell-Medikament, das in der EU zugelassen werden soll. Es enthält autologe anti-CD19-transduzierte CD3+-Zellen. Es stammt ebenso wie Yescarta von Kite Pharma, einer Gilead-Tochter. 

Zur Herstellung wird dem Patienten Blut entnommen, aus dem die T-Zellen angereichert werden. Diese werden dann gentechnisch so verändert, dass sie einen chimären Antigenrezeptor (CAR-T) enthalten, mit dessen Hilfe die T-Zellen die Lymphomzellen erkennen und eliminieren können. Diese modifizierten Immunzellen werden dann dem Patienten wieder infundiert.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Brexucabtagen autoleucel wurde in einer multizentrischen klinischen Studie (ZUMA-2) an erwachsenen Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem MCL untersucht. 74 Patienten erhielten Brexucabtagen autoleucel mit einer zwölfmonatigen Nachbeobachtung; sie zeigten eine objektive Ansprechrate (ORR) von 84% und ein vollständiges Ansprechen von 59%.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren ein Zytokin-Release-Syndrom (CRS) mit hohem Fieber und grippeähnlichen Symptome, Infektionen und Enzephalopathien. Die Folgen eines CRS können lebensbedrohlich sein. 

Quelle:

Dienstag, 22. Dezember 2020

Fenfluramin von der EU-Kommission für die Behandlung von Krampfanfällen zugelassen

Die EU-Kommission hat am 18. Dezember 2020 Fenfluramin (Fintepla® Zogenix ROI Ltd.) als Lösung zum Einnehmen bei Patienten ab einem Alter von 2 Jahren zur Behandlung von Krampfanfällen im Zusammenhang mit dem Dravet-Syndrom als Zusatztherapie zu anderen Antiepileptika zugelassen.

Der Appetitzügler Fenfluramin war 1997 wegen kardiovaskulärer Nebenwirkungen aus dem Handel gezogen worden. Fenfluramin wirkt als Serotonin-Releaser.  Fenfluramin kann Krampfanfälle reduzieren, indem es als Agonist an bestimmten Serotoninrezeptoren im Gehirn, einschließlich der Rezeptoren 5-HT1D, 5-HT2A, und 5-HT2C, sowie am Sigma-1-Rezeptor wirkt. Der genaue Wirkmechanismus von Fenfluramin beim Dravet-Syndrom ist nicht bekannt. 

Das Dravet-Syndrom ist eine seltene angeborene epileptische Enzephalopathie mit häufigen Krampfanfällen ab der frühen Kindheit, die mit schweren neurologischen und kognitiven Störungen einhergeht. 

In einer doppelblinden, placebokontrollierten randomisierten, multizentrischen Phase-3-Studie erwies sich Fenfluramin in der Reduktion der monatlichen Anfallsrate bei DRAVET-Patienten im Vergleich zu Placebo als signifikant besser. 

Quelle

EPAR der EMA


Montag, 21. Dezember 2020

Comirnaty von der EMA zur Zulassung empfohlen und von der EU-Kommision zugelassen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom 21. Dezember empfohlen, die COVID-19-mRNA-Vakzine Comirnaty bedingt für die Prävention von COVID-19 bei Personen ab 16 Jahren zuzulassen. Die EU-Kommission hat den Impfstoff am 21. Dezember 2020 zugelassen.

Cabotegravir von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 17. Dezember 2020 den Integrasehemmer Cabotegravir (Vocabria®) zusammen mit dem NNRTI Rilpivirin (Rekambys®) jeweils in parenteraler Form zur Behandlung der Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus Typ 1 (HIV-1) bei Erwachsenen zugelassen, wenn diese erfolgreich mit einem stabilen antiretroviralen Regime (HIV-1-RNA <50 Kopien/ml) behandelt worden sind. 

Beide Medikamente werden monatlich oder alle zwei Monate intramuskulär injiziert. Zusammen bilden sie eine neue langwirksame antiretrovirale Therapie.  

Rilpivirin stammt ursprünglich von der Firma Janssen und ist nun auch als langwirksame Formulierung verfügbar. Der neue Integrasehemmer Cabotegravir kommt von ViiV Healthcare. 

Die häufigsten Nebenwirkungen waren Reaktionen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Pyrexie, Übelkeit, Müdigkeit, Asthenie, Myalgie und Schwindel.

Alle zwei Monate injiziertes Cabotegravir wird derzeit auch zur HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) untersucht.

