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Freitag, 19. Februar 2016

Arzneimittelbewertung bei Onkopedia

Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. hat das Informationsportal Onkopedia um den neuen Bereich "Arzneimittel Bewertung" erweitert. In komprimierter Form fasst dieser die aktuellen Informationen zu den neuen Arzneimitteln in der Hämatologie/Onkologie mit den Ergebnissen der Zulassungsstudien, der Festlegung des Zusatznutzens und den Empfehlungen der Fachgesellschaften zusammen.
Im Bereich "Arzneimittel Bewertung" finden sich zu dem jeweiligen Arzneimittel Datum der Zulassung, Applikationsform, Wirkungsmechanismus, Informationen zur Wirksamkeit und Nebenwirkungen sowie direkte Verlinkungen zu Zulassungsdaten bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA), zu Studiendaten, zu Daten im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung und zu den aktuell verfügbaren Leitlinien.
Der Service der DGHO "Arzneimittel Bewertung" als Erweiterung des Onkopedia-Leitlinienportals st kostenlos und für alle Interessierten frei zugänglich: https://www.arzneimittel-bewertung.info

Quelle:
Pressemitteilung der DGHO vom 17. Februar 2016

Montag, 16. Juni 2008

Paracetamol wird ab April 2009 teilweise rezeptpflichtig

Ab April 2009 werden Arzneimittel mit Paracetamol verschreibungspflichtig, wenn in einer Packung mehr als 10 g Paracetamol enthalten sind. Dieser neuen Regelung hat der Bundesrat am 13. Juni 2008 zugestimmt.
Leberschäden sind möglich, wenn ein gesunder Erwachsener einmalig mehr als 10 bis 12 g oder über einen längeren Zeitraum mehr als 7,5 g Paracetamol täglich einnimmt. Diese Grenzwerte sind bei Kindern geringer. Zudem ist Paracetamol in einigen Kombinationspräparaten enthalten, es kann dadurch zu unbeabsichtigten Überdosierungen kommen. Grundsätzlich sollten Schmerzmittel ohne ärztliche Verordnung nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden. Alle Schmerzmittel unterliegen aus Gründen des Verbraucherschutzes der Apotheken- oder Verschreibungspflicht.
Quelle:
www.abda.de

Dienstag, 3. Juni 2008

Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimittelsicherheit

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat einen Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) ins Leben gerufen, der die am Medikationsprozess Beteiligten wie Ärzte, Apotheker, Behörden, Patienten und andere zusammenführen soll. Gemeinsam sollen Strukturen und Abläufe der Pharmakotherapie systematisch analysiert und verbessert werden. Dazu wurde bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) eine Koordinierungsgruppe eingerichtet, die jetzt ihre Arbeit aufgenommen hat. Sie wird die Kommunikation zwischen den Beteiligten herstellen, die Maßnahmen des Aktionsplans überwachen, voranbringen und den beteiligten Institutionen berichten.
Folgende Organisationen sind derzeit in der Koordinierungsgruppe vertreten:
  • Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
  • Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ)
  • ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
  • Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA)
  • Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv)
Kommentar: Hoffentlich gibt es neben Berichten, Konferenzen, Papieren, Besprechungen, Mitteilungen auch TATEN.

Quellen:

http://www.akdae.de/21/20080603.pdf
http://www.akdae.de/21/20080508.pdf

Samstag, 1. März 2008

FDA: Rilonacept als Orphan Drug zugelassen

Die amerikanische FDA hat am 27. Februar 2008 als Orphan Drug den Interleukin-1-Blocker Rilonacept (Arcalyst) für die Langzeitbehandlung des FCAS (Familiary Cold Autoinflammatory Syndrom) und des MWS (Muckle-Wells-Syndrom zugelassen.

Das FCAS wird auch als familiäre Kälteurtikaria bezeichnet, es ist eine autosomal dominant vererbte entzündliche Erkrankung, die durch Episoden mit Fieber, Ausschlag und Gelenkschmerzen nach Kälteexposition einhergeht.

Das MWS ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die durch Innenohrschwerhörigkeit, rezidivierend auftretendes urtikarielles Exanthem und eine systemische Amyloidose gekennzeichnet ist.

