Dienstag, 21. Januar 2020

Polatuzumab Vedotin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Januar 2020 Polatuzumab Vedotin (Polivy, Roche) in Kombination mit Bendamustin und Rituximab bedingt für die parenterale Behandlung von erwachsenen Patienten mit rezidiviertem/refraktärer diffusem großen B-Zell-Lymphom zuzulassen, wenn sie keine Kandidaten für eine Stammzelltransplantation sind.

Polatuzumab Vedotin ist ein Antikörper-Konjugat, in dem der gegen CD79b gerichtete Antikörper Polatuzumuab mit dem Antimitotikum Monomethylauristatin E (MMAE) konjugiert ist. Nach Bindung an den CD79b-Rezeptor wird MMAE an die B-Zellen abgegeben und kann dort seine toxische Wirkung entfalten.
Daten der Phase Ib/II GO29365 belegen für diese Patientengruppe erstmals einen
signifikanten und klinisch relevanten Überlebensvorteil.

Siponimod von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 13. Januar 2020 Siponimod (Mayzent, Novartis) für die orale Behandlung von erwachsenen Patienten mit sekundär progredienter multipler Sklerose (SPMS) mit Krankheitsaktivität, nachgewiesen durch Schübe oder Bildgebung der entzündlichen Aktivität, zugelassen.

Siponimod ist wie Fingolimod ein Sphingosin-1-phosphat(SIP)-Rezeptormodulator, es bindet selektiv an zwei der fünf S1P-Rezeptoren, nämlich S1P1 und S1P5. Siponimod wirkt als funktioneller Antagonist an S1P1-Rezeptoren auf Lymphozyten und verhindert so deren Auswanderung aus den Lymphknoten. Dadurch wird die Rezirkulation von T-Zellen in das zentrale Nervensystem verringert und die zentrale Entzündung begrenzt.
Siponimod kann auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden und an den S1P5-Rezeptor auf Oligodendrozyten und Astrozyten binden. Fingolimod bindet dagegen auch an S1P3-Rezeptoren am Herzen und hat deshalb vermutlich kardiologische unerwünschte Wirkungen. Diese sollen bei Siponimod aufgrund der spezifischen Wirkung nicht auftreten.
Wirksamkeit und Verträglichkeit von Siponimod bei der SPMS wurden in der randomisierten, doppelblinden, plazebokontrollierten Phase-III-Studie EXPAND nachgewiesen, die 2018 im Lancet publiziert worden ist.

Quelle
EPAR der EMA

Montag, 13. Januar 2020

Osilodrostat von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 9. Januar 2020 Osilodrostat (Isturisa, Novartis) für die orale Behandlung von erwachsenen Patienten endogenem Cushing-Syndrom zugelassen.

Osilodrostat hemmt das Enzym 11-Beta-Hydroxylase, das für den letzten Schritt bei der Cortisol-Biosynthese zuständig ist. Es kann erhöhte Cortisol-Spiegel kontrollieren oder normalisieren.
Damit wirkt Osilodrostat ähnlich, wie der Steroid-11-Beta-Hydroxylasehemmer Metyrapon (Metopiron®, HRA Pharma), der vor allem zu diagnostischen Zwecken eingesetzt wird. Osilodrostat hat jedoch mit etwa 4 bis 5 Stunden eine längere Halbwertszeit, was eine zweimal tägliche Gabe ermöglicht. Zudem hemmt es die 11-Beta-Hydroxylase stärker.
Im Juli 2019 hat Recordati von Novartis die weltweiten Rechte an Osilodrostat und an dem Somatostatinanalogon Pasireotid (Signifor) gekauft, das ebenfalls zur Behandlung des Cushing-Syndroms eingesetzt wird.

Quelle 

Fostamatinib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 9. Januar 220 Fostamatinib (Tavlesse, Rigel) für die orale Behandlung von Erwachsenen mit chronischer Immunthrombozytopenie (ITP) zugelassen, die auf andere Behandlungen therapieresistent sind.


Fostamatinib bzw. sein Hauptmetabolit R406 ist ein Tyrosinkinase-Inhibitor, der in der Milz wirkt (SYK) und die Signaltransduktion von B-Zell- und Fc-aktivierenden Rezeptoren hemmt. Es verringert die Antikörper-vermittelte Zerstörung von Thrombozyten.
Wirksamkeit und Verträglichkeit von Fostamatinib wurden in zwei multizentrischen randomisierten doppelblinden Studien (FIT1 und FIT2) bei 150 Patienten mit persistierender und chronischer IPT im Vergleich zu Plazebo nachgewiesen.

Quelle

Freitag, 20. Dezember 2019

Delafloxacin von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Dezember 2019 Delafloxacin (Quofenix, Menarini) zur parenteralen und oralen Behandlung von akuten bakteriellen Infektionen der  Haut und der Weichgewebe bei Erwachsenen zugelassen, wenn andere allgemein empfohlene Antibiotika nicht eingesetzt werden können.

Delafloxacin ist ein Fluorchinolon, es hemmt die bakterielle Topoisomerase IV und DNS-Gyrase (Topoisomerase II). Diese Enzyme werden für die bakterielle Replikation, Transkription, Reparatur und Rekombination der DNS benötigt. Es wirkt gegen grampositive und gramnegative Mikroorganismen, z. b. Staphylokokken, Streptokokken, Enterokokken, E. coli, Enterobacter, Klebsiellen, Proteus mirabilis und Pseudomonas aeruginosa.