Quelle:

Info der EMA

Brexucabtagen autoleucel von der EMA zur Zulassung empfohlen

 Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2020 empfohlen, Brexucabtagen autoleucel (Tecartus) bedingt für die Therapie von Erwachsenen mit Mantelzell-Lymphom (MCL) zuzulassen werden, wenn sich ein Rezidiv ankündigt oder wenn die Patienten nach zwei oder mehr systemischen Therapien kein Ansprechen zeigen.

Brexucabtagen autoleucel (Tecartus) ist das nach Tisagenlecleucel (Kymriah) und Axicabtagen ciloleucel (Yescarta) das dritte CAR-T-Zell-Medikament, das in der EU zugelassen werden soll. Es enthält autologe anti-CD19-transduzierte CD3+-Zellen. Es stammt ebenso wie Yescarta von Kite Pharma, einer Gilead-Tochter. 

Zur Herstellung wird dem Patienten Blut entnommen, aus dem die T-Zellen angereichert werden. Diese werden dann gentechnisch so verändert, dass sie einen chimären Antigenrezeptor (CAR-T) enthalten, mit dessen Hilfe die T-Zellen die Lymphomzellen erkennen und eliminieren können. Diese modifizierten Immunzellen werden dann dem Patienten wieder infundiert.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Brexucabtagen autoleucel wurde in einer multizentrischen klinischen Studie an erwachsenen Patienten mit refraktärem oder rezidiviertem MCL untersucht. 74 Patienten erhielten Brexucabtagen autoleucel mit einer zwölfmonatigen Nachbeobachtung; sie zeigten eine objektive Ansprechrate (ORR) von 84% und ein vollständiges Ansprechen von 59%.

Die häufigsten Nebenwirkungen waren ein Zytokin-Release-Syndrom (CRS) mit hohem Fieber und grippeähnlichen Symptome, Infektionen und Enzephalopathien. Die Folgen eines CRS können lebensbedrohlich sein. 

Quelle:

Mitteilung der EMA vom 16. Oktober 2020

Palforzia von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 17.Dezember 2020 entfettetes Pulver von Arachis hypogaea L - Palforzia (aimunne Therapeutics, Irland) zur oralen Behandlung von Patienten im Alter von 4 bis 17 Jahren mit bestätigter Diagnose einer Erdnussallergie zugelassen . Die Anwendung kann bei Patienten, die 18 Jahre und älter sind, fortgeführt werden. Die Anwendung hat in Verbindung mit einer erdnussfreien Ernährung zu erfolgen 

Damit wurde erstmals in der EU ein Allergen-Immuntherapeutikums zugelassen, das erfolgreich das zentrale europäische Zulassungsverfahren durchlaufen hat. 

Der genaue Mechanismus der Desensibilisierung durch entfettetes Pulver von Arachis hypogaea L., Samen (Erdnüsse) Samen ist nicht vollständig bekannt. 

Die orale Immuntherapie hat zum Ziel, die überreaktive Immunitätslage des Immunsystems der Patientinnen und Patienten zu modifizieren. Durch eine schrittweise Steigerung der Allergenaufnahme verträgt das Immunsystem nach und nach mehr Erdnussallergen. Somit sinkt die Wahrscheinlichkeit, bei unbeabsichtigter Aufnahme von Erdnuss mit schweren Symptomen zu reagieren.

Wirksamkeit und Verträglichkeit des Erdnusspulvers wurden u.a. in den Phase-3-Studien PALISADE und ARTEMIS nachgewiesen. 

Häufigste unerwünschte Wirkungen waren Bauchschmerzen, Kehlkopfkratzen, Juckreiz, Übelkeit, Erbrechen, Urtikaria und oraler Pruritus.

Quelle

Info der EMA


Libmeldy von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 17. Dezember 2020 die Gentherapie Libmeldy (Orchard Therapeutics)zur Anwendung bei Kindern mit der späten infantilen oder der frühen juvenilen Form der metachromatischen Leukodystrophie (MLD) zugelassen. Diese Kinder sind Träger des defekten Gens, haben allerdings noch keine Symptome entwickelt. Zudem ist Libmeldy auch bei Kindern angezeigt, bei denen die frühkindliche Form diagnostiziert wurde und die zwar bereits Symptome zeigen, aber noch selbständig gehen können und keine kognitiven Defekte erkennen lassen. 
Die metachromatische Leukodystrophie (MLD) ist eine seltene neurodegenerative Erbkrankheit, bei der es zur Anhäufung von sulfatierten Glykosphingolipiden, besonders Sulfogalaktosyl-Ceramiden oder Sulfogalakto-Cerebrosiden im Nervensystem und in den Nieren kommt. Die MLD wird autosomal-rezessiv vererbt. Ursache ist ein Defekt im Stoffwechsel von Cerebrosidsulfat. Meist besteht ein Defekt der Arylsulfatase A (ARSA). 