Quelle:
http://www.fda.gov/bbs/topics/NEWS/2008/NEW01801.html

Dienstag, 26. Februar 2008

Neue Zulassungsempfehlungen der EMEA

Das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der EMEA hat in seinem Treffen vom 18. bis 21. Februar 2008 u. a. für folgende neuen Substanzen eine Zulassungsempfehlung ausgesprochen:

· Präpandemischer inaktivierter, adjuvanter H5N1-Impfstoff: Prepandrix (GSK), ein Impfstoff gegen die Vogelgrippe, die bei einem offiziell deklarierten Ausbruch angewendet werden kann.

· Febuxostat (Adenuric, Ipsen) zur Behandlung der chronischen Hyperurikämie

· Micafungin (Mycamine, Astellas Pharma): Echinocandin zur Behandlung systemischer Pilzinfektionen

· Ambrisentan (Volibris, GSK) zur Behandlung von pulmonalem Hochdruck (Orphan drug)

Quelle:
http://www.emea.europa.eu/pdfs/human/press/pr/8727708en.pdf

Dienstag, 19. Februar 2008

NSCLC-Studie mit Nexavar® gestoppt

Nach einer planmäßigen Zwischenanalyse hat das unabhängige Data Monitoring Committee (DMC) empfohlen, eine Phase-III-Studie zu Sorafenib bei Patienten mit nichtkleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) vorzeitig zu beenden, weil die Sterblichkeit bei Patienten mit Plattenepithelkarzinom in der Sorafenib-Gruppe höher war.
In der Studie wurden Sicherheit und Wirksamkeit von Sorafenib in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel im Vergleich zur Chemotherapie allein geprüft. Das DMC hielt es für unwahrscheinlich, dass der primäre Studienendpunkt, eine Verbesserung der Gesamtüberlebensdauer, erreicht würde. Die Ergebnisse zur Sicherheit waren vergleichbar mit den Erkenntnissen aus früheren Studien, wobei für die Untergruppe von Patienten mit Plattenzellkarzinom eine höhere Letalität nach Behandlung mit Sorafenib in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel im Vergleich zu Carboplatin und Paclitaxel alleine beobachtet wurde.

Quelle:
http://www.baynews.bayer.de/baynews/baynews.nsf/ID/0A56B23443F11C6BC12573F30050244E?Open&ccm=001

Montag, 18. Februar 2008

Rote-Hand-Brief zu CellCept®

Bei Patienten unter Mycophenolatmofetil wurden vereinzelte Fälle progressiver multifokaler Leukenzephalopathie beobachtet. Die Fallberichte enthalten begleitende Faktoren, die eine Einordnung der PML erschweren. Eine Beteiligung von Mycophenolatmofetil an dieser Nebenwirkung kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Die Fachinformation wurde entsprechend aktualisiert.

Quelle:
http://www.akdae.de/20/40/Archiv/2008/20080218.pdf

Donnerstag, 14. Februar 2008

Hilft B-Zell-Verringerung bei Multipler Sklerose?

B-Zellen könnten zu einem neuen Target in der Behandlung der multiplen Sklerose werden. Eine Phase-II-Studie bei MS-Patienten zeigte, dass mit Rituximab, einem Antikörper der zur Verringerung von CD20-positiven B-Zellen führt, beim MRI signifikante Besserungen bei MS-Patienten erzielt werden konnten.
Diese vielversprechenden Ergebnisse sollen nun in Phase-III-Studien weiter untersucht werden.

