Dienstag, 23. September 2014

Idelalisib von der EU-Kommission zugelassen


Die EU-Kommission hat Idelalisib (Zydelig, Gilead) in Kombination mit Rituximab für die Behandlung von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) zugelassen, die mindestens eine vorher gehende Therapie erhalten haben oder als Erstlinientherapie bei Patienten mit 17p-Deletion oder TP53-Mutation, die nicht mit einer Chemoimmuntherapie behandelt werden können. Außerdem wurde Idelalisib in Monotherapie bei Patienten mit mit follikulärem Lymphom (FL) zugelassen, die auf mindestens zwei vorher gehende Behandlungen refraktär waren.



Idelalisib ist ein Inhibitor der Phosphatidylinositol-3-kinase p110δ (PI3Kδ), die bei B-Zell-Erkrankungen hyperaktiv ist. Sie spielt für verschiedene Signalwege eine wichtige Rolle, die an Proliferation, Überleben, Homing und Retention von malignen Zellen im Lymphgewebe und Knochenmark beteiligt sind.
Häufigste unerwünschte Wirkungen sind Infektionen, Neutropenie, erhöhte Transaminasen, erhöhte Triglyceride, Diarrhö/Kolitis, Hautausschlag und Fieber.
Als Teil der Zulassung muss ein Pharmakovigilanzprogramm implementiert werden.

Quelle:
Mitteilung der EU-Kommission

Sonntag, 21. September 2014

Dulaglutid von der FDA zugelassen

Die Food and Drug Administration (FDA) hat den GLP-1-Rezeptoragonist Dulaglutid (Trulicity, Lilly) zur subkutanen Injektion bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen.
Wirksamkeit und Verträglichkeit von Dulaglutid wurden als Monotherapie und in Kombination mit anderen Antidiabetika in sechs klinischen Studien mit 3.342 Patienten untersucht. Der Blutzuckerspiegel und der HbA1c-Wert werden durch die Therapie gesenkt.
Dulaglutid soll nicht bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1, bei Patienten mit diabetischer Ketoazidose, mit gastrointestinalen Problemen oder als Erstlinientherapie bei Patienten eingesetzt werden, die mit Diät und Bewegung nicht ausreichend behandelt werden können.
Die Produktinformation enthält einen Warnhinweis, weil bei Nagern unter Dulaglutid Schilddrüsentumoren aufgetreten waren. Es ist jedoch unklar, ob auch beim Menschen Tumoren induziert werden können. Dulaglutid sollte jedoch nicht bei Patienten mit einer familieren Belastung durch ein medulläres Schilddrüsenkarzinom mit bei Patienten mit multiplem endokrinem Neoplasie-Syndrom Typ 2 eingesetzt werden.
Der Hersteller hat von der FDA die Auflage erhalten, noch eine Reihe von Postmarketing-Studien durchzuführen. Die Substanz wurde mit einer Risk Evaluation und Mitigation Strategy (REMS) zugelassen.

Quelle:
Pressemitteilung der FDA vom 18. September 2014

Naloxegol von der FDA zugelassen

Die Food and Drug Administration (FDA) hat Naloxegol (Movantik, AstraZeneca) zur Behandlung von Erwachsenen mit Opioid-induzierter Obstipation zugelassen, die unter chronischen, nicht durch Krebs verursachten Schmerzen leiden.
Naloxegol ist eine pegylierte Form des Opiatantagonisten Naloxon. Die Pegylierung verzögert den Abbau und verhindert, dass Naloxon die Blut-Hirn-Schranke durchdringen kann. Deshalb antagonisiert Naloxegol die analgetische Wirkung der Opiate nicht.
Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden in zwei Phase-III-Studien mit 1.352 Teilnehmern nachgewiesen. Sie hatten Opiate wegen nicht Krebs-bedingter Schmerzen über mindestens vier Wochen genommen und litten unter Obstipation. Im Vergleich zu Plazebo erhöhte sich durch Naloxegol die Zahl der wöchentlichen Stuhlgänge.
Häufige Nebenwirkungen waren abdominale Schmerzen, Durchfall, Kopfschmerzen und Blähungen.

