Montag, 17. Juni 2019

Daratumumab: Rote-Hand-Brief wegen Reaktivierung von Hepatitis B

In einem Rote-Hand-Brief informiert der Hersteller (Janssen-Cilag) von Daratumumab (Darzalex) zu einem erhöhten Risiko der Reaktivierung einer Hepatitis B, und zwar liegen Berichte aus klinischen Studien sowie Spontanmeldungen über eine Reaktivierung von Hepatits-B-Virus vor. Einige Fälle verliefen tödlich.

  • Vor Beginn der Behandlung mit Daratumumab soll bei allen Patienten der HBV-Status bestimmt werden. Dies gilt auch unter laufender Behandlung, wenn der HBV-Status nicht bekannt ist.
  • Bei positiver HBV-Serologie sollen Patienten während der Behandlung sowie mindestens sechs Monate nach Beendigung auf klinische Anzeichen und Laborparameter für eine HBV-Reaktivierung kontrolliert werden.
  • Im Falle einer HBV-Reaktivierung soll die Behandlung mit Daratumumab unterbrochen und Experten für die Behandlung der HBV-Infektion konsultiert werden.

Die meisten Fälle von HBV-Reaktivierung wurden in den ersten sechs Monaten der Behandlung beobachtet. Mögliche Risikofaktoren sind: frühere autologe Stammzelltransplantation; gleichzeitige und/oder frühere immunsuppressive Therapien; Patienten, die in Regionen mit hoher HBV-Prävalenz leben oder aus diesen eingewandert sind. Die Produktinformation wird aktualisiert.

Quelle:
AkdÄ Drug Safety Mail Nr. 34 vom 17. Juni 2019

Dienstag, 11. Juni 2019

Polatuzumab Vedotin von der FDA beschleunigt zugelassen

Die Food and Drug Administration (FDA) hat am 10. Juni 2019 beschleunigt Polatuzumab vedotin piiq (Polivy, Roche) in Kombination mit Bendamustin und Rituximab für die Behandlung von Erwachsenen mit diffusem großen B-Zell-Lymphom (DLBCL) zugelassen, die mit mindestens zwei Vortherapien behandelt wordensind.
Polatuzumab Vedotin ist ein Antikörper-Arzneistoff-Konjugat, das spezifisch an das CD79b-Protein auf der Oberfläche von B-Zellen bindet und dann das Zytostatikum Monomethylauristatin E (Vedotin) in die Zellen freisetzt. Vedotin verhindert  die Polymerisation von Tubulin.

Quelle:
Pressemitteilung der FDA vom 10. Juni 2019

Donnerstag, 6. Juni 2019

Gentherapie für transfusionsabhängige Beta-Thalassämie (TDT) von der EU-Kommission bedingt zugelassen

Die EU-Kommission hat am 4. Juni 2019 eine bedingte Marktzulassung für Zynteglo (autologe CD34+-Zellen, die das Beta A-T87Q-Globin-Gen kodieren) erteilt. Dabei handelt es sich um eine Gentherapie für Patienten ab einem Alter von 12 Jahren mit transfusionsabhängiger Beta-Thalassämie (TDT) und einem Nicht-Beta0/Beta0-Genotyp, für die eine hämatopoetische Stammzellen-Transplantation (HSZT) in Frage kommt, aber kein verwandter Spender mit passendem humanen Leukozytenantigen (HLA) verfügbar ist.

Quelle:
EPAR der EMA

Freitag, 31. Mai 2019

Arginin/Lysin von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Mai 2019 empfohlen, Arginin/Lysin (LysaKare, Advanced Accelerator Applications) zur Verminderung der Strahlenbelastung der Nieren bei Radionuklid-Therapie mit Lutetium (177Lu) Oxodotreotid bei Erwachsenen zuzulassen.
Die Infusionslösung enthält die Aminosäuren L-Arginin-HCl und L-Lysin-HCl, die die Re-Absorption und Retention von Lutetium (177Lu) oxodotreotid in den Nierentubuli vermindern.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 29. Mai 2019

Trientindihydrochlorid von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Mai 2019 empfohlen, Trientindihydrochlorid (Cufence, Univar BV) für die orale Behandlung der Wilson-Krankheit bei Jugendlichen, Erwachsenen und Kindern ab einem Alter von 5 Jahren zuzulassen, die D-Penicillamin nicht vertragen.