Quelle:
Hauser SL et al. B-Cell Depletion with Rituximab in Relapsing–Remitting Multiple Sclerosis. N Engl J Med 2008;358:676-88.
http://content.nejm.org/cgi/content/full/358/7/676

ClinicalTrials.gov number, NCT00097188

Probiotika erhöhen Sterblickeit bei Patienten mit schwerer Pankreatitis

Probiotika erhöhen die Sterblichkeit bei Patienten mit schwerer Pankreatitis, sie reduzieren das Risiko infektiöser Komplikationen bei diesen Patienten nicht. Dies ergab eine Studie von Hein Gooszens et al., Utrecht, die online am 14. Februar 2008 im Lancet publiziert wurde.
Infektionen als Komplikationen und eine dadurch bedingte erhöhte Sterblichkeit sind bei Patienten mit akuter Pankreatitis gefürchtet. Diese Komplikation beginnt mit einem Überwachsen von Darmbakterien, weshalb prophylaktisch Probiotika eingesetzt werden, um diesen Vorgang zu verhindern. In einer randomisierten, doppelblinden, Plazebo-kontrollierten Studie mit 296 Patienten wurde nun Wirksamkeit und Verträglichkeit eine Prophylaxe mit Probiotika untersucht. Jeder Patient erhielt innerhalb von 72 Stunden nach Symptombeginn ein Probiotikum (n = 152) oder ein Plazebo (n = 144) zweimal täglich über 28 Tage.In der Studie wurde als Probiotikum das Präparat Ecologic 641, Winclove Bio Industries, Amsterdam, eingesetzt. Es enthält sechs Stämme gefriergetrockneter löslicher Bakterien: Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus casei, Lactobacillus salivarius, Lactococcus lactis, Bifidobacterium bifidum und Bifido-bacterium lactis. Die tägliche Dosis betrug 1010 Bakterien.
Infektiöse Komplikationen waren in beiden Gruppen ähnlich häufig: 46 Patienten in der Probiotika-Gruppe und 41 Patienten in der Plazebo-Gruppe. Allerdings starben in der Probiotika-Gruppe 24 Patienten (16 %), während es in der Plazebo-Gruppe nur 9 (6 %) waren. Neun Patienten der Probiotika-Gruppe entwickelten eine Darmischämie, acht davon starben. In der Plazebo-Gruppe trat kein solcher Fall auf.

Offen ist, ob Probiotika anderer Zusammensetzung diese ungünstige Wirkung nicht haben. Dennoch können Probiotika nicht länger als harmlose Adjuvanzien, insbesondere bei schwer kranken Patienten, angesehen werden.
Darauf weist auch ein Beitrag von Panknin und Trautman hin, in dem über teilweise schwer verlaufende Fungämien bei Intensivpatienten berichtet wird, die mit Probiotika behandelt werden, die S. boulardii enthalten.

Quellen:
Besselink MGH, et al.
Probiotic prophylaxis in predicted severe acute pancreatitis: a randomised, double-blind, placebo-controlled trial. Lancet Published Online February 14, 2008 DOI:10.1016/S0140-6736(08)60207-X.
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS014067360860207X/abstract?isEOP=true

Panknin HT, Trautmann M. Fungämierisiko durch Gabe von S. boulardii bei Intensivpatienten? Arzneimitteltherapie 2008;26:68-70.

Mittwoch, 13. Februar 2008

Was kosten Rücken- und Nackenschmerzen?

Die Kosten zur Behandlung von Rücken- und Nackenschmerzen sind hoch und steigen kontinuierlich, ohne dass ein entsprechender Nutzen zu registrieren ist. Dies zeigte eine amerikanische Erhebung. Im Jahr 2005 litten rund 25 % der erwachsenen US-Amerikaner an Schmerzen im Lendenwirbelbereich und 14 % an Nackenschmerzen. Die Erhebung ergab, dass die Kosten für die Behandlung von Wirbelsäulenproblemen pro Patient von 4.695 US-Dollar im Jahr 1997 auf 6.096 US-Dollar im Jahr 2005 gestiegen sind. Bereinigt um die Inflationsrate stiegen die Kosten von 1997 bis 2005 um 65 % und damit stärker als alle anderen Gesundheitsausgaben.
Die Autoren schätzen, dass pro Jahr in den USA etwa 86 Milliarden Dollar für die Behandlung von Patienten mit Wirbelsäulenproblemen aufgewendet werden müssen, dies sind 9 % der gesamten Gesundheitskosten. Krebserkrankungen verursachen Kosten von 89 Milliarden und Diabetes mellitus von 98 Milliarden US-Dollar. Der starke Anstieg bei den Arzneimittelausgaben ist durch den vermehrten Gebrauch von Gabapentin, Fentanyl und retardiertem Oxycodon mit verursacht (Abb. aus der Originalarbeit), ohne dass dies jedoch einen sichtbaren Nutzen hat.