Quelle:
Pressemitteilung der FDA vom 16. September 2014

Montag, 15. September 2014

Raltegravir als Granulat zugelassen

Die EU-Kommission hat den Integrasehemmer Raltegravir (Isentress, MSD Sharp & Dohme) als Granulat zugelassen. Es wird zur Herstellung einer Suspension für die Gabe an HIV-1-infizierte Säuglinge und Kleinkinder eingesetzt. Sie können mit Raltegravir ab einem Alter von vier Wochen in Kombination mit anderen antiretroviralen Medikamenten behandelt werden.
Die europäische Zulassung des Raltegravir-Granulats basiert auf 48-Wochen Daten zur Sicherheit, Verträglichkeit, Pharmakokinetik und Wirksamkeit der neuen pädiatrischen Darreichungsform. Diese wurden im Rahmen der multizentrischen, offenen Phase-I/II-Studie IMPAACT P1066 bei 26 HIV-1-infizierten, vorbehandelten Kindern im Alter von vier Wochen bis zwei Jahren erhoben.

Freitag, 12. September 2014

Agomelatin: PRAC empfiehlt strengere Überwachung der Leberfunktion

Das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC)  hat auf seiner Sitzung im September beschlossen, für Agomelatin (Valdoxan/Thmanax) weitere Maßnahmen zur Minimierung des Risikos von Leberschäden zu empfehlen. So sollen die Leberfunktion vor Beginn der Behandlung und regelmäßig während der Behandlung untersucht werden.
Weil für Patienten über 75 Jahren keine Wirksamkeitsbelege vorliegen und diese Altersgruppe eine höheres Risiko schwerer Nebenwirkungen hat, empfiehlt das PRAC, dass der Einsatz von Agomelatin bei Patienten über 75 Jahre kontraindiziert sein soll.
Die Fachöffentlichkeit soll über diese Änderungen in einem Brief informiert werden.
Die Empfehlungen des PRAC gegen nun an den Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP), der in seiner Sitzung Ende September über die zu ergreifenden Maßnahmen beschließen wird.

Quelle
Mitteilung der EMA vom 12. September 2014

Montag, 8. September 2014

Tocilizumab: EU-Kommission erweitert Zulassung

Die EU-Kommission hat die Zulassung von Tocilizumab (Roactemra, Roche) erweitert. Es kann nun auch für die Behandlung der schweren, aktiven und progressiven rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, die nicht mit Methotrexat vorbehandelt sind, eingesetzt werden können.
Damit kann der Interleukin-6-Blocker auch bei Patienten mit früher rheumatoider Arthritis eingesetzt werden.

Pembrolizumab von der FDA beschleunigt zugelassen

Die Food and Drug Administration (FDA) hat den PD1-Blocker Pembrolizumab (Keytruda, MSD Sharp & Dohme) beschleunigt als Breakthrough-Therapie für die Behandlung von Patienten mit nicht resektablem oder metastasiertem  Melanom und Progression nach Behandlung mit Ipilimumab oder einen BRAF-Hemmer zugelassen.
Pembrolizumab ist ein humanisierter Antikörper, der gegen PD-1 (Programmed Death) gerichtet ist. Er blockiert die Interaktion von PD-1 auf T-Zellen mit seinen Liganden PD-L1 und PD-L2. Hierdurch kann das körpereigene Abwehrsystem gegen Tumoren reaktiviert werden. Pembrolizumab wird derzeit bei mehr als 30 Krebsformen untersucht.
Die Zulassung basierte auf den Ergebnissen einer multizentrischen, offenen, randomisierten Kohorte in Studie P001. 173 Patienten mit nicht resektablem oder metastasiertem  Melanom mit einer Krankheitsprogression innerhalb von 24 Wochen nach der letzten Dosis von Ipilimumab oder eines BRAF-Hemmers bei BRAF-V-600-Mutation erhielten randomisiert Pembrolizumab intravenös 2 mg/kg (n = 89) oder 10 mg/kg (n = 84) alle drei Wochen bis zur Progression der Erkrankung oder bis zur inakzeptablen Toxizität. Die objektive Ansprechrate betrug 24 % im 2-mg-Arm (1 CR, 20 PR). Ähnliche Raten wurden mit 10 mg/kg erzielt.
Als Auflage der FDA muss MSD Sharp & Dohme eine multizentrische, randomisierte Studie durchführen, in der die Überlegenheit von Pembrolizumab im Vergleich zur Standardtherapie nachgewiesen wird. Derzeit laufen zwei multizentrische randomisierte Studien bei Patienten mit nicht resektablem oder metastasiertem  Melanom. In Studie P002 werden Ipilimumab-refraktäre Patienten und in Studie P006 Ipilimumab-naive Patienten behandelt. Primäre Endpunkte sind jeweils PFS und OS.

Quelle:
Mitteilung der FDA vom 4. September 2014


Mittwoch, 3. September 2014

Denosumab: Rote-Hand-Briefe zu Kieferosteonekrosen und Hypokalzämien

Der Hersteller informiert in zwei Rote-Hand-Briefen über Maßnahmen, um das Risiko für Kieferosteonekrosen und Hypokalzämien unter Denosumab (Prolia, Xgegva, Amgen) zu minimieren.