Bei der spät-infantilen Form der MLD ist die Aktivität der Arylsulfatase A sehr niedrig oder fehlt ganz. Auch bei der juvenilen Form bestehen Enzymmangel und Sulfatidurie, aber weniger stark ausgeprägt als bei der infantilen Form. Bei der adulten Form wird eine größere Restaktivität des Enzyms gefunden.

Die durch die Anhäufung der sulfatierten Glykosphingolipide verursachten Schädigungen führen zum fortschreitenden Verlust der motorischen und kognitiven Fähigkeiten und letztlich zum Tod. Gegenwärtig gibt es keine Heilung für eine MLD. 

Libmeldy ist als einmalige Gentherapie konzipiert, die in Zusammenarbeit von Orchard Therapeutics mit dem San Raffaele-Telethon Institut für Gentherapie (SR-Tiget) in Mailand, Italien, entwickelt worden ist. 

Aus Knochenmark oder Blut gewonnene CD34-positive hämatopoetische Stammzellen (HSC) und Progenitorzellen des Patienten werden modifiziert, in dem mit Hilfe eines lentiviralen Vektors Kopien des ARSA-Gens in das Genom der HSC eingefügt werden. Diese modifizierten Zellen werden dem Patienten wieder einmalig infundiert und sie können dann Arylsulfatase A produzieren. 

Klinische Studien zeigten, dass Libmeldy bei Patienten, bei denen noch keine Symptome aufgetreten waren, am wirksamsten war. Nach Gabe der Gentherapie blieben ihre kognitiven und motorischen Funktionen erhalten und waren mit der von gesunden Personen während des Beobachtungszeitraums vergleichbar. Bei Patienten mit der frühen jugendlichen Form der MLD, die bereits bei der ersten Gabe von Libmeldy Symptome zeigten, waren die Wirkungen weniger ausgeprägt.

Quelle:

Info der EMA


Freitag, 18. Dezember 2020

Inclisiran von der EU-Kommission zugelassen

 Die EU-Kommission hat am 9. Dezember 2020 Inclisiran (Leqvio) zur subkutanen Behandlung von Erwachsenen mit primärer Hypercholesterolämie (heterozygot familiär und nichtfamiliär) oder gemischter Dyslipidämie zusätzlich zu diätetischer Therapie zugelassen, und zwar entweder in Kombination mit einem Statin oder einem Statin mit anderen lipidsenkenden Therapien bei Patienten, die mit der maximal tolerierbaren Statin-Dosis die LDL-Cholesterol-Ziele nicht erreichen, oder allein oder in Kombination mit anderen lipidsenkenden Therapien bei Patienten mit Statinintoleranz oder für welche ein Statin kontraindiziert ist.

Inclisiran ist eine cholesterolsenkende doppelsträngige kleine interferierende Ribonucleinsäure (small interfering ribonucleic acid, siRNA), die am Sense-Strang mit dreiantenningem N-Acetylgalactosamin (GalNAc) konjugiert ist. Diese Kohlenhydrate binden an von der Leber exprimierte Asialoglykoprotein-Rezeptoren, hierdurch wird Inclisiran spezifisch in die Leberzellen aufgenommen. Dort bindet Inclisiran an den RNA-induzierten Silencing Complex (RISC). Hierdurch werden Messenger-RNA-Moleküle, die für PCSK9 (Proprotein Convertase Subtilisin/Kexin Typ 9) kodieren, abgespalten und abgebaut. Somit stehen sie für die Protein-Translation nicht mehr zur Verfügung, der PCSK9-Spiegel sinkt. In der Folge sinkt der LDL-Cholesterol-Spiegel. Inclisiran hat damit einen ähnlichen Angriffspunkt wie die PCSK9-Inhibitoren Evolocumab (Repatha®) und Alirocumab (Praluent®).

Klinisch geprüft wurde und wird Inclisiran im ORION-Programm. 

Quelle

EPAR der EMA