Dienstag, 19. Mai 2020

Onasemnogen abeparvovec von der EU-Kommission zugelassen

Die EU-Kommission hat am 18. Mai 2020 Onasemnogen abeparvovec (Zolgensma, AveXis, Novartis) beschleunigt und bedingt für die Behandlung von Kindern im Alter unter 2 Jahren mit 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie (SMA) zugelassen, die

  • eine biallelische Mutation im SMN1-Gen und eine klinisch diagnostizierten Typ-1-SMA aufweisen oder 
  • eine biallelischen Mutation im SMN1-Gen und bis zu 3 Kopien des SMN2-Gen aufweisen.

Onasemnogen-Abeparvovec ist eine Gentherapie, die darauf abzielt, eine funktionsfähige Kopie des
Survival-Motoneuron-Gens (SMN1) in die transduzierten Zellen einzubringen, um die  monogenetische Grundursache der Erkrankung zu behandeln.

Onasemnogen-Abeparvovec ist ein nicht replizierender rekombinanter AAV-Vektor, der ein
AAV9-Kapsid verwendet, um ein stabiles, voll funktionsfähiges menschliches SMN-Transgen bereitzustellen. Die Fähigkeit des AAV9-Kapsids, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und Motoneuronen zu transduzieren, ist erwiesen. Das in Onasemnogen-Abeparvovec vorhandene SMN1-Gen ist so konzipiert, dass es als episomale DNA im Kern der transduzierten Zellen liegt und in postmitotischen Zellen voraussichtlich über einen längeren Zeitraum stabil exprimiert wird. Es ist nicht bekannt, dass das AAV9-Virus beim Menschen Krankheiten verursacht. Das Transgen wird als selbst-komplementäres doppelsträngiges Molekül in die Zielzellen eingebracht. Die Expression des
Transgens wird durch einen konstitutiven Promotor (Hybrid aus Cytomegalievirus-Enhancer und Hühner-β-Aktin Promotor) ermöglicht, der zu einer kontinuierlichen, anhaltenden SMN-Proteinexpression führt.

Bereits die einmalige intravenöse Gabe der Gentherapie führt zur Expression des SMN-Protein der kindlichen Motoneuronen und verbessert damit Muskelbewegung und -Funktion sowie das Überleben des Kindes mit SMA. Die Dosierung basiert auf dem Körpergewicht.

Die Wirkung von Onasemnogen abeparvovec wurde in Phase-1-Studi­en (START) und in einer Phase-3-Studie (STR1VE-US) untersucht. Eine weitere Phase-3-Studie (STR1VE-EU) läuft derzeit in Europa. Die Zulassung beruht im We­sent­lichen auf den Ergebnissen der US-Studie, deren Ergebnisse noch nicht publiziert sind.

An der offenen Studie hatten 22 Patienten teilgenommen, von denen 20 Patienten im Alter von 14 Monaten ohne dauerhafte Beatmungsunterstützung am Leben waren, was beim natürlichen Verlauf der Erkrankung nur bei 1/4 der Patienten der Fall ist.

Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen war ein Anstieg der Leberenzyme und Erbrechen. Um die Gefahr von Leberschäden zu minimieren, werden die Patienten vor und nach der Behandlung vorübergehend systemisch mit Steroiden behandelt. Nach der Infusion wird die Leberfunktion über mindestens 3 Monate überwacht.

Der Preis der bisher teuersten Behandlung soll etwa 1,9 Millionen Euro für eine einzige Infusion betragen, die die Erkrankung angeblich  lebenslang stoppen soll. Der Beweis hierfür steht allerdings noch aus.

Die GWQ Service Plus hat Mitte April 2020 bekannt gegeben, dass sie mit der AveXis Inc. einen Vertrag mit einem erfolgsorientierten Erstattungsmodell abgeschlossen hat. Bei diesem Vertragsmodell werden mehrere patientenrelevante Outcome-Parameter berücksichtigt, wobei AveXis das Risiko übernimmt, im Vertragsfall gestaffelt bis zu 100% der Arzneimittelkosten zurückzuzahlen. Auch der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) hat in seinem Vertrag eine erfolgsorientierte Erstattungsvereinbarung vorgesehen, die angesichts der Besonderheiten einer Gentherapie zur einmaligen Applikation geboten sei.

Quelle:
EPAR der EMA

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