Dienstag, 15. April 2008

CSE-Hemmer senken Blutdruck

CSE-Hemmer können einen erhöhten Blutdruck moderat, aber signifikant senken. Dies ergab eine randomisierte, doppelblind und plazebokontrolliert durchgeführte Studie mit 973 Hypertonikern, die entweder mit Simvastatin 20 mg, Pravastatin 40 mg oder Plazebo behandelt wurden. Sie hatten keine anderen kardiovaskulären Erkrankungen und keinen Diabetes mellitus, der HDL-Cholesterol-Wert lag zwischen 115 bis 190 mg/dl.
Die CSE-Hemmer senkten den erhöhten Blutdruck im Vergleich zu Plazebo um diastolisch 2,4 mmHg und systolisch um 2,2 mmHg. Möglicherweise sind die günstigen Wirkungen von CSE-Hemmern auf das Risiko für Schlaganfall und kardiovaskuläre Ereignisse auf diese blutdrucksenkenden Eigenschaften zurück zu führen.

Quelle:
Golomb BA, Dimsdale JE, et al.
Reduction in blood pressure with statins. Results from the UCSD statin study, a randomized trial. Arch Intern Med. 2008;168:721-27.
http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/abstract/168/7/721?etoc

Herzinfarkt bei Frauen durch Psychostress

Männer erleiden einen Herzinfarkt eher durch Körperstress, Frauen durch Psychostress. Frauen leiden mehr unter den Folgen von psychosozialem Stress, unter Stress in Partnerschaft und Familie und unter Psychoterror im Beruf. Gemobbten Frauen kann man nur den guten Rat geben, ihrer Gesundheit und ihrem Wohlbefinden zu liebe möglichst rasch den Arbeitsplatz zu wechseln.
Herzinfarkte treten bei Frauen und Männern gleich häufig auf, allerdings bei Männern zehn Jahre früher. Männer leiden unter aggressiveren Formen der koronaren Herzkrankheit, sie leiden häufiger unter Dreigefäßerkrankungen und multiplen Stenosen, während bei Frauen mehr Durchblutungsstörungen bei normalen Kranzarterien zu sehen sind.
Estrogene spielen bei den geschlechtsspezifischen Unterschieden des kardiovaskulären Risikos eine wichtige Rolle. Sie wirken vasoprotektiv und antihypertroph, während Testosteron proinflammatorisch und prohypertroph wirkt.
Männer haben ein höheres kardiales Risiko. Sie werden aber besser diagnostiziert und behandelt. Frauen haben ein niedrigeres Risiko und werden schlechter diagnostiziert und behandelt. Aus den Daten kann der Schluss gezogen werden, dass weibliches Geschlecht so gut ist wie ein Betablocker.

Quellen:
Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Göttingen, Prof. Dr. Vera Regitz-Zagrosek, Berlin, Symposium „Frauen sind anders – Männer auch“ im Rahmen der 114 Tagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Wiesbaden, 31. März 2008.
Eigene Erfahrungen



Apotheker im Team verbessern Behandlung von Herzinsuffizienz-Patienten

Befindet sich ein Apotheker im Behandlungsteam von Patienten mit Herzinsuffizienz, reduziert dies das Risiko für erneute Krankenhausaufnahmen. Dies ergab eine Analyse von zwölf randomisierten, kontrollierten Studien mit 2060 Patienten, in denen Apotheker ins therapeutische Team integriert waren. Das Ausmaß der Integration und die pharmazeutischen Aufgaben schwankten verständlicherweise bei den einzelnen Studien.

Quelle:
Koshman SL, et al. Pharmacist care of patients with heart failure. Arch Intern Med. 2008;168:687-94.
http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/abstract/168/7/687?etoc

Freitag, 11. April 2008

Pemetrexed beim NSCLC zugelassen

Die EMEA hat am 10. April Pemetrexed (Alimta) für die Erstlinientherapie des fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) zugelassen, und zwar in Kombination mit Cisplatin bei Patienten mit vorwiegend Nicht-Plattenepithelkarzinomen, also Adenokarzinomen und großzelligen Karzinomen.
Die Empfehlung basiert auf den Ergebnissen einer Phase-III-Studie, in der Pemetrexed plus Cisplatin und Gemcitabin plus Cisplatin randomisiert in der Erstlinientherapie bei 1.725 nicht zytostatisch vorbehandelten Patienten mit NSCLC in den Stadien III/IV verglichen wurden. Beide Therapien wurden bis zu sechs Mal alle drei Wochen verabreicht. Die Studie war auf Nichtunterlegenheit angelegt, die auch gezeigt werden konnte. In beiden Armen war mit Überlebenszeit mit jeweils 10,3 Monaten identisch. Bei den mit Pemetrexed plus Cisplatin behandelten Patienten wurden jedoch signifikant weniger Nebenwirkungen gesehen.
In Abhängigkeit von der Tumorhistologie konnten jedoch Unterschiede gesehen werden: Insbesondere Patienten mit Nicht-Plattenepithelkarzinomen hatten mit Pemetrexed/Cisplatin ein besseres Überleben von 11,8 Monaten im Median zu 10,4 Monaten im Median in der Vergleichsgruppe. Bei Plattenepithelkarzinomen überlebten die Patienten der Gemcitabin-Gruppe länger (10,8 versus 9,4 Monate).
Diese Ergebnisse zeigen, dass eine individualisierte Therapie beim NSCLC sinnvoll ist.