Trientindihydrochlorid entzieht dem Körper Kupfer, in dem es einen einen stabilen Kupfer-Chelat-Komplex bildet, der mit dem Urin ausgeschieden wird. Außerdem kann es die Kupfer-Absorption im Gastrointestinaltrakt hemmen.
Bereits im September 2017 hatte die EMA Trientintetrahydrochlorid (Cuprior, gmp-orphan) für die gleiche Indikation zugelassen (med|pharm|text)

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 29. Mai 2019

Dienstag, 28. Mai 2019

Tofacitinib: Rote-Hand-Brief wegen Risiko von Lungenembolien

Der Hersteller von Tofacitinib (Xeljanz, Pfizer) weist in einem Rote-Hand-Brief auf die Einschränkung der Anwendung von zweimal täglich 10 mg bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Lungenembolien hin.

Vorläufige Ergebnisse aus einer laufenden klinischen Studie bei Patienten mit rheumatoider Arthritis (A3921133) zeigten ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Lungenembolien und eine erhöhte Sterblichkeit unter der Gabe von zweimal täglich 10 mg Tofacitinib. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) bewertet deshalb zurzeit Nutzen und Risiken von Tofacitinib in allen zugelassenen Indikationen. Bis zum Abschluss der Bewertung wurden folgende Maßnahmen vereinbart:

  • Tofacitinib zweimal täglich 10 mg ist kontraindiziert bei Patienten mit erhöhtem Risiko für Lungenembolien (Patienten mit Herzinsuffizienz, tiefer Venenthrombose oder Lungenembolie in der Vorgeschichte, erblicher Gerinnungsstörung oder Krebs, bei Anwendung kombinierter hormoneller Kontrazeptiva oder einer Hormonersatztherapie sowie bei Patienten, die sich einem größeren chirurgischen Eingriff unterziehen). Weitere Risikofaktoren wie Lebensalter, Adipositas, Nikotinkonsum und Immobilisation sollen bei der Bewertung des Lungenembolie-Risikos in Betracht gezogen werden.
  • Ärzte werden daran erinnert, bei Patienten mit rheumatoider Arthritis oder Psoriasis-Arthritis die zugelassene Dosis von 5 mg zweimal täglich einzuhalten.
  • Patienten mit erhöhtem Risiko für Lungenembolien, die bereits mit Tofacitinib zweimal täglich 10 mg behandelt werden, sollen auf eine alternative Therapie umgestellt werden.
  • Patienten sollen auf Zeichen und Symptome einer Lungenembolie überwacht und angewiesen werden, bei Auftreten von Symptomen sofort einen Arzt zu konsultieren.

Tofacitinib ist zugelassen zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und der Psoriasis-Arthritis (jeweils 5 mg zweimal täglich) sowie zur Behandlung von Colitis ulcerosa (10 mg zweimal täglich in den ersten acht Wochen, anschließend 5 mg zweimal täglich).

Die weitere Bewertung der Studiendaten und der möglichen Auswirkung auf die Produktinformation erfolgt derzeit durch die EMA.

Quelle:
AkDÄ Drug Safety Mail Nr. 32 vom 28. 5. 2019

Samstag, 25. Mai 2019

Alpelisib von der FDA zugelassen

Die FDA hat am 24. Mai 2019 Alpelisib (Piqray, Novartis) zur oralen Behandlung von postmenopausalen Frauen und Männern mit Hormonrezeptor-positivem, Her2-negativem PIK3-CA-mutierten fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom in Kombination mit Fulvestrant zugelassen.
Parallel wurde ein diagnostischer Test zum Nachweis der PIK3CA-Mutation in Gewebe oder Flüssigkeiten (liquid biopsy) zugelassen.


Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden in den SOLAR-1-Studie an 572 Frauen untersucht. Die zusätzliche Gabe von Albelisib zu Fulvestrant verlängerte bei Patienten mit PIK3CA-Mutation das PFS von 5,7 auf 11 Monate.

