Sonntag, 11. Januar 2009

Erhöhtes Risiko für Letalität durch Neuroleptika bei Alzheimer-Patienten

Patienten mit Alzheimer-Krankheit, die Neuroleptika erhalten, können eine erhöhtes Sterberisiko haben. In einer britischen Studie wurde bei 128 Patienten über 12 Monate entweder die Therapie mit Neuroleptika (Thioridazin, Chlorpromazin, Haloperidol, Trifluoperazin oder Risperidon) fortgesetzt oder mit einem Plazebo weiter geführt.
Nach zwölf Monaten betrug die kumulative Überlebenswahrscheinlichkeit im Neuroleptika-Arm 70 %, im Plazebo-Arm 77 % . Nach 24 Monaten lebten im Neuroleptika-Arm 46 %, im Plazebo-Arm 72 %, nach 36 Monaten waren es 30 % versus 59 %. Unter Plazebo war das Sterberisiko damit nur halb so hoch (Hazard Ratio 0,58; 0,36-0,92) wie im Neuroleptika-Arm.
Bereits in den Kurzzeitstudien war eine erhöhte Zahl von Todesfällen aufgefallen. Aufgrund einer Meta-Analyse, die ein 50 bis 70 % erhöhtes Letalitätsrisiko ergeben hatte , hatten die FDA und die EMEA Warnungen veranlasst.
Wenn Neuroleptika bei Alzheimer-Patienten erforderlich sind, sollten sie kurzzeitig in möglichst geringer Dosierung eingesetzt werden.

Quellen:
Ballard C, et al. The dementia antipsychotic withdrawal trial (DART-AD): long-term follow-up of a randomised placebo-controlled trial. Lancet Neurology 2009, Online Vorabpublikation.

Freitag, 9. Januar 2009

Arzneimittelinduzierte Leberschäden

Das amerikanische NIH etablierte im Jahr 2003 ein Netzwerk aus akademischen Lehrkrankenhäsuern, um Patienten zu erfassen, die Arzneimittelinduzierte idiosynkratische Leberschädigungen entwickeln.
Im Bericht der ersten 300 Fälle wurden Paracetamol-induzierte Schäden ausgeklammert. In 73 % der Fälle handelte es sich um einzelne Arzneimittel, in 9 % um Nahrungsergänzungen. 46 % der Fälle waren durch Antibiotika und 15 % durch und ZNS-wirksame Substanzen verursacht. Die meisten Fälle (n = 23) wurden durch Amoxicillin/Clavulansäure ausgelöst, je 13 Fälle waren durch Nitrofurantoin, Isoniazid und Co-trimoxazol bedingt.

Quelle:
Chalasani N, et al for the Drug induced Liver Injury Network. Causes, clinical features, and outcomes from a prospective study of drug-induced liver injury in the United States. Gastroenterology 2008;135:e1924

Donnerstag, 8. Januar 2009

Intensive Blutzuckerkontrolle ohne Wirkung auf kardiovaskuläre Komplikationen

Eine intensive Blutglucosekontrolle bei schlecht eingestellten Typ-2-Diabetikern verringert das Risiko für kardiovaskuläre und für mikrovaskuläre Komplikationen nicht. Dies ergab eine amerikanische Studie an 1791 Veteranen, die randomisiert entweder eine intensive blutzuckersenkende Therapie erhielten oder eine Standardtherapie und im Mittel über 5,6 Jahre beobachtet wurden. Die HbA1c-Werte betrugen in der Standardtherapie-Gruppe 8,4 %, in der Intensivgruppe 6,9 %.
Für die Senkung des kardiovaskulären Risikos sind Blutdrucksenkung, Behandlung von Fettstoffwechselstörungen und anderen kardiovaskulären Risikofaktoren wirksamer.