Pemetrexed ist ein Enzymhemmer, der an mehreren Stellen in die DNS- und RNS-Synthese eingreift.

Quellen:
Pressemitteilung der Firma Lilly, 10. April 2008
http://medpharmtext.blogspot.com/2008/03/pemetrexed-beim-nsclc.html

Der neue Mutschler

Für mich ist er das deutschsprachige Pharmakologie-Lehrbuch schlechthin: Mutschler, Arzneimittelwirkungen. Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. Gerade ist die 9., vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage erschienen: inhaltlich topaktuell und graphisch konsequent durchgestaltet. Das didaktische Konzept des Buches, das sich ja gut bewährt ist, ist beibehalten worden. Es wird durch die graphische Gestaltung nun noch stärker unterstützt.
Wesentliche Neuerung ist, dass zu den einzelnen Bereichen Therapieempfehlungen der Fachgesellschaften aufgenommen wurden. Zusätzlich neu im allgemeinen Teil sind z. B. Kapitel wie Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit, Stammzelltherapie oder zu diversen Formen von Innovationen. Im speziellen Teil neu aufgenommen wurden u. a. Kapitel zu Orphan Drugs, Wunden, androgenetischer Alopezie, Kinasehemmer, Arzneimittel-beschichteten Stents, Feigwarzen, Makuladegeneration, Proteasom-Inhibitoren, pulmonale Hypertonie....
Bei den Arzneistoffen werden nun z. B. auch Echinocandine, Cholesterol-Resorptionshemmer, Endothelin-Antagonisten, neue Antidiabetika und Neurokinin-Rezeptorantagonisten besprochen. Auch die Toxikologie wurde natürlich aktualisiert und ergänzt.
Besonders bemerkenswert sind die zahlreichen Strukturformeln, die nach IUPAC neu gezeichnet wurden.

Ein Verzeichnis weiterer Lehrbücher, ein Glossar zu medizinischen Fachausdrücken und ein sehr umfangreiches Sachregister runden das Werk ab.
Für jeden, der sich für Arzneimittel und Arzneimittelwirkungen interessiert, ist der Mutschler ein Muss, bei dem die Kosten-Nutzen-Relation mehr als günstig ist.

Mutschler, Ernst / Geisslinger, Gerd / Kroemer, Heyo K. / Ruth, Peter / Schäfer-Korting, Monika: Mutschler Arzneimittelwirkungen
Mit einführenden Kapiteln in die Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie. 9. , vollständig neu bearbeitete und erweiterte Auflage. XXVI, 1243 S., 360 farb. Abb., 264 s/w Tab.
1357 Strukturformeln, Gebunden. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008
Subskriptionspreis bis 30.06.2008: € 59,00 / sFr 100,30

Donnerstag, 10. April 2008

Intensive LDL-Senkung und Blutdrucksenkung bei Diabetikern reduziert kardiovaskuläres Risiko

Bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 verringert eine aggressive Senkung des LDL-Cholesterolwerts und des Blutdrucks das kardiovaskuläre Risiko. Dies ergab die SANDS (Stop Atherosclerosis in native diabetetics study), eine randomisierte, offene, über drei Jahre laufende Untersuchung. In die Studie wurden etwa 500 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 ohne vorherige kardiovaskuläre Ereignisse aufgenommen. Randomisiert wurden sie mit einer aggressiven LDL-Cholesterol- (auf 70 mg/dl) und Blutdruck-senkenden (RR unter 130 mm Hg) oder Standardtherapie über drei Jahre behandelt.
Die Intima-Media-Dicke nahm in der aggressiv behandelten Gruppe ab und in der Standardgruppe zu. Außdem sank die linksventrikuläre Masse in der aggressiv behandelten Gruppe. Klinisch wurden allerdings keine Unterschiede zwischen den Gruppen beobachtet.

Quellen:
Hovard BV, et al. Effect of lower targets for blood pressure and LDL cholesterol on atherosclerosis in diabetes. JAMA 2008; 299:1679-1689

http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/299/14/1678
NCT00047424

Lungenkrebs durch inhalierbares Insulin?