Quelle:
Martin IB, Deyo RA,
Mirza SK, Turner JA, et al. Expenditures and health status among adults with back and neck problems. JAMA 2008;299 :656-64.
http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/299/6/656?lookupType=volpage&vol=299&fp=656&view=short

Dienstag, 12. Februar 2008

Rote-Hand-Brief zu Moxifloxacin

Die Bayer Vital GmbH informiert in einem Rote-Hand-Brief vom 11. Februar 2008 über schwerwiegende Nebenwirkungen des Fluorchinolons Moxifloxacin. So besteht bei der Behandlung mit Moxifloxacin das Risiko, dass sich eine fulminante Hepatitis entwickelt, die potentiell zu einem lebensbedrohlichen Leberversagen führen kann. Außerdem können lebensbedrohliche bullöse Hautreaktionen auftreten.
Es ist bekannt, dass Moxifloxacin Nebenwirkungen an der Leber auslösen kann. Auch bullöse Hautreaktionen sind vereinzelt schon bisher beobachtet worden.
Einzelheiten unter:
http://www.akdae.de/20/40/Archiv/2008/20080211.pdf

Montag, 11. Februar 2008

Europäische Zulassungbehörde empfiehlt Zulassung von Dabigatran

Das CHMP der Europäischen Zulassungsbehörde hat die Zulassung des direkten oralen Thrombin-Hemmers Dabigatran (Pradaxa®) für die Prävention von venösen Thromboembolien bei Patienten, die sich einer Hüftgelenkstransplantation oder einem entsprechendem Eingriff am Kniegelenk unterziehen, empfohlen.



Dabigatran wird von Boehringer Ingelheim in allen 27 Ländern der EU als Pradaxa® eingeführt werden.

Quelle:
http://www.boehringer-ingelheim.com/corporate/asp/news/ndetail.asp?ID=5234

Donnerstag, 7. Februar 2008

Diabetes mellitus: Intensive multifaktorielle Therapie senkt Risiko

Eine intensive multifaktorielle Therapie senkt bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und Mikroalbuminurie die Sterblichkeit.
Dies ergab die Verlängerung der Steno-2-Studie, in der 160 erwachsene Dänen randomisiert eine konventionelle oder eine intensivierte Behandlung über 7,8 Jahre erhielten. Die intensivierte Therapie umfasste z. B. CSE-Hemmer, ACE-Hemmer, Acetylsalicylsäure und Allgemeinmaßnahmen, um einen HbA1c-Wert unter 6,5 % und einen Gesamtcholesterol-Spiegel unter 175 mg/dl zu erreichen. Nach 7,8 Jahren wurde allen Patienten der Steno-2-Studie die intensivierte Therapie angeboten und über weitere 5,5 Jahre fortgeführt. Primärer Endpunkt nach 13,3 Jahren war die Zeit bis zum Tod.
In der Intensiv-Gruppe starben 24 Patienten, in der konventionellen Gruppe 40 Patienten. Das Sterberisiko war damit in der Intensiv-Gruppe signifikant geringer, vor allem kardiovaskuläre Todesfälle wurden verringert.

Quelle:
Gæde, P et al. Effect of a multifactorial intervention on mortality in type 2 diabetes. N Engl J Med 2008;358:580-91.
http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/358/6/580

