Bestimmte Arzneimittel gelten als potenziell inadäquate Medikation (PIM) bei älteren Patienten infolge eines erhöhten Risikos für unerwünschte Arzneimittelereignisse. Internationale PIM-Listen sind aufgrund von Unterschieden in Marktgegebenheiten und Verschreibungsverhalten nur begrenzt auf Deutschland übertragbar.
Ziel war die Erstellung einer deutschen Liste mit Arzneistoffen, die bei älteren Menschen vermieden werden sollten. Nach Literaturrecherche und qualitativer Analyse internationaler PIM-Listen erfolgte die Zusammenstellung einer vorläufigen, an den deutschen Arzneimittelmarkt angepassten PIM-Liste. Die deutsche PIM-Liste wurde nach einer zwei Runden umfassenden, strukturierten Expertenbefragung (Delphi-Methode) erstellt.
83 Arzneistoffe aus 18 Arzneistoffklassen wurden als potenziell inadäquat für ältere Patienten bewertet. Für 46 Arzneistoffe konnte auch nach der zweiten Befragungsrunde kein eindeutiges Ergebnis erzielt werden. Falls eine potenziell ungeeignete Medikation nicht vermieden werden kann, beinhaltet die nun vorliegende PRISCUS-Liste Empfehlungen für die klinische Praxis, beispielsweise Überwachungs-Parameter oder Dosisanpassungen. Ferner werden Therapiealternativen genannt.
Potenziell inadäquate Medikation im Alter gilt als Risikofaktor für unerwünschte Ereignisse. Grenze des Experten-basierten Verfahrens ist in erster Linie die mangelnde Evidenz für die Bewertung, Angaben von Alternativen und Überwachungshinweisen. Für die PRISCUS-Liste gilt wie für internationale Listen, dass Ihre Validität und Praktikabilität belegt werden muss. Sie sollte daher in ein geriatrisches Pharmakotherapiekonzept unter Vermeidung von Polypharmakotherapie, Interaktionen sowie regelmäßiger Dosisüberprüfung eingebunden werden.
Quellen:
Holt S, Schmiedl S, Thürmann PA. Potenziell inadäquate Medikation für ältere Menschen: Die PRISCUS-List. Dt Ärztebl 2010;107:543-51.
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Mittwoch, 11. August 2010
Mittwoch, 22. Juli 2009
Brustkrebs: Capecitabin nicht bei Älteren
Eine Standard-Chemotherapie ist bei Mammakarzinom-Patientinnen über 65 Jahren in der adjuvanten Therapie besser wirksam als Capecitabin. Bei der Auswahl der Chemotherapie sollten mit Blick auf die kardiotoxischen Effekte eher neuere nichtanthracyclinhaltige Schemata in Betracht gezogen werden.
Dies ergab die Studie 49907 der Cancer and Leukemia Group B (CALGB), in der Wirksamkeit und Verträglichkeit einer adjuvanten Therapie mit Capecitabin oder einer Chemotherapie aus Cyclophosphamid, Methotrexat und Fluorouracil (CMF) bzw. Doxorubicin und Cyclophosphamid verglichen wurden.
Aufgenommen wurden 633 Frauen im Alter ab 65 Jahren in gutem Allgemeinzustand, die an einem operablen Adenokarzinom der Brust litten. Nach der ersten Zwischenanalyse wurden wegen Unterlegenheit von Capecitabin keine weiteren Frauen mehr in die Studie aufgenommen. Die mediane Nachbeobachtungszeit zum Zeitpunkt der Datenanalyse betrug 2,4 Jahre. Die Rückfall- und Sterberaten waren in der Capecitabin-Gruppe fast doppelt so hoch, wie in der Chemotherapie-Gruppe. Die Hazard-Ratio für rückfallfreies Überleben unter Capecitabin versus Chemotherapie betrug 2,09 (1,38 – 3,17, p < 0,001), für das Gesamtüberleben 1,85 (1,11-3,08, p = 0,02). Nach drei Jahren überlebten in der Capecitabin-Gruppe 68% der Frauen ohne Rückfall, in der Chemotherapie-Gruppe waren es 85%.
Eine nicht im Protokoll vorgesehen Post-hoc-Analyse zeigte, dass bei Frauen mit Hormonrezeptor-negativen Tumoren bei Behandlung mit Capecitabin das Risiko für einen Rückfall vierfach höher (HR = 4,39, p < 0,001), das Sterberisiko dreifach höher (HR = 3,76, p < 0,001) war als bei Behandlung mit Chemotherapie. Mehr Frauen in der Chemotherapie-Gruppe litten unter schweren Nebenwirkungen.