Bei Patienten, die das inhalierbare Insulin (Exubera) anwendeten, wurde eine erhöhte Inzidenz von Lungenkrebs beobachtet. Die Firma Pfizer teilte mit, dass in Daten aus klinischen Studien 56 von 4.740 mit Exubera behandelten Patienten an Lungenkrebs erkrankt sind, während es in den Vergleichsgruppen 1 von 4.292 Patienten war. In einer Postmarketing-Studie erkrankte ein weiterer Patient an Lungenkrebs. Alle Patienten hatten geraucht.
Pfizer hatte Exubera im Oktober 2007 wegen schleppender Umsätze aus dem Handel genommen.
Quellen:
http://www.fda.gov/medwatch/safety/2008/safety08.htm#exubera
http://www.pfizer.com/news/press_releases/pfizer_press_releases.jsp?rssUrl=http://mediaroom.pfizer.com/portal/site/pfizer/index.jsp?ndmViewId=news_view&ndmConfigId=1010794&newsId=20080409005647&newsLang=en

Dienstag, 8. April 2008

Leitlinien therapieresistente Hypertonie

Die American Heart Association (AHA) hat Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit therapieresistenter Hypertonie publiziert, die unter anderem folgende Empfehlungen beinhalten:
  • Sorgfalt bei der Blutdruckmessung, die Messtechnik selbst kann zu falschen Diagnosen führen
  • Weißkittel-Effekt ausschließen
  • Nach möglichen weiteren Ursachen der Hypertonie suchen wie Schlafapnoe, Nierenarterienstenose oder primärer Aldosteronismus
  • Körpergewicht senken, mäßiger Alkoholgenuss, Salzeinschränkung
  • Optimierung der Diuretika-Therapie, eventuell zusätzliche Gabe eines Mineralocorticoid-Rezeptorantagonisten
  • Kombination von Antihypertonika mit verschiedenen Angriffspunkten, wie ACE-Hemmer und Calciumkanalblocker.
Quelle:
http://hyper.ahajournals.org/cgi/reprint/HYPERTENSIONAHA.108.189141v1.pdf

Onko-Pipeline bei MSD SHARP & DOHME

In der Pipeline des amerikanischen Pharmakonzern befinden sich zahlreiche Substanzen, die für die Behandlung von Krebskrankheiten entwickelt werden, z. B.

Vorinostat: Histondesacetylase-Hemmer (HDAC-Hemmer), der in den USA als Zolinza im Handel ist. Es ist derzeit zur Behandlung des kutanen T-Zell-Lymphoms vorgesehen.Siehe auch: http://medpharmtext.blogspot.com/search/label/Vorinostat

Deforolimus:
mTOR-Hemmer der bei Patienten mit soliden und hämatologischen Tumoren geprüft wird.

MK-0457 (VX680):
Aurorakinase-Hemmer, befindet sich in Phase II bei Patienten mit soliden und hämotologischen Tumoren.

MK-0822:
Cathepsin-K-Inhibitor (Cat-K-Inhibitor), wird bei Knochenmetastasen von Patienten mit soliden Tumoren geprüft.

V-930:
Tumorvakzine, die eine Immunantwort gegen die Tumor-assoziierten Antigene CEA und HER2 stimulierten könnte. Derzeit in Phase-I-Studien bei Patienten mit soliden Tumoren.

MK-0752:
Gamma-Secretase-Hemmer (Notch-Hemmer), wird in Phase-I-Studien bei Patienten mit soliden Tumoren geprüft.

MK-0646:
Inhibitor des Insulin-like Growth Factor Receptor (IGF-1R), in Phase I bei Patienten mit soliden und hämotologischen Tumoren.

Quelle:
36. MSD-Diskussion, Wiesbaden, 30. März 2008

Montag, 7. April 2008

CONGRESS ON DEMAND - Deutscher Krebskongress im Internet

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. bietet dem interessierten Fachpublikum auf ihrem Internetportal www.krebsgesellschaft.de einen neuen, flexiblen Zugang zu Informationen und neuesten Daten.

Es ist gelungen, zahlreiche Vorträge online bereit zu stellen. Der Deutsche Krebs-Kongress selbst ist mit knapp 8.000 Teilnehmern und rund 1.500 Vorträgen der wichtigste Krebskongress in Deutschland und die bestimmende Plattform für neue Behandlungsmöglichkeiten und Trends in der onkologischen Medizin mit interdisziplinärerer Ausrichtung. Auf dem Internetportal der Deutschen Krebsgesellschaft sind die Vorträge des diesjährigen Kongresses unter „DKK on demand“ abrufbar.