Pharmakogenetisches Screening verringert Abacavir-Nebenwirkungen

Der nucleosidische reverse-Transcriptase-Hemmer Abacavir verursacht bei der Behandlung von HIV-Patienten zwar weniger Lipodystrophien als andere Substanzen, er löst aber relativ häufig, nämlich bei 5 bis 8 % der Patienten, eine Überempfindlichkeitsreaktion aus, die lebensbedrohlich werden kann.
Nun wurde in einer Studie mit 1.956 HIV-infizierten Erwachsenen untersucht, ob diese Nebenwirkung durch eine Screening auf HLA-B*5701 vermieden werden kann. Im Jahr 2002 war nämlich erstmals von zwei Forschungsgruppen berichtet worden, dass zwischen dem Major Histocompatibilitäts-Komplex Klasse-I-Allel HLA-B*5701 und der Überempfindlichkeitsreaktion auf Abacavir ein Zusammenhang besteht.
Die Patienten erhielten randomisiert Abacavir ohne prospektives Screening (Kontrollgruppe) oder Abacavir erst nach einen prospektiven Screening. War das Screening positiv, wurden sie nicht mit dem Transcriptase-Hemmer behandelt. Dies war bei 55 von 980 Patienten (5,6 %) der Fall.
In der Screening-Gruppe trat keine immunologisch bestätigte Überempfindlichkeitsreaktion auf, während in der Kontrollgruppe 2,7 %% der Patienten eine solche Reaktion aufwiesen. Eine klinische Reaktion zeigten 3,4 % der Screening-Gruppe und 7,8 % der Kontrollgruppe.
Damit ist zum ersten Mal in der Therapie der HIV-Infektion der Nutzen eines pharmakogenetischen Screenings gezeigt worden. Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung individualisierte Therapie.

Quellen:
Mallal S. et al. HLA-B*5701 Screening for Hypersensitivity to Abacavir. N Engl J Med 2008;358:568-79. http://content.nejm.org/cgi/content/abstract/358/6/568
Ingelman-Sundberg M. Pharmacogenomic Biomarkers for Prediction of Severe Adverse Drug Reactions.
N Eng J Med 2008;358:637-9. http://content.nejm.org/cgi/content/extract/358/6/637

Montag, 4. Februar 2008

Capecitabin zur Behandlung von metastasiertem Kolorektalkarzinom zugelassen

Die Europäische Zulassungsbehörde hat orales Capecitabin (Xeloda) für die Behandlung von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom in Kombination mit jeder anderen Chemotherapie in allen Behandlungsstadien mit oder ohne Bevacizumab (Avastin) zugelassen.
Die Zulassung basiert auf der NO16966- und der NO16967-Studie.
In der NO16966-Studie, einer internationalen Phase-III-Studie, wurden 2.034 Patienten eingeschlossen. Sie ergab, dass die Kombination aus Capecitabin und Oxaliplatin (XELOX) vergleichbar wirksam wie FOLFOX (Folinsäure, Fluorouracil, Oxaliplatin) ist und dass die zusätzliche Gabe von Bevacizumab das progressionsfreie Überleben der Patienten verlängert.
In der NO16967-Stude, einer internationalen Phase-III-Studie mit 627 Patienten, die mit Irinotecan vorbehandelt waren und die unter einem Rezidiv oder einer progredienten Erkrankung litten, zeigte sich ebenfalls, dass XELOX vergleichbar gut auf das progressioinsfreie Überleben wirkte wie FOLFOX.

Quelle:
http://www.roche.com/home/media/med_div/med_div_pharma/med_pha_2008/med-div-2008-02-04.htm