Quelle:
Muss HB, et al. Adjuvant chemotherapy in older women with early-stage breast cancer. N Engl J Med 2009;360:2055-2065.
Dies ergab die Studie 49907 der Cancer and Leukemia Group B (CALGB), in der Wirksamkeit und Verträglichkeit einer adjuvanten Therapie mit Capecitabin oder einer Chemotherapie aus Cyclophosphamid, Methotrexat und Fluorouracil (CMF) bzw. Doxorubicin und Cyclophosphamid verglichen wurden.
Aufgenommen wurden 633 Frauen im Alter ab 65 Jahren in gutem Allgemeinzustand, die an einem operablen Adenokarzinom der Brust litten. Nach der ersten Zwischenanalyse wurden wegen Unterlegenheit von Capecitabin keine weiteren Frauen mehr in die Studie aufgenommen. Die mediane Nachbeobachtungszeit zum Zeitpunkt der Datenanalyse betrug 2,4 Jahre. Die Rückfall- und Sterberaten waren in der Capecitabin-Gruppe fast doppelt so hoch, wie in der Chemotherapie-Gruppe. Die Hazard-Ratio für rückfallfreies Überleben unter Capecitabin versus Chemotherapie betrug 2,09 (1,38 – 3,17, p < 0,001), für das Gesamtüberleben 1,85 (1,11-3,08, p = 0,02). Nach drei Jahren überlebten in der Capecitabin-Gruppe 68% der Frauen ohne Rückfall, in der Chemotherapie-Gruppe waren es 85%.
Eine nicht im Protokoll vorgesehen Post-hoc-Analyse zeigte, dass bei Frauen mit Hormonrezeptor-negativen Tumoren bei Behandlung mit Capecitabin das Risiko für einen Rückfall vierfach höher (HR = 4,39, p < 0,001), das Sterberisiko dreifach höher (HR = 3,76, p < 0,001) war als bei Behandlung mit Chemotherapie. Mehr Frauen in der Chemotherapie-Gruppe litten unter schweren Nebenwirkungen.
Quelle:
Muss HB, et al. Adjuvant chemotherapy in older women with early-stage breast cancer. N Engl J Med 2009;360:2055-2065.
Freitag, 5. Juni 2009
NCSCL: Bevacizumab wirkt auch bei älteren Patienten
Eine retrospektive Analyse der AVAiL-Studie zeigt, dass Bevacizumab bei älteren Patienten vergleichbar gut wie bei jüngeren Patienten wirkt und dass keine ungewöhnlichen Nebenwirkungen beobachtet wurden.
Die AVAiL-Studie (Avastin in Lung) ist eine randomisierte, dreiarmige Phase-III-Studie, in der 1.043 Patienten mit fortgeschrittenem Nicht-Plattenepithel-NSCLC als First-line-Therapie Bevacizumab (7,5 oder 15mg/kg alle 3 Wochen bis zum Fortschreiten der Erkrankung) in Kombination mit Cisplatin/Gemcitabin, dem in Europa weit verbreiteten Standard, oder die Chemotherapie allein erhielten. Die Zugabe von Bevacizumab (7,5mg/kg) verlängerte das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) von 6,1 Monaten auf 6,7 Monate (p=0,003). Das Progressionsrisiko wurde damit um 25% gesenkt [Reck]. Der sekundäre Endpunkt Gesamtüberleben wurde durch die zusätzliche Gabe von Bevacizumab auf 12,3 Monate (HR 0,79, p = 0,003) verlängert. Nun wurden retrospektiv Sicherheit und Verträglichkeit der Bevacizumab-basierten Therapie in der AVAiL-Studie bei jüngeren und älteren Patienten (≥ 65 Jahre) verglichen. Für 304 Patienten ≥ 65 Jahre (Median 68 Jahre) und für 739 Patienten < 65 Jahre lagen Wirksamkeitsdaten vor. Bei Patienten ≥65 Jahren verlängerte sich das PFS im Bevacizumab-Arm (7,5 mg/kg) im Vergleich zum Plazebo-Arm signifikant, das Progressionsrisiko sank um 29 % (Hazard-Ration 0,71 [0,52-0,95], p = 0,023). Bei den älteren Patienten betrugen die Ansprechraten 40 %, 29 % und 30 % mit Bevacizumab 7,5 mg/kg, 15 mg/kg und Plazebo. Das Gesamtüberleben war in allen Behandlungsarmen unabhängig vom Alter ähnlich, die HR betrug für Patienten ≥65 Jahre mit Bevacizumab 7,5 mg/kg ,0,84; mit Bevacizumab 15 mg/kg 0,88.
