Montag, 8. September 2008

Fünf Todesfälle durch Botulinumtoxin?

Das Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte zu Botulinumtoxin:
"Dem BfArM liegen seit der erstmaligen Zulassung von Botulinumtoxin etwa 210 Berichte über Verdachtsfälle unerwünschter Wirkungen jeglicher Art und aller Schweregrade vor. Unter den Berichten über schwerwiegende Wirkungen sind auch fünf Berichte, in denen ein tödlicher Verlauf beschrieben wird. Die Patienten erhielten Botulinumtoxin wegen Bewegungsstörungen aufgrund schwerer Erkrankungen, z.B. ZNS-bedingte Muskelkrämpfe oder Bewegungsstörungen. In keinem dieser Fälle ist ein ursächlicher Zusammenhang mit der Anwendung von Botulinumtoxin sicher erwiesen. Berichte über schwerwiegende oder gar tödlich verlaufene Nebenwirkungen nach Anwendung von Botulinumtoxin zu kosmetischen Zwecken liegen dem BfArM nicht vor. "

Quelle:
http://www.bfarm.de/cln_029/nn_424276/DE/Pharmakovigilanz/risikoinfo/botulinumtoxin.html__nnn=true

FDA: Arzneimittel unter Beobachtung

Die amerikanische FDA hat eine Liste mit 20 Arzneimitteln veröffentlicht, bei denen im ersten Quartal 2008 neue Berichte zu ernst zu nehmenden Nebenwirkungen bekannt wurden. Die Listung bedeutet nicht, dass die FDA in dem Arzneimittel ein spezielles Risiko sieht oder dass gar ein Zusammenhang mit der genannten Nebenwirkung besteht. Es besteht möglicherweise ein Sicherheitsrisiko, das aber erst geklärt werden muss.

Zur Liste

Quelle:
Pressemitteilung der FDA

Freitag, 5. September 2008

Lacosamid zugelassen

Die EMEA hat am 3. September 2008 Lacosamid (Vimpat) als Zusatztherapie bei Krampfanfällen mit oder oder sekundäre Generalisierung bei Patienten mit Epilepsie im Alter ab 16 Jahren (mehr zu Lacosamid in diesem Blog).

Lacosamid steht als orale und intravenöse Darreichungsform zur Verfügung.

Mittwoch, 3. September 2008

Krebs, Ernährung und körperliche Aktivität

Der World Cancer Research Fund (WCRF) hat einen aktualisierten Bericht zum Einfluss von Ernährung und Bewegung auf die Krebsprävention vorgelegt, dessen Ergebnisse und Empfehlungen bei einem Symposium im Rahmen des Weltkrebskongresses der UICC am 28. August in Genf vorgestellt wurden.
Im Zentrum des Berichts steht eine wissenschaftliche systematische Bewertung der veröffentlichten Literatur, die von Expertengruppen nach vordefinierten Kriterien beurteilt wurde. Hieraus wurden entsprechende Empfehlungen abgeleitet.
Die Empfehlungen entsprechen weitgehend denen zur Prävention von Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bieten also dem „Nutzer“ vielfältige Vorteile. Deshalb fasste Dr. Hillary Powell, Sheffield (UK), sie wie folgt zusammen: „ Eat, drink, be happy and healthy – but follow these recommendations”.
Der 517 Seiten umfassende Bericht ist online verfügbar unter
www.dietandcancerreport.org oder kann unter dieser Adresse als Druckverson bestellt werden.

Kenntnisse über Krebs

Die International Union Against Cancer (UICC) analysierte mit einer Umfrage in 29 Ländern, welche Kenntnisse und Meinungen die Bevölkerung zur Prophylaxe und Therapie von Krebserkrankungen hat. So sind Menschen in reichen Ländern zu 83 % der Meinung, dass es gute Möglichkeiten zur Heilung von Krebserkrankungen gibt, während dies in Ländern mit mittlerem und geringem Einkommen nur 61 bzw. 52 % glauben. Je höher das Einkommen in einem Land, umso mehr Alkohol wird getrunken. Interessanterweise glaubten die Personen, die mehr Alkohol tranken, eher weniger an einen Zusammenhang von Alkohol mit Krebserkrankungen.
Risikofaktoren für Krebs werden häufig falsch eingeschätzt. So glauben die meisten Menschen, dass die Umweltverschmutzung das Krebsrisiko erhöht, tatsächlich spielt sie aber nur eine untergeordnete Rolle. Übergewicht sehen relativ wenig Befragte als Risikofaktor an, obwohl es nachgewiesen ein wichtiger Risikofaktor für Krebs ist. Dies spiegelt eine häufiges Verhaltensphänomen wider: der Mensch akzeptiert eher solche Risikofaktoren, die er nicht direkt kontrollieren kann – wie Umweltverschmutzung – als solche, an denen er selbst beteiligt ist wie Adipositas.
Quellen:
www.uicc.org/
www.cancervic.org.au/uicc

Montag, 1. September 2008

Etravirin zugelassen

Das nicht-nukleotidische reverse-Transcriptase-Hemmer (NNRTI) Etravirin ist von der EMEA am 28. August 2008 zugelassen worden. Etravirin wird in Deutschland als Intelence® von Tibotec, einer Firma von Janssen-Cilag, vertrieben. Etravirin ist für therapieerfahrene erwachsene Patienten in Kombination mit einem geboosterten Proteaseinhibitor und anderen antiretroviralen Medikamenten zur Behandlung von HIV-1 zugelassen.