Quelle
Duckworth W, et al. Glucose control and vascular complications in veterans with type-2-diabetes. N Engl J Med. 2009;360:129-139.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Varianten des CYP2C19-Gens verändern Clopidogrel-Wirkung

In drei unabhängig voneinander durchgeführten Studien wurde gezeigt, dass Patienten mit genetischen Variationen im Gen für CYP2C19, die mit Clopidogrel behandelt werden, ein höheres kardiovaskuläres Risiko haben. Patienten mit CYP2C19-Genen mit dem Allel mit reduzierter Funktion bilden weniger aktiven Clopidogrel-Metabolit, der für die Wirkung wichtig ist, als Patienten mit zwei normalen CYP2C19-Allelen.
So konnte u.a. in einer französischen Studie mit 2208 Herzinfarkt-Patienten gezeigt werden, dass bei zwei veränderten Allelen die Rate kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten, die sich einer Koronarintervention unterzogen und Clopidogrel nahmen, 3,6fach höher war.
Möglicherweise bietet sich hier ein Ansatz für eine individualisierte Therapie und in nicht allzu ferner Zukunft werden Patienten, bei denen eine Clopidogrel-Behandlung geplant ist, zunächst genetisch untersucht. Bei Nachweis von Allelen mit reduzierter Funktion wäre eine höhere Clopidogrel-Dosis erforderlich.

Quellen:

Mega JL et al. Cytochrome P-450 polymorphisms and response to clopidogrel. N Engl J Med 2008 Dec 22; [e-pub ahead of print]. (http://dx.doi.org/10.1056/NEJMoa0809171)

Simon T et al. Genetic determinants of response to clopidogrel and cardiovascular events. N Engl J Med 2008 Dec 22; [e-pub ahead of print]. (http://dx.doi.org/10.1056/NEJMoa0808227)

Collet J-P et al. Cytochrome P450 2C19 polymorphism in young patients treated with clopidogrel after myocardial infarction: A cohort study. Lancet 2008 Dec 23; [e-pub ahead of print]. (http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(08)61845-0)

Dienstag, 6. Januar 2009

Akute psychotische Reaktion nach Amoxicillin/Clavulansäure

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft berichtet über den Fall einer 55 Jahre alten Frau, der im BMJ dargestellt ist, die die unter der Verdachtsdiagnose einer Pneumonie Amoxicillin/Clavulansäure erhielt. Nach einer ersten Dosis von 375 mg wurde die Patientin innerhalb von zwei Stunden desorientiert und verwirrt. Bei Vorstellung in einer Rettungsstelle hatte sich die Symptomatik wieder zurückgebildet. Nach erneuter Gabe von 750 mg Amoxicillin/Clavulansäure entwickelte die Frau ein agitiertes Bild mit optischen Halluzinationen, Verfolgungswahn und Sprachstörungen.

Zum kompletten Beitrag:
http://www.akdae.de/20/20/Archiv/2009/20090105.html

Montag, 5. Januar 2009

Rote-Hand-Brief zu Torisel®

Torisel® (Temsirolimus) ist ein Proteinkinase-Inhibitor, der zur First-line-Therapie des fortgeschrittenen Nierenzellkarzinoms zugelassen ist, wenn mindestens drei von sechs definierten prognostischen Risikofaktoren vorliegen. Der Hersteller informiert in einem Rote-Hand-Brief über Infusions-/Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich einiger lebensbedrohlicher und in seltenen Fällen tödlich verlaufener Reaktionen) im Zusammenhang mit der Anwendung von Torisel® und gibt Hinweise zur Überwachung und zu Gegenmaßnahmen.


Rote-Hand-Brief zu Torisel® (Temsirolimus), Wyeth Pharma GmbH vom 05.01.2009: http://www.akdae.de/20/40/Archiv/2009/20090105.pdf


Freitag, 2. Januar 2009

Neue Zulassungsempfehlungen der EMEA - Dezember 2008

Das Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) der EMEA hat in seinem Treffen im Dezember 2008 u. a. für folgende Substanzen eine Zulassung empfohlen:

  • Prasugrel (Efient) von Lilly zur Prävention atherothrombotischer kardiovaskulärer Ereignisse bei Patienten, die sich wegen eines akuten Koronarsyndroms einer perkutanen Koronarintervention unterziehen.
  • Lasofoxifen (Fablyn) von Pfizer zur Behandlung der Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko.
  • Degarelix (Firmagon) von Ferring zur Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakarzinom
  • Influenza Spaltimpfstoff (Intanza, IDflu) von Sanofi Pasteur MSD und Sanofi Pasteur S.A. zur Prophylaxe der Influenza
  • Japanische Enzephalitis-Vakzine (Ixiaro) von Intercell AG zur aktiven Immunisierung gegen japanische Enzephalitis bei Erwachsenen. Orphan Drug.
  • Mifamurtid (Mepact) von IDM Pharma zur Behandlung von nichtmetastasiertem Osteosarkom, Orphan Drug.