Daten zur Verträglichkeit lagen für 284 Patienten ≥65 Jahren und für 702 Patienten < 65 Jahren vor. Hypertonie, Proteinurie und gastrointestinale Perforationen mit Schweregrad ≥ 3 sowie therapieassoziierte Todesfälle traten bei älteren Patienten sogar weniger auf, als bei Jüngeren.
Quelle:
N. B. Leighl, P. Zatloukal, J. Mezger, R. Ramlau, V. Archer, N. Moore, M. Reck. Efficacy and safety of first-line bevacizumab and cisplatin/gemcitabine in elderly patients with advanced non-small cell lung cancer (NSCLC) in the BO17704 study (AVAiL). J Clin Oncol 27:7s, 2009 (suppl; abstr 8050)
Die AVAiL-Studie (Avastin in Lung) ist eine randomisierte, dreiarmige Phase-III-Studie, in der 1.043 Patienten mit fortgeschrittenem Nicht-Plattenepithel-NSCLC als First-line-Therapie Bevacizumab (7,5 oder 15mg/kg alle 3 Wochen bis zum Fortschreiten der Erkrankung) in Kombination mit Cisplatin/Gemcitabin, dem in Europa weit verbreiteten Standard, oder die Chemotherapie allein erhielten. Die Zugabe von Bevacizumab (7,5mg/kg) verlängerte das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) von 6,1 Monaten auf 6,7 Monate (p=0,003). Das Progressionsrisiko wurde damit um 25% gesenkt [Reck]. Der sekundäre Endpunkt Gesamtüberleben wurde durch die zusätzliche Gabe von Bevacizumab auf 12,3 Monate (HR 0,79, p = 0,003) verlängert. Nun wurden retrospektiv Sicherheit und Verträglichkeit der Bevacizumab-basierten Therapie in der AVAiL-Studie bei jüngeren und älteren Patienten (≥ 65 Jahre) verglichen. Für 304 Patienten ≥ 65 Jahre (Median 68 Jahre) und für 739 Patienten < 65 Jahre lagen Wirksamkeitsdaten vor. Bei Patienten ≥65 Jahren verlängerte sich das PFS im Bevacizumab-Arm (7,5 mg/kg) im Vergleich zum Plazebo-Arm signifikant, das Progressionsrisiko sank um 29 % (Hazard-Ration 0,71 [0,52-0,95], p = 0,023). Bei den älteren Patienten betrugen die Ansprechraten 40 %, 29 % und 30 % mit Bevacizumab 7,5 mg/kg, 15 mg/kg und Plazebo. Das Gesamtüberleben war in allen Behandlungsarmen unabhängig vom Alter ähnlich, die HR betrug für Patienten ≥65 Jahre mit Bevacizumab 7,5 mg/kg ,0,84; mit Bevacizumab 15 mg/kg 0,88.
Daten zur Verträglichkeit lagen für 284 Patienten ≥65 Jahren und für 702 Patienten < 65 Jahren vor. Hypertonie, Proteinurie und gastrointestinale Perforationen mit Schweregrad ≥ 3 sowie therapieassoziierte Todesfälle traten bei älteren Patienten sogar weniger auf, als bei Jüngeren.
Quelle:
N. B. Leighl, P. Zatloukal, J. Mezger, R. Ramlau, V. Archer, N. Moore, M. Reck. Efficacy and safety of first-line bevacizumab and cisplatin/gemcitabine in elderly patients with advanced non-small cell lung cancer (NSCLC) in the BO17704 study (AVAiL). J Clin Oncol 27:7s, 2009 (suppl; abstr 8050)
Montag, 16. Juni 2008
Ab 50 nur systolischen Blutdruck messen
Bei Patienten über 50 Jahre sollte in erster Linie auf den systolischen Blutdruck geachtet werden. Bryan Williams, University of Leicester and Leicester Royal Infirmary, UK, Lars H. Lindholm, Umeå University Hospital, Sweden, und Peter Sever, International Centre for Circulatory Health, Imperial College London, UK, sprechen sich in einem Beitrag im Lancet vom 17. Juni 2008 dafür aus. Der systoliche Blutdruck steigt mit zunehmendem Alter, während der diastolische Blutdruck nur bis zu einem Alter von etwa 50 Jahren steigt und danach eher wieder abnimt. Bei Patienten ab 50 Jahren steigt die Prävalenz der systolischen Hypertonie, während eine diastolische Hypertonie kaum noch vorkommt.
Um die Therapie und Überwachung der Patienten zu vereinfachen, schlagen die Experten deshalb vor, bei diesen Patienten nur noch den systolischen Blutdruck zu messen.
Um die Therapie und Überwachung der Patienten zu vereinfachen, schlagen die Experten deshalb vor, bei diesen Patienten nur noch den systolischen Blutdruck zu messen.
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