Quelle:
Pressemitteilung der FDA vom 24.5.2019

Onasemnogen abeparvovec-xioi von der FDA zugelassen

Die Food and Drug Administration (FDA) hat am 24. Mai 2019 Onasemnogen abeparvovec-xioi (Zolgensma, AveXis, Novartis) beschleunigt als Orphan Drug für die Behandlung von Kindern im Alter unter 2 Jahren mit spinaler Muskelatrophie zugelassen, die Mutationen im SMN1-Gen aufweisen.
Damit steht die erste Gentherapie für die Behandlung dieser seltenen Erbkrankheit zur Verfügung.
Die Gentherapie basiert auf Adeno-assoziierten Viren als Vektor. Der Vektor liefert eine voll funktionale Kopie des humanen SMN-Gens in die Zielzellen. Die einmalige intravenöse Gabe der Gentherapieführt zur Expression des SMN-Protein der kindlichen Motoneuronen und verbessert damit Muskelbewegung und -Funktion sowie das Überleben des Kindes mit SMA. Die Dosierung basiert auf dem Körpergewicht.
Der Preis für die Einmalgabe soll bei über 2 Mio Dollar liegen. Zolgensma wird deshalb als teuerste Arznei der Welt bezeichnet. Novartis argumentiert aber, dass bei Einmalanwendung von Zolgensma die Kosten für eine Langzeitbehandlung wegfallen. So kostet Spinranza (Biogen), das alle 4 Monate gegeben werden muss, im 1. Jahr rund 750.000 Doller, in der Folge rund 375.000 Dollar pro Jahr. 

Meine Meinung: Es ist schwer bis gar nicht zu verstehen, warum diese Arzneimittel zu derartigen Preisen angeboten werden müssen. Es wird zwar immer mit den hohen Entwicklungskosten und der Zahl der
in Frage kommenden Patienten argumentiert. Aber diese Medikamente werden ja z. B. schon aufgrund von ganz kleinen klinischen Studien zugelassen. Zolgensma z.B. wurde basierend auf einer noch laufenden Studie mit insgesamt 36 Patienten zugelassen, die Wirksamkeitdaten basieren derzeit auf den Ergebnissen bei 21 Patienten.


Quellen
Pressemitteilung der FDA vom 24. Mai 2019
Welt vom 25.5.2019

Freitag, 24. Mai 2019

Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban: Rote-Hand-Brief wegen Antiphospholipidsyndrom

In einem Rote-Hand-Brief informieren die Hersteller von  Apixaban (Eliquis®), Dabigatranetexilat (Pradaxa®), Edoxaban (Lixiana®/Roteas®) und Rivaroxaban (Xarelto®), dass die Anwendung von direkt wirkenden Antikoagulanzien (DOAK) bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom nicht empfohlen wird, insbesondere gilt dies für Hochrisikopatienten, die in allen drei Antiphospholipid-Tests (Lupus-Antikoagulans, Anti-Cardiolipin-Antikörper, Anti-Beta-2-Glykoprotein-1-Antikörper) positiv getestet wurden.
Bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom (insbesondere bei Hochrisikopatienten), die zurzeit mit DOAK zur Prävention thromboembolischer Ereignisse behandelt werden, sollte die Fortführung der Behandlung geprüft und eine Umstellung auf Vitamin-K-Antagonisten erwogen werden.
In einer randomisierten, offenen, multizentrischen Studie war die Anwendung von Rivaroxaban bei Patienten mit Thrombose in der Vorgeschichte, bei denen ein Antiphospholipid-Syndrom diagnostiziert wurde, im Vergleich zu Warfarin mit einem erhöhten Risiko für rezidivierende thrombotische Ereignisse assoziiert. Die Studie wurde wegen einer erhöhten Rate thromboembolischer Ereignisse im Rivaroxaban-Arm im Vergleich zu Warfarin (7/59 Patienten vs. 0/61) vorzeitig abgebrochen. Für andere DOAK (Apixaban, Dabigatranetexilat, Edoxaban) sind weniger Daten verfügbar. Es gibt aktuell keine ausreichende Evidenz, dass eines dieser Arzneimittel bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom einen ausreichenden Schutz bietet.

Quelle:
AKDÄ Drug Safety Mail vom 23.5.2019

Dienstag, 21. Mai 2019

Dalteparin von der FDA bei Kindern zugelassen

Die Food and Drug Administration (FDA) hat am 16. Mai 2019 die Zulassung von Dalteparin (Fragmin, Pfizer) erweitert, das niedermolekulare Heparin kann nun auch bei Kindern ab einem Alter von einem Monat zur Rezidivprophylaxe von venösen Thromboembolien eingesetzt werden.

Quelle:
Pressemitteilung der FDA vom 16. Mai 2019