Quelle
EPAR der EMA

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Esketamin: Zulassung von der EU-Kommisison erweitert

Die EU-Kommission hat die Zulassung von Esketamin erweitert, es kann als Spravato in Kombination mit einem SSRI oder SNRI zur Behandlung von Erwachsenen mit therapieresistenter Major Depression eingesetzt werden können, die auf mindestens zwei unterschiedliche Antidepressiva bei der aktuellen Depressionsepisode nicht angesprochen haben. Spravato wird als Nasenspray appliziert.
Esketamin wird auch als Injektionsanästhetikum eingesetzt.

Quelle
EPAR der EMA

Upadacitinib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Dezember 2019 Upadacitinib (Rinvoq, Abbvie) für die orale Behandlung der mäßig schweren bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen zugelassen, die nicht ausreichend auf eines oder mehrere DMARDs ansprechen oder diese nicht vertragen. Upadacitinib kann in Monotherapie oder in Kombination mit Methotrexat eingesetzt werden.

Upadacitinib ist ein selektiver und reversibler Januskinase(JAK)-Inhibitor. In humanzellbasierten Assays inhibiert Upadacitinib bevorzugt JAK1- oder JAK1/3-Signalwege im Vergleich zu anderen Zytokin-Signalwegen, die über JAK2-Paare vermittelt werden.
Wirksamkeit und Sicherheit von Upadacitinib 15 mg einmal täglich wurde in fünf randomisierten, doppelblinden, multizentrischen Phase-III-Studien  (SELECT-Programm) bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer aktiver rheumatoider Arthritis, die die ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2010 erfüllten, untersucht.

Quelle
EPAR der EMA

Nasal applizierbares Glucagon von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 16. Dezember 2019 nasal applizierbares Glucagon (Baqsimi, Lilly) zur Behandlung der schweren Hypoglykämie bei Erwachsenen und Kindern ab 4 Jahren zugelassen. Damit steht erstmals eine nicht injizierbare Glucagonzubereitung zur Verfügung.
Baqsimi enthält das Nasenpulver mit 3 mg Glucagon in Einzeldosisbehältnissen. Glucacon wird durch die Nasenschleimhaut passiv resorbiert.
Glucagon erhöht die Blutglucosekonzentration durch Aktivierung der Glucagon-Rezeptoren in der Leber, wodurch ein Glykogenabbau und eine Glucose-Freisetzung durch die Leber stimuliert wird. Hepatische Glykogenspeicher sind notwendig, damit Glucagon einen anti-hypoglykämischen Effekt erzielen kann.

Quelle
EPAR der EMA

Freitag, 13. Dezember 2019

Apalutamid, Bedaquilin, Daratumumab, Fidaxomicin, Fosnetupitant/Palonosetron, Ramucirumab, Tafamidis, Ustekinumab: EMA empfiehlt Zulassungserweiterung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Dezember 2019 empfohlen, die Zulassung von Apalutamid, Bedaquilin, Daratumumab, Fidaxomicin, Fosnetupitant/Palonosetron, Ramucirumab, Tafamidis, Ustekinumab zu erweitern.


  • Apalutamid (Erleada, Janssen) soll künftig bei Männern mit metastasiertem hormonsensitivem Prostatakarzinom in Kombination mit einer Androgendeprivation eingesetzt werden können.
  • Bedaquilin (Sirturo, Janssen) soll künftig schon bei Patienten ab einem Alter von 12 Jahren und einem Körpergewicht von mindestens 30 kg eingesetzt werden können.
  • Daratumumab (Darzalex, (Janssen) soll künftig in Kombination mit Bortezomib, Thalidomid und Dexamethason für die Behandlung von Erwachsenen mit neu diagnostiziertem multiplem Myelom eingesetzt werden können, die für eine Stammzelltransplantation vorgesehen sind.
  • Fidaxomicin (Dificlir, Astellas) soll künftig als Filmtabletten schon bei Kindern ab einem Körpergewicht von 12,5 kg für die Behandlung von Clostridioides-difficile-Infektionen eingesetzt werden können.
  • Fosnetupitant/Palonosetron (Akynzeo, Helsinn) soll künftig als Infusionslösung zu Verfügung stehen.
  • Ramucirumab (Cyramza, Lilly) soll künftig in Kombination mit Erlotinib zur Erstlinientherapie von Erwachsenen mit metastasiertem  NSCLC mit aktivierenden EGFR-Mutatoinen eingesetzt werden können.
  • Tafamidis (Vyndaqel, Pfizer) soll künftig in Form von Weichkapseln mit 61 mg für die Behandlung von Wildtyp- oder erblicher Transthyretin-Amyloidose bei Erwachsenen mit Kardiomyopathie (ATTR-CM) eingesetzt werden können. 
  • Ustekinumab (Stelara, Janssen) soll künftig in der Behandlung der mäßig schweren bis schweren Plaquepsoriasis bei Kindern ab einem Alter von 6 Jahren eingesetzt werden können.


 Quelle:
Mitteilung der EMA vom 12. Dezember 2019

Imipenem/Cilastatin/Relebactam von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Dezember 2019 empfohlen, Imipenem/Cilastatin/Relebactam für die parenterale Behandlung von Erwachsenen mit Infektionen durch aerobe gramnegative Erreger mit begrenzten Therapiemöglichkeiten zuzulassen.
Relebactam ist ein neuer, intravenös verabreichter Inhibitor von Beta-Laktamasen der Klassen A und C, der nun in Kombination mit der seit langem in der Therapie eingesetzten Kombination aus dem Carbapenem Imipenem plus dem Dehydropeptidase-I-Inhibitor Cilastatin angewendet wird.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 12. Dezember 2019