Samstag, 2. Februar 2008

Lacosamid - neues Antiepileptikum in klinischer Entwicklung

Lacosamid (früher Harkoseride oder SPM-927) ist ein neues Antiepileptikum, das sich in Phase III der klinischen Entwicklung befindet und das voraussichtlich noch in diesem Jahr in Europa und in den USA als Vimpat in den Handel kommen wird.
Lacosamid ist eine so genannte funktionalisierte Aminosäure. Das Glycin-Molekül ist strukturell verändert, und zwar durch Acetylierung am N-Atom, durch eine Ether-Funktion an C-2 (Methoxymethyl-Rest) und die N-Benzyl-amid-Struktur.
Lacosamid wirkt zum einen als Natriumkanal-Modulator: In elektrophysiologischen Studien verstärkte Lacosamid selektiv die langsame Inaktivierung spannungsabhängiger Natriumkanäle, ohne dabei die schnelle Inaktivierung zu beeinflussen. Es vermindert selektiv überschießende Nervenreaktionen, ohne die normale Kommunikation der Nervenzellen zu beeinflussen. Damit sollen pathologische Aktionen gehemmt und gleichzeitig physiologische Aktionen aufrecht erhalten werden.
Der zweite Mechanismus ist eineWechselwirkung mit dem Collapsin Response Mediator Protein-2 (CRMP-2), einem neuronalen Protein,das beim Auswachsen von Nervenfortsätzen - bedingt durch epileptische Anfälle oder Schmerzen - und der Exzitotoxizität eine wichtige Rolle spielt. Diese Interaktion könnte den Verlauf der Krankheit beeinflussen.
Lacosamid steht als intravenöse und orale Darreichungsform zur Verfügung. Es hat eine hohe Bioverfügbarkeit von fast 100 %. Nach oraler Gabe sind maximale Plasmaspiegel nach 1 bis 2 h erreicht. Die Halbwertszeit liegt bei 13 h, was eine zweimal tägliche Applikation ermöglicht. 95 % einer Dosis werden im Urin ausgeschieden, und zwar 40 % unverändert und 30 % als inaktiver Metabolit. Wechselwirkungen mit anderen Antiepileptika wurden nicht gesehen.
Bislang wurden über 3.500 Patienten untersucht, davon über 1.200 in randomisierten kontrollierten Studien. Eine Wirksamkeit konnte auch bei den Patienten nachgewiesen werden, die auf neuere Antiepileptika nicht mehr ansprachen.

Quellen:
Gregory Krauss, Satelittensymposium "Epilepsie und Morbus Parkinson- parenterale Therapieoptionen im OP und auf der Intensivstation", veranstaltet von UCB im Rahmen der 25. Arbeitstagung für Neurologische Intensiv- und Notfallmedizin, Wiesbaden, 1. Februar 2008.
Prof. Dr. G. Dannhardt, Mainz: Persönliche Mitteilung vom 6.2.2008

Mittwoch, 30. Januar 2008

Sirolimus- und Paclitaxel-Stent unter Praxisbedingungen vergleichbar gut

In einer offenen, randomisierten Studie unter Praxisbedingungen mit 2.098 Frauen und Männern, die zwischen August 2004 und Januar 2005 an fünf Universitätskliniken in Dänemarkt durchgeführt wurde, erwiesen sich Stents mit Paclitaxel und Sirolimus als vergleichbar gut wirksam. Die Patienten unterzogen sich einer perkutanen koronaren Intervention und erhielten randomisiert den Sirolimus-freisetzenden Cypher-Stent oder den Paclitaxel-freisetzenden Taxus-Stent. Wie Tabelle 1 zeigt, unterschieden sich nach 18 Monaten die primären und sekundären Endpunkte in den beiden Gruppen nicht.

Tab. 1. Primäre und sekundäre Endpunkte in der SORT-OUT-II-Studie

Endpunkt

Sirolimus (n=1065)

Paclitaxel (n= 1033)

Hazard Ratio

p-Wert

Primärer Endpunkt (größere kardiale Ereignisse)

106 (10 %)

120 (11,6 %

0,85

0,21

Sekundäre Endpunkte





Kardialer Tod

18 (1,7 %

16 (1,5 %)

1,09

0,80

Myokardinfarkt

45 (4,2 %)

53 (5,1 %)

0,82

0,32

Revaskularisation Zielläsion

48 (4,5 %)

61 (5,9 %)

0,75

0,14

Revaskularisation Zielgefäßt

70 (6,6 %)

81 (7,8)

0,83

0,25

Gesamtsterblichkeit

41 (3,8 %)

40 (3,9 %)

0,99

0,97

Stentthrombose

28 (2,6 %)

30 (2,8 %)

0,90

0,70

Die Daten lassen die Schlussfolgerung zu, dass der Einsatz dieser beiden Stents bei Patienten unter Praxisbedingungen sicher und wirksam ist.