Quelle:
Pressemitteilung der EMEA vom 18. Dezember 2008
EMEA: Summary of Opinions

Neue Arzneimittel 2008

Eine tabellarische Aufstellung der neuen Substanzen, die 2008 als Arzneimittel in den Handel gekommen sind, findet sich unter
http://www.medpharm-text.de/service.html
dann 2008 anklicken. Die Tabelle kann durch Klick auf die Kopfzeile nach verschiedenen Gesichtspunkten sortiert werden.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Fallstricke des Medizinjournalismus

Seite 1 bis 3 der Nr. 1/2009 des renommierten New England Journal of Medicine sind den Fallstricken des Medizinjournalismus gewidmet. Susan Dentzer, selbst Journalistin, beklagt unter anderem, dass von Studien zu häufig nur die "News" berichtete werden, und dies zum Teil auch noch falsch. Viel zu wenig würden Studienergebnisse in einen Gesamtzusammenhang gestellt. In 100-Sekunden-Interviews würden komplexe Fragestellungen abgearbeitet.
Wie wahr - aber dies hängt auch mit den Anforderungen der Auftraggeber zusammen. Eine komplexe Studie mit 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen einschließlich Kontext zu beschreiben, ist schlicht nicht möglich. Der Leser will - so die Annahme - lieber kurze Texte lesen.
Es geht einem ja auch selbst so - kurzer Text, schnelle Info. Wenn ich mehr wissen will, kann ich mich ja immer noch drum kümmern. Nur wann?
Und dann weist sie noch auf einen wichtigen Punkt hin: "Although the primary responsibility for improving health-related journalism must lie with journalists, clinicians and researchers can help. When interviewed by journalists about a news development, such as a new study, they hould offer to discuss the broader context, point reporters to any similar or contradictory studies, refer journalists to credible colleagues with differing perspectives, and mention any study limitations or caveats about the results, as well as any potential or real conflicts of interest among the study authors. " Und da liegen natürlich auch viele "Hasen im Pfeffer". Denn die Heerscharen von entsprechend "gebrieften Meinungsbildnern", die uns Journalisten auf unzähligen Pressekonferenzen wie Post-Asco, Post-ASH, Post-Eular oder zu Arzneimittel-Neueinführungen präsentiert werden, sind häufig nicht bereit, diese Anforderungen zu erfüllen.
Die "Tricks" bei den Präsentationen kann man nur mit viel Erfahrung
und viel Hintergrundinformation erkennen.

Quelle:
Dentzer S. Communicating Medical News — Pitfalls of Health Care Journalism. N Engl J Med 2009;360:1-3

DIMDI: Amtliche ATC-Klassifikation mit DDD für das Jahr 2009

Am 1. Januar 2009 tritt die 6. aktualisierte amtliche Fassung der Anatomis-Therapeutisch-
Chemischen Klassifikation (ATC-Klassifikation) inklusive Definierter Tagesdosen (DDD) in Kraft, die das DIMDI auf seinen Webseiten unter "Arzneimittel" bzw. "Klassifikationen" kostenfrei zum Download anbietet. Basis für die amtliche Fassung beim DIMDI ist die internationale ATC/DDD-Klassifikation der WHO, die ebenfalls einmal jährlich aktualisiert wird.
Ziel der im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit herausgegebenen Klassifikation ist es, Tagestherapiekosten von Arzneimitteln angeben zu können. Diese ermöglichen Preisvergleiche mithilfe der DDD-Angaben verschiedener Arzneimittel nach Indikationsgebiet und Wirkstoffgruppen. Die DDD-Angaben dienen als Durchschnittsgröße, die nicht notwendigerweise die im Einzelfall angewendete Dosierung eines Arzneimittels wiedergeben. Entsprechendes gilt für die auf dieser Basis errechneten Tagestherapiekosten.

Download der ATC-Klassifikation 2009 bei DIMDI

Quelle:
http://www.dimdi.de/dynamic/de/amg/aktuelles/news_0252.htm