Denosumab ist ein humaner monoklonaler Antikörper, der die Bildung, die Funktion und das Überleben von Osteoklasten hemmt und so die Knochenresorption im kortikalen und trabekulären Knochen vermindert.
Bei Patienten, die Prolia® erhalten sollen und Risikofaktoren für Kieferosteonekrosen aufweisen, sowie bei allen Patienten, die Xgeva® erhalten sollen, wird eine zahnärztliche Untersuchung mit angemessener präventiver Zahnbehandlung vor Therapiebeginn empfohlen (Details siehe Rote-Hand-Briefe). Während der Behandlung soll der Patient eine gute Mundhygiene einhalten, zahnärztliche Routineuntersuchungen durchführen lassen und unverzüglich alle Symptome im Mundraum wie bewegliche Zähne, Schmerzen oder Schwellungen berichten.
Denosumab hemmt den Knochenabbau durch Osteoklasten, wodurch die Freisetzung von Kalzium aus dem Knochen in die Blutbahn verringert wird. Hypokalzämie ist ein bekanntes Risiko bei Behandlung mit Denosumab, das sich mit steigendem Grad einer Nierenfunktionsstörung erhöht. Vor Beginn der Therapie muss eine bestehende Hypokalzämie korrigiert werden. Eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D ist bei allen Patienten wichtig; außer bei bestehender Hyperkalzämie ist bei Therapie mit Xgeva® eine Ergänzung mit Kalzium und Vitamin D erforderlich. Der Kalziumspiegel ist regelmäßig zu kontrollieren (Details siehe Rote-Hand-Briefe). Patienten sollen Symptome berichten, die auf eine Hypokalzämie hinweisen.

Quellen:
Drug Safety Mail der AkdÄ vom 3. September 2014
Rote-Hand-Brief zu Prolia
Rote-Hand-Brief zu Xgeva

Mittwoch, 27. August 2014

Daclatasvir von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat Daclatasvir (Daklinza, BMS) für die Behandlung der chronischen HCV-Infektion bei Erwachsenen in Kombination mit anderen Arzneimitteln zugelassen.

Daclatasvir ist ein pan-genotypischer (in vitro) NS5A-Replikationskomplex-Inhibitor, der die RNS-Replikation der Viren und die Anreicherung von Virionen hemmt.


In Kombination mit anderen antiviralen Arzneistoffen wie Sofosbuvir kann Daclatasvir zur Viruseradikation in infizierten Zellen und damit zu einer Heilung einer chronischen Hepatitis-C-Infektion führen. Diese Kombination kann auch bei Patienten eingesetzt werden, für die bislang keine ausreichenden Therapieoptionen zur Verfügung standen. Mit 12 oder 24 Wochen ist die Dauer der Behandlung wesentlich kürzer als bei Interferon- oder Ribavirin-basierten Therapien, die 48 Wochen dauern.

Dienstag, 19. August 2014

Beta-Interferone: Risiko einer thrombotischen Mikroangiopathie und eines nephrotischen Syndroms

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) informiert über das Risiko einer thrombotischen Mikroangiopathie (thrombotisch-thrombozytopenische Purpura bzw. hämolytisch-urämisches Syndrom) und eines nephrotischen Syndroms im Zusammenhang mit der Anwendung von Beta-Interferonen. Die Erkrankungen können mehrere Wochen bis Jahre nach Beginn der Behandlung auftreten.
Die thrombotische Mikroangiopathie ist eine schwerwiegende Erkrankung und gekennzeichnet durch Thrombozytopenie, Hypertonie, Fieber, ZNS-Symptome (z. B. Verwirrtheit, Parese) und eine eingeschränkte Nierenfunktion. Bei Auftreten verdächtiger Symptome unter Behandlung mit Beta-Interferon werden eine Kontrolle der Thrombozyten, der Serum-Laktatdehydrogenase (LDH), der Nierenfunktion sowie ein Blutausstrich auf Schistozyten (fragmentierte Erythrozyten) empfohlen. In Bezug auf ein nephrotisches Syndrom (Proteinurie, eingeschränkte Nierenfunktion und Ödeme) sollte die Nierenfunktion regelmäßig überprüft und auf entsprechende Symptome geachtet werden. Beide Erkrankungen machen eine sofortige Behandlung und ggf. das Absetzen von Beta-Interferon erforderlich.

Quelle:
AkdÄ Drug Safety Mail vom 19.8.2014