Quellen:
Galløe AM, et al. Comparison of Paclitaxel- and Sirolimus-eluting stents in everyday clinical practice. The SORT OUT II randomized trial. JAMA 2008;299:409-16.

clinicaltrials.gov Identifier: NCT00388934

Dienstag, 29. Januar 2008

Intravenöses Aprepitant zugelassen

Fosaprepitant-Dimeglumin (IVEMEND) wurde von der europäischen Zulassungsbehörde zur intravenösen Prävention von Übelkeit und Erbrechen nach Chemotherapie zugelassen. Fosaprepitant-Dimeglumin (Abb. 1) ist ein Prodrug von oral applizierbarem Aprepitant (EMEND) (Abb. 2)

Es wird im Körper nach parenteraler Gabe rasch zu Aprepitant dephosphoryliert.
Fosaprepitant kann an Tag 1 der Behandlung vor der Chemotherapie alternativ zur oralen Darreichungsform eingesetzt werden. Das empfohlene Therapieregime für Tag 2 und 3 ist nach wie vor je eine 80-mg-Kapsel EMEND®, um dien Patienten über 5 Tage vor Übelkeit und Erbrechen zu schützen. Die Zulassung basiert auf einer Studie, die die Bioäquivalenz von 115 mg intravenös verabreichtem Fosaprepitant im Vergleich zu 125 mg oral verabreichtem Aprepitant bei guter Verträglichkeit gezeigt hat .

Quellen:
www.emea.europa.eu/pdfs/human/opinion/Ivemend_53703107en.pdf - 2007-12-20
Pressemitteilung MSD Sharp & Dohme vom 29. Januar 2008

Montag, 28. Januar 2008

Blutungen durch Idraparinux

Bei Patienten mit Vorhofflimmern und Schlaganfall-Risiko werden bei Langzeitgabe von Idraparinux signifikant mehr Blutungen beobachtet als bei der Standardbehandlung mit Vitamin-K-Antagonisten. Beide Substanzen sind aber vergleichbar wirksam.
Dies ergab die AMADEUS-Studie, in der Patienten randomisiert entweder subkutan das Idraparinux (2,5 mg wöchentlich) oder Vitamin-K-Antagonisten erhielten.
Idraparinux ist wie Fondaparinux ein Pentasaccharid. Der selektive Faktor-Xa-Hemmer wird von Sanofi-Aventis klinisch entwickelt.

Die Studie wurde nach Randomisierung von 4.576 Patienten (2.283 Idraparinux, 2.293 Vitamin-K-Antagonisten) und einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 10,7 Monaten auf Grund von starken, klinisch relevanten Blutungen in der Idraparinux-Gruppe gestoppt. In der Idraparinux-Gruppe traten 346 Ereignisse verglichen mit 226 Ereignissen in der Antikoagulanzien-Gruppe auf (19,7 gegen 11,3 Ereignisse pro 100 Patientenjahre oder Anstieg von 74 %in der Idraparinux-Gruppe). In 21 Fällen kam es zu intrakraniellen Blutungen unter Idraparinux verglichen mit 9 Fällen in der Antikoagulanzien-Gruppe. Ältere Patienten und Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion hatten ein höheres Risiko für diese Komplikationen. In der Prävention von Schlaganfällen waren beide Substanzen wirksam, 18 Thromboembolien in der Idraparinux-Gruppe und 27 in der Antikoagulanzien-Gruppe wurden beobachtet. Die Zahl der Todesfälle war vergleichbar: 61 in der Idraparinux-Gruppe gegen 62 in der VKA-Gruppe.

Quelle:
The Amadeus Investigators. Comparison of idraparinux with vitamin K antagonists for prevention of thromboembolism in patients with atrial fibrillation: a randomised, open-label, non-inferiority trial. Lancet 2008; 371: 315-321.

Bevacizumab bei metastasiertem Kolorektalkarzinom

Die europäische Zulassungsbehörde hat den Angiogenese-Hemmer Bevacizumab (Avastin) zur Behandlung von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom zugelassen. Bevacizumab kann nun in Kombination mit Fluoropyrimidin-basierten Chemotherapien oder in Kombination mit Capecitabin oder Oxaliplatin als Erstlinien- oder spätere Therapie eingesetzt werden.
Die Zulassungserweiterung basiert auf den Ergebnissen der NO-16966-Studie und der E-3200-Studie.

Quelle:
http://www.roche.com/med-cor-2008-01-28