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Dienstag, 27. Dezember 2016

Wie eine negative Studie plötzlich positiv wird

"Hilfe nach Zeckenbiss: Neues Antibiotika-Gel gegen Borreliose", so der Titel einer Pressemeldung des Centrums für Reisemedizin (CRM). Weiter heißt es: "Eine internationale Studie hat nun gezeigt, dass ein Antibiotika-Gel auf Basis von Azithromycin, einem Antibiotikum mit antibakteriellen Eigenschaften, die Entwicklung einer Lyme-Borreliose verhindern kann.".
Die Studie wurde in Lancet Infectious Diseases online am 19. Dezember publiziert. Guckt man sich die Originalarbeit an, sieht die Sache jedoch ganz anders aus. Die österreichisch-deutsche Studie musste wegen Wirkungslosigkeit des Antibiotika-Gels vorzeitig abgebrochen werden!
"The trial was stopped early because an improvement in the primary endpoint in the group receiving azithromycin was not reached. At 8 weeks, 11 (2%) of 505 in the azithromycin group and 11 (2%) of 490 in the placebo group had treatment failure (odds ratio 0·97, 95% CI 0·42–2·26, p=0·47)." (Zitat aus dem Studien-Abstract)
Nur in einer Post-hoc-Subgruppenanalyse konnte ein Effekt von Azithromycin-Gel gesehen werden. Aber das ist nicht beweisend, wie die Autoren selbst schreiben:
" Although the results of this analysis suggested some preventive efficacy with topical azithromycin, it was not sufficiently powered to prove superiority over placebo in preventing Lyme borreliosis, and residual bias cannot be excluded. Therefore, our data are deemed to be exploratory and need to be confirmed in sufficiently powered future studies with restricted clinical primary outcome measures.
Topical treatment with 10% azithromycin did not lead to prevention of erythema migrans,  seroconversion, or both, 8 weeks after a tick bite when compared with placebo"

In der CRM-Pressemitteilung liest sich das so: "Bei den Patienten, die mit dem Gel behandelt wurden, entwickelte keiner eine Lyme-Borreliose. In der Kontrollgruppe traten hingegen sieben Borreliose-Fälle auf", fasst Professor Jelinek die Ergebnisse zusammen. "Das Antibiotika-Gel scheint die Borreliose-Bakterien abzutöten."
Nur der Satz "Für einen möglichen klinischen Einsatz des Gels müsse aber noch eine Belegstudie folgen", weist den sehr aufmerksamen Leser der Pressemitteilung darauf hin, dass diese Aussagen möglicherweise mit Vorsicht zu genießen sind.

Meine Meinung hierzu: Die Pressemeldung des CRM führt den Leser dreist in die Irre. Unklar ist, warum sich das CRM für so eine Falschmeldung hergibt.

Quelle:
Schwameis, M., Kündig, TM. , Huber, G., et al. Topical azithromycin treatment for the prevention of Lyme disease: Results from randomised, placebo-controlled clinical trials. Lancet Infect Dis. 2016. online first, doi: http://dx.doi.org/10.1016/S1473-3099(16)30529-1
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Donnerstag, 14. März 2013

Azithromycin: FDA warnt vor Herzrhyhtmusstörungen

Die  Food and Drug Administration (FDA) weist auf das Risiko lebensbedrohlicher Herzrhythmussttörungen aufgrund einer Verlängerung des QTc-Intervalls bei Einnahme des Antibiotikums Azithromycin hin.

In Deutschland wird in den Fachinformationen Azithromycin-haltiger Arzneimittel bereits auf das Auftreten einer QTc-Zeit-Verlängerung  im Zusammenhang mit der Einnahme des Antibiotikums hingewiesen. Von einer Anwendung bei Patienten mit angeborenem QT-Syndrom, Elektrolytstörungen und klinisch relevanten Arrhythmien oder Herzinsuffizienz sowie gemeinsam mit anderen Wirkstoffen, die das QT-Intervall verlängern, wird daher abgeraten.

Quelle
FDA Drug Safety Communication vom 12. März 2013

Donnerstag, 31. Mai 2012

Azithromycin erhöht kardiovaskuläres Risiko

Eine fünf Tage dauernde Therapie mit Azithromycin erhöht das Risiko für einen kardiovaskulären Tod. Im Vergleich zu Amoxicillin wurden 47 zusätzliche kardiovaskuläre bedingte Todesfälle pro 1 Mio. Therapiezyklen mit Azithromycin beobachtet. Bei hohem kardialem Risiko steigt die Zahl jedoch auf 245 zusätzliche Todesfälle pro 1 Mio. Therapiezyklen. Dies ergab eine retrospektive Kohortenstudie mit den Daten von Patienten aus dem Tennessee Medicaid Programm.
Die FDA kündigte in einer ersten Stellungnahme an, die Risikobeurteilung von Azithromycin aufgrund dieser Ergebnisse zu überprüfen.

Quelle:
Ray WA et al. Azithromycin and the risk of cardiovascular death. N Engl J Med 2012;366:1881-90

Freitag, 18. Mai 2012

Azithromycin: FDA prüft kardiovaskuläres Risiko

Aufgrund einer Studie im NEJM vom 17. Mai 2012 zum kardiovaskulären Risiko von Antibiotika prüft die FDA die Ergebnisse.

Eine im NEJM publizierte Studie zeigte eine signifikante Erhöhung kardiovaskulärer Todesfälle bei Patienten, die über fünf Tage Azithromycin (Zithromax) einnahmen im Vergleich zu Patienten, die keine Antibiotika erhielten (Hazard-Ratio 2,88; 95%-KI 1,79 - 4,63; p < 0,001) sowie eine Erhöhung aller Todesfälle (HR 1,85; 95%-KI 1,25 - 2,75; p = 0,002). Bei Patienten, die Amoxicillin nahmen, war das Risiko nicht erhöht. Auch im Vergleich zu Amoxicillin erhöhte Azithromycin das Risiko für kardiovaskulären Tod (HR 2,49; 95%-KI 1,38 - 4,50; p = 0,002) und alle Todesfälle (HR 2,02; 95%-KI 1,24 - 3,30; p = 0,005). Das Risiko eines kardiovaskulären Todes war signifikant höher als bei Einnahme von Ciprofloxacin, aber es unterschied sich nicht signifikant, wenn die Patienten Levofloxacin nahmen.

Quellen
FDA Safety Alert vom 17. Mai 2012
Ray WA et al. NEJM 2012;366:1881-1890