Freitag, 9. November 2018

Valproinsäure: Rote-Hand-Brief zu Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Eine Exposition von Kindern mit Valproinsäure im Mutterleib kann zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen (bis zu 30–40 % der Fälle) und angeborenen Missbildungen (ungefähr 10 % der Fälle) führen. Aus diesem Grund wurden im Jahr 2014 Warnhinweise und Anwendungseinschränkungen für die Behandlung von Frauen und Mädchen mit Valproinsäure verschärft. Eine Bewertung durch den Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) kam zu dem Ergebnis, dass die Maßnahmen nicht ausreichend sind. Daher werden neue Gegenanzeigen, verschärfte Warnhinweise und Maßnahmen zur Vermeidung einer Valproinsäure-Exposition während der Schwangerschaft eingeführt, über die in einem Rote-Hand-Brief informiert werden:

Bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter darf Valproinäsure nur dann angewendet werden, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.
Valproinsäure ist bei Frauen im gebärfähigen Alter kontraindiziert, es sei denn, das Schwangerschaftsverhütungsprogramm wird eingehalten.
Bei Epilepsie ist Valproinsäure während der Schwangerschaft kontraindiziert, außer wenn keine geeigneten Alternativen zur Verfügung stehen.
Bei bipolaren Erkrankungen und zur Migräneprophylaxe ist Valproinsäure während der Schwangerschaft kontraindiziert.
Die Produktinformationen werden aktualisiert.

Quelle
AkdÄ Drug Safety Mail vom 9. November 2018

Donnerstag, 8. November 2018

Tezacaftor/Ivacaftor von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 6. November 2018 Tezacaftor/Ivacaftor (Symkevi, Vertex) für die orale Behandlung von Patienten mit zystischer Fibrose ab einem Alter von 12 Jahren zugelassen die homozygot für die F508del-Mutation sind oder heterozygot sind für die F508del-Mutation und zusätzlich eine der folgenden Mutationen im CFTR-Gen aufweisen : P67L, R117C, L206W, R352Q, A455E, D579G, 711+3A→G, S945L, S977F, R1070W, D1152H, 2789+5G→A, 3272-26A→G und 3849+10kbC→T.

Tezacaftor ist ein selektiver CFTR-Korrektor, der an die erste membrandurchspannende Domäne (MSD-1, membrane spanning domain) des CFTR-Proteins bindet. Tezacaftor verbessert die zelluläre Verarbeitung und den Transport von normalem CFTR-Protein sowie diversen mutierten CFTRFormen (einschließlich F508del-CFTR) und erhöht dadurch die Menge von CFTR-Protein an der Zelloberfläche, was zu einem verstärkten Chlorid-Transport in vitro führt.


Ivacaftor ist ein CFTR-Potentiator, der die CFTR-Kanal-Öffnungswahrscheinlichkeit (oder Gating-Aktivität) auf der Zelloberfläche erhöht und somit den Chloridionentransport verstärkt. Damit Ivacaftor seine Wirkung entfalten kann, muss auf der Zelloberfläche CFTR-Protein vorhanden sein. Ivacaftor kann die Funktion des von Tezacaftor an die Zelloberfläche beförderten CFTR-Proteins verbessern und somit zu einer weiteren Erhöhung des Chloridionentransports im Vergleich zu einem der beiden Wirkstoffe allein beitragen. Die Kombination wirkt gezielt auf das abnormale FTRProtein, indem sie die Menge von CFTR-Protein auf der Zelloberfläche erhöht, dessen Funktion verbessert und somit in humanen Bronchialepithelzellen (HBE) von CF-Patienten, die homozygot für die F508del-Mutation sind, die Höhe der Flüssigkeitsschicht auf der Oberfläche der Luftwege vergrößert und die Zilienschlagfrequenz in vitro erhöht. Die genauen Mechanismen, durch die Tezacaftor die zelluläre Verarbeitung und den Transport von F508del-CFTR verbessert und Ivacaftor die CFTR-Öffnungswahrscheinlichkeit erhöht, sind nicht bekannt.

Quelle:
EPAR der EMA

Mittwoch, 7. November 2018

Venetoclax: Zulassung von der EU-Kommission erweitert

Die EU-Kommission hat am 31. Oktober 2018 die Zulassung für Venetoclax (Venclyxto, Abbvie) erweitert: Der BCL2-Inhibitor kann künftig in Kombination mit dem Anti-CD20-Antikörper Rituximab (R) bei Erwachsenen mit rezidivierender/refraktärer CLL (r/r CLL) ab der Zweitlinie eingesetzt werden. Damit stellt diese Kombinationstherapie das erste chemotherapiefreie Behandlungsschema mit einer begrenzten Therapiedauer bei CLL dar.
Die Zulassungserweiterung basiert auf den Ergebnissen der noch laufenden, randomisierten, Phase-III-Studie MURANO, in der Wirksamkeit und Sicherheit von Venetoclax plus Rituximab im Vergleich Bendamustin plust Rituximab (BR) bei Patienten mit r/r CLL verglichen werden.

Freitag, 26. Oktober 2018

Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolonen

In einem Rote-Hand-Brief wird auf das Risiko für Aortenaneurysemn und -dissektionen bei systemisch und inhalativ angewendenten Fluorchinolonen hingewiesen. Der Rote-Hand-Brief betrifft alle Fluorchinolon-haltigen Arzneimittel. In Deutschland zugelassene Fluorchinolone sind Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin.

  • Systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone können das Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen erhöhen, insbesondere bei älteren Patienten.
  • Bei Patienten mit einem Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen sollten Fluorchinolone nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und Berücksichtigung anderer Therapiemöglichkeiten angewendet werden.
  • Prädisponierende Faktoren für Aortenaneurysmen und -dissektionen sind unter anderem: Aneurysma-Erkrankung in der Familienanamnese, vorbestehendes Aortenaneurysma oder vorbestehende Aortendissektion, Marfan-Syndrom, vaskuläres Ehlers-Danlos-Syndrom, Takayasu-Arteriitis, Riesenzellen-Arteriitis, Morbus Behꞔet, Hypertonie und Atherosklerose.
  • Patienten sollten über das Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen informiert und aufgefordert werden, bei plötzlich auftretenden schweren Bauch-, Brustkorb- oder Rückenschmerzen unverzüglich eine Notaufnahme aufzusuchen.

Quelle
AkDÄ Drug Safety Mail vom 26. Oktober 2018

Eptacog alfa, Ivacaftor, Pembrolizumab: EMA empfiehlt Zulassungserweiterung

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, die Zulassung von Eptacog alfa, Ivacaftor und  Pembrolizumab zu erweitern.


  • Eptacog alfa (NovoSeven, Novo) kann bisher schon bei Patienten mit Glanzmanns Thrombasthenie eingesetzt werden, wenn sie Antikörper gegen GPIIb/IIIa und/oder HLA aufweisen. Der Passus zu den Antikörpern soll entfallen und E. soll auch dann eingesetzt werden können, wenn keine Thrombozytentransfusionen verfügbar sind.
  • Ivacaftor (Kalydeco, Vertex) soll künftig bei Kindern ab 12 Monaten und mit mindestens 7 kg KG eingesetzt werden können. Zudem soll es bei Patienten eingesetzt werden können, die folgende Klasse-III-Mutationen im CFTR-Gen aufweisen: G551D, G1244E, G1349D, G178R, G551S, S1251N, S1255P, S549N oder S549R.
  • Pembrolizumab (Keytruda, MSD) soll künftig als Montoherapie die adjuvante Therapie des Melanoms bei Erwachsenen mit LK-Beteiligung nach kompletter Resektion eingesetzt werden können.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Lanadelumab von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, Lanadelumab (Takhzyro, Shire) zur parenteralen Routineprophylaxe rezidivierender Attacken eines hereditären Angioödems bei Patienten ab einem Alter von 12 Jahren zuzulassen.

Lanadelumab ist ein monoklonaler Antikörper, der Plasmakallikrein hemmt. Die erhöhte Aktivität von Plasmakallikrein führt bei Patienten mit hereditärem Angioödem zu Angioödemattacken aufgrund der Proteolyse von hochmolekularem Kininogen und Bradykinin. Lanadelumab hemme die Plasmakallikreinaktivität und verringert damit die Bradykininbildung.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Mexiletin mit neuer Indikation von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, Mexiletin (Namuscla, Lupin) für die orale symptomatische Behandlung von Myotonien bei Erwachsenen mit nichtdystrophischen Muskelerkrankungen zuzulassen.

Mexiletin wurde früher als Klasse-I-Antiarrhythmikum eingesetzt. Es blockiert Natriumkanäle. Hierdurch vermindert es die Muskelsteife bei Patienten mit nichtdystrophischen Muskelerkrankungen.

Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Tetravalenter Grippeimpfstoff aus Zellkulturen von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, den tetravalenten Grippeimpfstoff Flucelvax Tetra (Seqirus, Niederlande) gewonnen aus Zellkulturen, zuzulassen.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Denguefieber-Impfung von der EMA zur Zulassung empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat in seiner Sitzung vom Oktober 2018 empfohlen, eine tetravalente attenuierte Lebendvakzine (Dengvaxia, Sanofi Pasteur) zur Prophylaxe des Denguefiebers zuzulassen.


Quelle:
Mitteilung der EMA vom 18. Oktober 2018

Samstag, 6. Oktober 2018

Abemaciclib von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 27. September 2018 Abemaciblib (Verzenios, Lilly) für die orale Behandlung von Frauen mit HR-positivem EGFR-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom in Kombination mit einem Aromataseinhibitor oder Fulvestrant als initiale endokrine Therapie oder bei Frauen, die zuvor schon eine endokrine Therapie erhalten habe, zugelassen.

Abemaciclib ist wie Ribociclib und Palbociclib ein potenter und selektiver Inhibitor der Cyclin-abhängigen Kinasen (cyclin-dependent kinase, CDK) 4 und 6, und zeigte in enzymatischen Assays die höchste Aktivität gegen Cyclin D1/CDK4. Abemaciclib verhindert die Phosphorylierung des Retinoblastom-Proteins (Rb) und blockiert so den Übergang des Zellzyklus von der G1- in die S-Phase der Zellteilung, was zur Unterdrückung des Tumorwachstums führt.
Wirksamkeit und Verträglichkeit von Abemaciclib in Kombination mit einem Aromatasehemmer (Anastrozol oder Letrozol) wurde in der Studie MONARCH 3 untersucht, einer randomisierten,
doppelblinden, placebokontrollierten Phase 3 Studie bei Frauen mit HR-positivem, HER2-negativem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, die in dieser Erkrankungssituation zuvor keine systemische Therapie erhalten hatten. Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt, der Verlängerung des PFS.

Quelle
EPAR der EMA