Mehr zu Etravirin in diesem Blog.


Quelle:
Pressemitteilung der Firma Janssen-Cilag GmbH vom 1. 9. 08

Tabak tötet

mehr als die Hälfte der Konsumenten durch Krebs-, Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Darüber hinaus kostet es den Raucher und die Allgemeinheit viel Geld.
Sir Richard Peto formulierte beim Weltkrebskongress in Genf am 28. August 2008 drei Kernbotschaften zum Tabakkonsum:
  • Das Risiko ist hoch, mehr als die Hälfte der Konsumenten stirbt an den Folgen
  • 25 Prozent sterben im mittleren Alter zwischen 35 und 69 Jahren und verlieren damit wertvolle Lebenszeit
  • Aufgabe des Rauchens wirkt
Quelle der Abbildung: G. Dubois (Amiens, Frankreich)

Keine andere Intervention hatte bislang derart nützliche Folgen auf die Prävention verschiedener Erkrankungen, wie die Kontrolle des Tabakkonsums.

Mittwoch, 20. August 2008

Zoledronsäure verhindert Knochenverlust durch endokrine Behandlung

Das Bisphosphonat Zoledronsäure verhindert bei Frauen mit Brustkrebs, die eine adjuvante endokrine Therapie erhalten, einen Knochenverlust und verbessert die Knochendichte. Dies ergab eine Substudie der ABCSG-12-Studie (http://medpharmtext.blogspot.com/2008/06/zoledronsure-hat-antitumor-wirkung.html).
404 Frauen dieser Studie wurden prospektiv in eine Substudie eingeschlossen, in der die Knochenmineraldichte nach 6, 12, 36 und 60 Monaten gemessen wurden. Primärer Endpunkt der Substudie war die Knochenmineraldichte nach 12 Monaten. Bei den 199 Frauen, die die endokrine Therapie allein erhielten war die Knochendichte im Vergleich zum Ausgangswert signifikant niedriger, als bei den 205 Frauen, die zusätzlich Zoledronsäure erhielten. Nach 5 Jahren Therapie waren die Knochenmineralwerte in der Zoledronsäure-Gruppe sogar höher als die Ausgangswerte.

Quelle:
Gnant M, et al.
Adjuvant endocrine therapy plus zoledronic acid in premenopausal women with early-stage breast cancer: 5-year follow-up of the ABCSG-12 bone-mineral density substudy. Lancet Oncology, Early Online Publication 20. 8. 2008
http://www.thelancet.com/journals/lanonc/article/PIIS1470204508702043/abstract?isEOP=true

Sonntag, 17. August 2008

Partielle Mondfinsternis

Etwas anderes Thema, war aber interessant:


So sah die partielle Mo-Fi am16. August um etwa 23 Uhr in Reutlingen aus.

Mittwoch, 6. August 2008

Carbapenem Doripenem zugelassen

Das parenteral applizierbare Carbapenem Doripenem (Doribax®) wurde am 25. Juli 2008 von der europäischen Arzneimittelbehörde für die Behandlung von nosokomialen Pneumonien, komplizierten intraabdominalen Infektionen und komplizierten Harnwegsinfektionen zugelassen. Das zur Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika gehörende Doripenem ist ein synthetisch hergestelltes 1-ß-Methylcarbapenem. In Position 2 des fünfgliedrigen Rings ist Doripenem im Unterschied zu Meropenem mit einer Sulfamoylaminomethyl-Gruppierung substituiert, die dem Molekül eine hohe Aktivität sowohl gegen gramnegative als auch gegen grampositive Erreger verleiht.



Es wirkt in vitro gegen gramnegative Erreger vergleichbar gut wie Meropenem und gegen grampositive Bakterien vergleichbar gut wie Imipenem. Die Aktivität gegen den Problemkeim Pseudomonas aeruginosa ist besser, das Risiko für eine Resistenzentwicklung geringer als bei den bisher verfügbaren Carbapenemen. Eine hohe Aktivität zeigt Doripenem gegen Acinetobacter baumannii und gegen Erreger, die Beta-Lactamasen mit erweitertem Spektrum (ESBL) produzieren.

Quelle:
Pressekonferenz Janssen-Cilag in Düsseldorf, 6. August 2008.