Samstag, 15. Dezember 2012

Nalmefen von der EMA zur Zulassung bei Alkoholabhängigkeit empfohlen

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA hat in seiner Sitzung vom Dezember 2012 empfohlen, Nalmefen (Selincro, Lundbeck) in Kombination mit psychosozialer Unterstützung für die Behandlung der Alkoholkrankheit zuzulassen.

Nalmefen (Selincro, Lundbeck) ist ein Opioidrezeptorantagonist, der Erwachsenen mit Alkoholabhängigkeit helfen soll, ihren  Alkoholkonsum zu verringern. Die schon lange bekannte Substanz ähnelt in Struktur und Aktivität dem Naltrexon.


Quelle:
Pressemitteilung der EMA vom 14. Dezember 2012

Kommentare:

Friedrich Kreuzeder hat gesagt…

Nalmefen - die Lösung im Kampf gegen die Alkoholabhängigkeit?
 
Die pharmakologische Idee von Nalmefen (Selincro) ist schlüssig:
 „Der Genuss von Alkohol führt im mesolimbischen System zur Dopaminfreisetzung, die Lust auf mehr (Alkohol) macht. Die Dopaminausschüttung wird dabei durch die Freisetzung von Endorphinen erleichtert. Nalmefen soll diesem Effekt entgegenwirken und damit den Alkoholkonsum reduzieren, wahrscheinlich, indem es modulierend im cortico-mesolimbischen System eingreift. Die Substanz ist ein Opioidrezeptor-Ligand. An µ- und δ-Rezeptoren wirkt es antagonistisch, an κ-Rezeptoren hat es eine partiell agonistische Aktivität.“
 
Die Idee hat aber einen entscheidenden Haken: Wo bleibt die Psyche?
Die Gründe, weshalb ein Alkoholabhängiger überhaupt trinkt, werden außer Acht gelassen.
 
Das meist in Jahrzehnten eingeübte und bestens funktionierende System der Selbstmedikation mit Alkohol zur Bewältigung alltäglich erscheinender Probleme wird, nach ersten Anfangserfolgen mit Nalmefen, im Langzeitverhalten überhand gewinnen. Süchtige Trinker, die ein Wohlgefühl durch Alkohol erwarten, wollen und können nicht auf dies Wohlgefühl verzichten.

Besonders lebensfremd ist dabei die Annahme, ein Alkoholiker könne den Zeitpunkt „1 bis 2 Stunden vor dem erwarteten Konsum“ in freier Wahl selbst bestimmen. Nur bei einer Minderheit von Patienten könnte eine solche kognitive Steuerung für einige Zeit funktionieren. 
 
Aus der Rückfallaufarbeitung im therapeutischen Kontext kennen Klient und Therapeut aber die Sprachlosigkeit ob der Frage: „Was ist passiert, wie kam es zum Rückfall?“ Die mit Abstand häufigste Antwort auf diese Frage: „Ich weiß es nicht, ich war wie ferngesteuert.“ 
 
Der bekannte Mangel an Suchttherapeuten macht dabei ein grundlegendes Problem deutlich. Nach „Selincro-Werbeaussagen“ gibt es in Deutschland etwa 2 Mio. abhängig trinkende Menschen, denen etwa 2.000 – 5.000 Suchttherapeuten gegenüberstehen. Von den insgesamt etwa 21.600 registrierten Psychotherapeuten lehnt eine überwältigende Mehrheit die Abhängigkeitsbehandlung ab und verweist auf Wartezeiten im Bereich von Jahren. 
 
Daran wird ein Medikament, das zur Reduktion der Trinkmenge führen soll, nichts ändern. Dem Gesundheitssystem werden damit aber dringend benötigte Milliarden zugunsten eines Pharmaproduktes entzogen. Diese Gelder wären sinnvoller in die Ausbildung dringend benötigter Suchttherapeuten investiert, die in Zusammenarbeit mit den Betroffenen die Fragen nach dem „Warum“ und/oder Komorbiditäten klären könnten.
 
Aus suchttherapeutischer Sicht gibt es aber auch einen großen Lichtblick bei der Markteinführung von Nalmefen: die Abkehr vom Abstinenzdogma führt in Fachkreisen endlich zum längst fälligen Paradigmenwandel.
 
Die bisherige Praxis, an der Abstinenzhürde scheiternde Patienten als Therapieversager zu klassifizieren, ist damit nicht mehr haltbar. Das Prinzip der Schadensbegrenzung (Harm Reduction) wird konsensfähig.

Auf diesem Wege bekommen alternative Behandlungsansätze, wie die gegenüber Nalmefen erheblich kostengünstigere off-label-Behandlung mit Baclofen oder Kontrolliertes Trinken, nach der von Prof. Joachim Körkel entwickelten KT-Methode endlich den Platz in der Suchttherapie, der ihnen längst zusteht.

Friedrich Kreuzeder
Dr. Cornelia Weigel

R. Schneider / www.selincro-forum.de hat gesagt…

Die pharmakologische Idee von Nalmefen (Selincro) ist schlüssig.

Das natürlich Betreiber eines Forums zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit mit Baclofen

in der Verschreibung von
Selincro® (Nalmefen) europaweit,
befürchten, daß Baclofen niemals nicht offiziel zugelassen wird,

erklärt den Text.

R. Schneider

Selincro Forum Deutschland